Feierbiest, Knappe, Rennpferd und die Angst vor Klingmanns linkem Fuß
Donnerstag 11.06.20 15:00 Uhr|Autor: Tobias Wittenzellner 3.180
Florian Gögl zählt zu den besten Verteidigern in Ostbayern. Foto: Florian Würthele

Feierbiest, Knappe, Rennpferd und die Angst vor Klingmanns linkem Fuß

Meine Top-11: Florian Gögl vom SV Donaustauf hat gewählt! +++ "Sebastian Nachreiner ist ein Zweikampfmonster vor dem Herrn" +++ "Michael Cencic hat seine Gegenspieler bearbeitet wie ein Terrier: Entweder Ball oder Gegner"
Im Laufe einer langen Fußballerkarriere trifft man den einen oder anderen besonderen Menschen, mit dem man gemeinsam auf dem Platz um Punkte kämpft. Wir lassen in der FuPa-Serie "Meine Top-Elf" Spieler zu Wort kommen, die elf Akteure vorstellen, die bei ihnen nachhaltig Eindruck hinterlassen haben - egal ob sportlich oder gesellschaftlich. Heute erzählt Florian Gögl (33) vom SV Donaustauf von vielen Nächten mit Dingolfings Teammanager Manuel Wimmer und berichtet, warum Sebastian Nachreiner und Stefan Lex "auf dem zweiten Bildungsweg" den Sprung in den Profibereich geschafft haben.


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Meine Top-11
Elf des Jahres
Volz
Klingmann
Nachreiner
Cencic
Alschinger
Sautner
Petrovic
Wimmer
Stijepic
Vasilic
Lex


Tor:
Sandro Volz (FC Deisenhofen): "Sandro kam damals zur gleichen Zeit nach Buchbach wie ich. Zwischenzeitlich musste er dem alten Haudegen Thomas Penker den Vortritt lassen, ehe er sich einen Stammplatz erkämpfte und den Gegnern sowohl verbal als auch fußballerisch das Fürchten lehrte. Ein absoluter Irrer - jedoch im positiven Sinne, wie eben ein Keeper sein muss. Er war ein Biest, sowohl auf dem Platz als auch beim Feiern nach unseren Siegen in der Kabine und anschließend beim Party machen. Wegen Personalnot wurde er in Buchbach sogar mal als Feldspieler eingesetzt und meisterte auch diese Herausforderung mit Bravour: im Heimspiel gegen Rosenheim schoss er den Siegtreffer, da brannte dann natürlich die Hütte."


Abwehr:
Ralf Klingmann (TSV Velden): "Ralf lernte ich ebenfalls während meiner Buchbacher Zeit kennen. Mit seinem linken Fuß konnte er Diagonalbälle über 70 Meter auf den Zentimeter genau schlagen, dies war unter anderem ein jahrelanges Erfolgsrezept im Buchbacher Angriffsspiel. Ralf als linker Verteidiger mit einem Diagonal-Flugball auf Manuel Neubauer nach rechts außen und der Ball landete nicht selten im Netz. Ebenso gefürchtet seine Standards mit dem linken Fuß, egal ob Freistoß, Elfmeter oder auch Ecken. Dies musste ich später leider einmal selbst schmerzlich miterleben, als er als Spielertrainer bei Velden und ich bei Geiselhöring war und er in einem Spiel zwei direkte Ecken verwandelte (!). Wir treffen uns in der Regel einmal im Jahr zu einer Trainerfortbildung und quatschen über die alten Zeiten."

Sebastian Nachreiner (SSV Jahn Regensburg): "Wastl ist ein Zweikampfmonster vor dem Herrn, teilweise unorthodox in seiner Spielweise, jedoch fast immer erfolgreich. In meiner Dingolfinger Zeit waren wir ein sehr gut harmonisierendes Innenverteidiger-Duo in der Landesliga - in der B-Jugend auch optisch, als wir eine geraume Zeit beide lange Haare hatten. Er hielt diese Phase aber länger durch als ich. Ansonsten ein recht ruhiger und intelligenter Zeitgenosse, der jedoch auf dem Platz keine Kompromisse macht. Jedenfalls freut es mich für ihn, welche Entwicklung seine Karriere genommen hat."

Michael Cencic (Karriereende): "Cenci hat absolutes Schauspiel-Talent - aber nicht auf dem Platz wenn es um Schwalben geht. Nein, man muss einmal eine Aufführung der Theatergruppe Hagelstadt gesehen haben, um zu wissen was ich meine. Auf dem Platz war er ein beinharter Verteidiger, seine Gegenspieler hat er bearbeitet wie ein Terrier: "Entweder Ball oder Gegner", das war sein Motto. Die eine oder andere gelb-rote oder rote Karte gehörte daher pro Saison einfach zum Standardprogramm. Auch abseits des Platzes eine herausragende Persönlichkeit, der jetzt sein Glück in der Politik versucht und dabei in naher Zukunft bestimmt erfolgreich sein wird."

Mittelfeld:
Stefan Alschinger (SV Neufraunhofen): "Alschi ist als mein Ex-Schwager ein besonderer Spieler in meinem Team. Mit ihm habe ich bei gleich drei verschiedenen Clubs zusammen gespielt (Buchbach, Geiselhöring und Donaustauf). Ich kenne absolut keinen, der die linke Außenbahn dermaßen beackert wie er - wie ein Rennpferd. Und Flanken schlägt er wie aus dem Lehrbuch - scharf mit dem Innenspann. Ein absolutes Mentalitätsmonster mit hohem Anspruch an sich selbst, wenn vielleicht auch manchmal etwas übertrieben, aber er meint es dennoch gut. Er ist einer dieser Spieler, der noch motivierter ist und über sich hinauswächst wenn die gegnerischen Zuschauer ihn hart beschimpfen. Allgemein aber für jeden Spaß zu haben: nach unserem Regionalliga-Aufstieg mit Buchbach ließ er sich sogar die Haare abrasieren. Leider spielen wir mittlerweile nicht mehr zusammen, dennoch ist er ein guter Freund geblieben."

Martin Sautner (SV Donaustauf): "Aktuell mein Kapitän bei Donaustauf und das auch zurecht. Absoluter Leader auf dem Platz und ein Vorbild in Sachen Kameradschaft und Teamgeist. In den Spielen versucht er meist einen Fernschuss oder Heber, was fast nie klappt, aber einmal pro Jahr ist er dann doch erfolgreich damit. Auch abseits des Platzes ist er ein verrückter Kerl, ob jährlich mehrmals nach Malle oder das Tomorrow-Land-Festival in Belgien - Sauti ist international unterwegs. Alles in allem ein Lebemann, der immer den richtigen Spruch parat hat. Einfach ein cooler Typ."

Aleksandro Petrovic (TSV Buchbach): "Ali war und ist ein richtiger Glücksfall für den TSV Buchbach. Als er damals von Dynamo Dresden in die kleine Gemeinde im Landkreis Mühldorf kam, war das wahrscheinlich ein kleiner Kulturschock für ihn. Allerdings war früh klar welche Fähigkeiten er besitzt und wie wertvoll er ist. Auf dem Platz ist er auf der 6 oder 10 ein richtiges Schlitzohr und mit allen Wassern gewaschen. Eine sehr feine Technik, das Auge für den Mitspieler und die eigene Torgefahr zeichnen ihn aus. Darüber hinaus geht er als Führungsspieler voran und zieht seine Mannschaftskameraden mit. Schon jetzt eine Legende für den TSV Buchbach und die Regionalliga Bayern als Rekordtorschütze und -spieler."

Manuel Wimmer (Karriereende): "Wir haben von der B-Jugend bis zu den Herren insgesamt acht Jahre beim FC Dingolfing zusammengespielt. Er war eine wichtige Bezugsperson und ein klasse Mannschaftskamerad nach meinem Wechsel vom Heimatverein SV Buchhofen in die Dingolfinger Nachwuchsschmiede. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich bei ihm nach unzähligen Plaza-Besuchen (damalige Disco in DGF) bzw. Stadion-Stubn-Abenden übernachtet habe. Auch nach den vielen Jahren haben wir immer noch Kontakt. Mittlerweile hat er beim FC eine tragende Rolle in der sportlichen Leitung eingenommen und man sieht bereits die Früchte seiner Arbeit."

Für den TSV Buchbach absolvierte Gögl 112 Regional- und Bayernligaspiele.

Für den TSV Buchbach absolvierte Gögl 112 Regional- und Bayernligaspiele. Foto: Michael Buchholz


Sturm:

Stefan Lex (TSV 1860 München): "Lexi ist neben Wastl Nachreiner das Musterbeispiel für eine Profikarriere auf dem zweiten Bildungsweg. Chapeau wie sich seine Karriere entwickelt hat. In Buchbach hatte er immer wieder muskuläre Blessuren und wenn er mal ein paar Spiele gemacht hatte, folgte meist wieder ein Rückschlag in Form einer Zerrung oder eines Faserrisses. Nachdem er diese Probleme jedoch durch verschiedene Maßnahmen in den Griff bekommen hatte, spielte er 2012 eine überragende Regionalliga-Hinrunde und die Entwicklung in Richtung professionellen Bereich nahm mit Greuther Fürth und Ingolstadt seinen Lauf. Ein sehr bodenständiger und vernünftiger Kerl, der nie abgehoben ist und mit dem man nicht nur auf dem Platz viel Spaß haben kann."

Mijo Stijepic (Trainer FC Ismaning): "Der Knappe im Team. Seine Zeit bei Schalke 04 hat Mijo geprägt. Ein sehr feiner Mensch und fairer Sportsmann, meist ruhig und besonnen. Als ich ihn jedoch im Trainingsspiel mal getunnelt hatte, konnte er es kaum glauben wie ein Abwehrspieler ihm einen Beiner verpassen kann - da hätte er beinahe den Glauben an sich selbst verloren. Des weiteren verstand er es wie kein Zweiter, sich kurz anspielen zu lassen, den Ball abzuschirmen um ihn dann gekonnt in den Lauf des Mitspielers zu bugsieren. Neben seiner eigenen Torgefahr war er sich auch nicht zu schade als Torvorbereiter zu glänzen. Besonders profitiert davon hatte der heutige Bundesligaprofi Florian Niederlechner, mit dem Mijo seinerzeit das Sturmduo beim FC Ismaning bildete. Da er dort jetzt auch als Trainer fungiert, sehen wir uns aktuell bei den Spielen in der Bayernliga Süd."


Nikola Vasilic (SV Donaustauf):
"Ein waschechter Globetrotter in meiner Top-Elf. Er hat schon überall gespielt: von den USA über Osteuropa bis Ozeanien/Australien. Ein Mann mit dieser Erfahrung tut jedem Team gut. Nikola ist die Ruhe in Person, hohe Professionalität zeichnet ihn aus. Auch in schwierigen Zeit verhält er sich stets mannschaftsdienlich und behält eine positive Einstellung. Seine fußballerischen Qualitäten sind unbestritten. Einer der mittlerweile immer seltener gewordenen klassischen Strafraumstürmer. Er hat die Fähigkeit, ein Spiel mit einer einzigen Aktion zu entscheiden. So einen Stürmer braucht jede Topmannschaft."


Trainer:

Josef Steinberger (FC Augsburg II): "Ich hatte viele richtig gute Trainer, Sepp möchte ich dabei jedoch aus mehrere Gründen besonders hervorheben. Erstens hat er mich damals von meinem Heimatverein SV Buchhofen nach Dingolfing in die B-Jugend-Bayernliga gelotst. Durch diesen Schritt nahm meine Entwicklung in den höherklassigen Amateurbereich erst ihren Lauf. Der Entscheidungsprozess dahingehend war alles andere als leicht für mich, Sepp blieb jedoch hartnäckig und letztlich war er erfolgreich. Meine Mutter erzählt noch heute von seinen vielen Anrufen damals. Zweitens war er in meiner ersten Herrensaison ebenfalls mein Coach und schenkte mir auf Anhieb das Vertrauen als Stammspieler in der damaligen Landesliga Mitte. Zu guter Letzt besitzt Sepp natürlich erstklassige Trainerqualitäten. Seine weiteren Trainerstationen sowie der erfolgreiche Erwerb der Fußballlehrer-Lizenz des DFB untermauern dies."

Zur Person:
Florian Gögl verbrachte seine Jugendzeit bis zur C-Jugend beim SV Buchhofen, ehe er seinen Heimatverein in Richtung FC Dingolfing verließ. Bei den BMW-Städtern kickte er in der U17 und U19 in der Bayernliga, wo er im ersten A-Jugendjahr sogar die Vizemeisterschaft feierte. Nach vier Jahren in der Landesliga bei den Herren des FCD wechselte der Defensivspezialist 2010 zum Bayernligisten TSV Buchbach, mit dem er zwei Jahre später die Qualifikation für die neu eingeführte Regionalliga Bayern schaffte. Auch in der bayerischen Eliteklasse zählte Gögl zu den Stammspielern beim Kultklub, für den er insgesamt 112 Pflichtspiele absolvierte.

2014 zog es ihn dann zum aufstrebenden Bezirksligisten TV Geiselhöring, bei dem er nach einem Jahr zum Spielertrainer befördert wurde. In den folgenden drei Spielzeiten landete der TVG gleich dreimal auf dem undankbaren dritten Tabellenplatz. 2018 heuerte Gögl dann als spielender Co-Trainer beim SV Donaustauf an, mit dem er auf Anhieb die Meisterschaft in der Landesliga Mitte feierte und aktuell in der Bayernliga Süd auf Rang elf liegt. Nach dieser Spielzeit wird Florian Gögl die Oberpfälzer jedoch aus beruflichen und familiären Gründen verlassen.

Aktuell fungiert Florian Gögl als Co-Spielertrainer beim Bayernligisten SV Donaustauf.

Aktuell fungiert Florian Gögl als Co-Spielertrainer beim Bayernligisten SV Donaustauf. Foto: Florian Würthele


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