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Interview

"Ich singe nicht im Stadion"

FC-Spieler Lukas Nottbeck über das Derby, seine Liebe zum Fußball und seine persönliche Zukunft

von Kölner Stadt-Anzeiger / Das Gespräch führte Markus · 05.04.2019, 07:00 Uhr · 0 Leser
Lukas Nottbeck tritt am Freitagabend mit der U21 des FC bei seinem Ex-Verein Viktoria an. Foto: Bopp
Lukas Nottbeck tritt am Freitagabend mit der U21 des FC bei seinem Ex-Verein Viktoria an. Foto: Bopp

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Herr Nottbeck, Sie haben für die großen Kölner Vereine den 1. FC Köln, Fortuna und Viktoria gespielt. Am Freitag treten Sie mit der U 21 des FC in Höhenberg an. Ist die Partie überhaupt noch etwas Besonderes für Sie?

Auf jeden Fall. Ein Derby unter Flutlicht bei dem es für beide Mannschaften noch um etwas geht, ist doch sehr reizvoll. Und vielleicht wird es sogar mein letztes Spiel in Höhenberg.

Wieso?

Weil ich fest davon ausgehe, dass die Viktoria aufsteigt und wir dann nicht mehr auf sie treffen werden.

Bedauern Sie, dass sie den möglichen Aufstieg nicht mehr als Viktoria-Spieler mitbekommen?

Nein, es ist halt so gekommen und das habe ich akzeptiert. Ich fühle mich mit meiner neuen Rolle beim FC sehr wohl.

Gönnen Sie der Viktoria den Aufstieg?

Na klar, nach sieben Jahren haben Sie es sich redlich verdient.

Ihre Karriere beim FC begann vor vielen Jahren sehr verheißungsvoll. Der große Durchbruch blieb Ihnen aber verwehrt. Warum?

Das ist im Fußball manchmal so. Ich bin trotzdem sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Alle meine Entscheidungen würde ich heute wieder so treffen. Und egal, wo ich gespielt habe, ich habe immer alles gegeben. Darauf bin ich stolz.

Mit ihrem damaligen Wechsel von der Fortuna zur Viktoria haben Sie sich aber nicht nur Freunde gemacht.

Natürlich habe ich damals viele Sprüche abbekommen und bin auch häufiger mal bepöbelt worden. Aber damit muss man umgehen können. Und das konnte ich ganz gut.

Im Herbst ihrer Karriere mehren sich vermutlich die Gedanken an die Zukunft.

Die habe ich schon viel länger. Mit dem Wechsel zum FC habe ich die Möglichkeit auszutesten, in welche Richtung es später einmal gehen soll. Ich werde im Sommer den Trainerschein machen. Aber ich kann mir auch sehr gut ein Engagement rund um eine Mannschaft als Teammanager vorstellen.

Aber auf jeden Fall im Fußball?

Ich liebe Fußball einfach und spiele, seitdem ich denken kann. Auch in der Freizeit schaue ich viel Fußball im Fernsehen und gehe darin auf. Zum Glück habe ich eine Frau gefunden, die ebenfalls im Fußball arbeitet und diese Leidenschaft teilt.

Können Sie auch ein richtiger Fan sein?

Ja, ich singe zwar nicht im Stadion, aber ich bin dennoch voll dabei.

Für wen schlägt denn das Herz am lautesten.

Auf jeden Fall für den FC, aber ich habe natürlich auch eine Verbindung zum BVB, schließlich bin ich dort in der Nähe aufgewachsen und habe ein halbes Jahr bei den Amateuren gespielt.

Wird der BVB Meister, oder machen es die Bayern?

Am Wochenende fällt meiner Meinung nach die Entscheidung. Wer sich im Spitzenspiel durchsetzt, wird auch Meister.

Zurück in die Regionalliga. Warum läuft es plötzlich so gut bei der U 21?

Wir haben uns stetig gesteigert, haben weniger verletzte Spieler und agieren jetzt mit viel mehr Selbstvertrauen.

Warum hat das unter Markus Daun zuvor nicht geklappt und funktioniert nun mit dem neuen Trainer André Pawlak?

Unter „Dauni” kamen einfach viele negative Faktoren zusammen. Er hatte bis zuletzt ein sehr gutes Verhältnis zur Mannschaft, aber es lief einfach nicht. André Pawlak hat mit seiner ruhigen und sachlichen Art etwas bewegen können. Und generell ist es so, dass sich gerade die jungen Spieler in der zweiten Saisonhälfte immer etwas leichter tun, weil sie ihre Spielweise besser an die Liga angepasst haben. Das war schon immer so.

Apropos junge Spieler. Wie würden Sie die heutige Spielergeneration im Vergleich zu ihrer Zeit vergleichen?

Viele Jungs haben heute ein anderes Selbstverständnis, das ist einfach so. Sie bekommen in der Jugend zum Teil schon sehr viel geboten. Grundsätzlich ist die Basis ein wenig verloren gegangen.

Das klingt fast melancholisch...

Wenn ich die Einstellung einiger Spieler heute sehe, werde ich das auch. Manche schauen nur auf sich, sehen das Team nicht an erster Stelle.

War das früher anders?

Zumindest zu meiner Jugendzeit beim FC. Damals waren wir ein eingeschworener Haufen, der nach Siegen und Niederlagen fast immer zusammen losgezogen ist.

Wie sieht es mit Freundschaften im Fußball aus?

In Seniorenteams im Fußball ist das meiner Meinung nach immer schwierig. Viele „Freundschaften” sind keine wahren Freundschaften. Man hat meist zwei, drei Spieler, mit denen man auf einer Wellenlänge liegt und auch neben dem Platz etwas unternimmt.

Das klingt nachdenklich...

Nein, so ist das nicht gemeint. Meine Fußballzeit war und ist sehr schön. Jede Station hat Spaß gemacht.

Kein Bedauern von falschen Entscheidungen?

Nein, ich bin was das angeht mit allem im Reinen.