
Nur die wenigsten werden sich noch an den Sommer 2013 erinnern, als vor dem Eingang der Westtribüne ein großes Plakat hing mit der Aufschrift: "Stallgeruch". Auf dem Bild waren Kevin Möhwald, Philipp Klewin, Jonas Nietfeld, Sebastian Stolze und Patrick Göbel zu sehen, die den neuen Weg des RWE symbolisieren sollten. Von diesem "Stallgeruch" ist, bis auf Klewin im Erfurter Kasten, nichts mehr geblieben. Eine verhunzte Transferpolitik, die einem in diesen Zeiten einmal mehr bewusst wird.
Nicht nur, dass die Thüringer am Freitag-Abend im Würzburger Schneegestöber baden gingen, tat den rot-weißen Fans in der Seele weh. Zu allem Überfluss war auch noch ein Ex-Erfurter der beste Mann auf dem Platz. Patrick Göbel, der bei seinem Treffer zum 2:0 bewusst nicht jubelte, war Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel und leitete klug die Angriffe der Kickers ein. Eine solche Entwicklung hatte man ihm in Erfurt leider nicht mehr zugetraut und ihn nach sieben Jahren Rot-Weiß Erfurt kurz vor Ende der Wechselfrist 2013 abgegeben, um ihn beim FSV Zwickau "ausbilden" zu lassen. Man glaubte, dass er in naher Zukunft als fertiger Spieler in die Blumenstadt zurückkehren würde. Ein Irrglaube, wie sich später herausstellte.
Ähnlich verhielt es sich auch bei Jonas Nietfeld, der bei Rot-Weiß nicht mehr gewollt war und über Schalke II und Zwickau nun beim SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga Stammspieler ist. Sturmpartner Sebastian Stolze, geboren in Leinefelde und acht Jahre für Erfurt gespielt, hat sich auch mittlerweile in das Team von Achim Beierlorzer gespielt und ist auf der rechten Seite aktuell gesetzt. Positionen, auf denen die aktuelle Erfurter Mannschaft gut Verstärkungen gebrauchen könnte.
Das Debakel von Würzburg lässt nur eine richtige Schlussfolgerung zu. Die "alten Hasen" können/wollen nicht mehr, schauen sich bereits nach neuen Vereinen um. Warum lernt der Verein nicht aus alten Fehlern und lässt wie von Ex-Trainer Bergner angekündigt, den Nachwuchs frei aufspielen. Jeder, der in Würzburg anwesend war, wird zustimmen: Schlechter kann es nicht werden. Dabei bietet der Erfurter Nachwuchs seit jeher talentierte Spieler. Bestes Beispiel Kevin Möhwald: Der absolute Durchstarter beim 1. FC Nürnberg.
Den Weg mit jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu gehen, ist aus den Augen verloren worden. Dafür wurden junge Spieler von auswärts verpflichtet. Eine Handlungsweise, die einem vor allem aufgrund der prekären Finanzlage unverständlich bleibt. Eigengewächse sind stets günstiger als jeden Sommer neue Spieler auf die Gehaltsliste aufzunehmen. Eigengewächse haben stets eine engere Bindung zum Verein, zerreißen sich für ihn auf dem Platz. Und vor allem eins haben Eigengewächse an sich: Sie geben der Mannschaft wieder ein Gesicht, mit dem man sich identifizieren kann.