FuPa Medizincheck: Der Bandscheibenvorfall
Donnerstag 31.01.19 16:15 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis8.606
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis. Foto: FuPa Stuttgart

FuPa Medizincheck: Der Bandscheibenvorfall

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport
Im FuPa-Medizincheck erklärt Dr. Simeon Geronikolakis dieses Mal wie ein Bandscheibenvorfall entsteht und diagnostiziert werden kann. Übrigens: Wer eine Frage an ihn hat, kann jene ganz einfach via E-Mail stellen.


Was ist die Bandscheibe und welche Funktion hat sie?
Der bewegliche Teil der menschlichen Wirbelsäule ist aus 24 Wirbelkörpern aufgebaut, zwischen den (mit Ausnahme zwischen dem ersten und zweiten Wirbel) sich die Bandscheiben befinden. Diese bestehen jeweils aus einem äußeren, derben Faserring (Anulus fibrosus) und dem innen liegenden weichen, wasserreichen Gallertkern (Nucleus pulposus). Die Bandscheiben wirken als Stoßdämpfer und tragen zur beweglichen Stabilisation der Wirbelsäule bei.

Was versteht man unter einem Bandscheibenvorfall?
Tritt entweder plötzlich oder langsam zunehmend Gewebe des inneren Gallertkernes durch den Faserring nach hinten in den Rückenmarkskanal oder nach hinten seitlich, spricht man von einem Bandscheibenvorfall bzw. einem Nucleus pulposus Prolaps (NPP). Hierbei kann das Rückenmark oder eine der daraus austretenden Nervenwurzeln komprimiert werden. Besonders sind die Bandscheiben an der Lenden- und etwas weniger auch an der Halswirbelsäule betroffen.
Ist die Bandscheibe bei unverletztem äußerem Faserring nur vorgewölbt, so ist die Rede von einer Bandscheibenvorwölbung oder Protrusion.

Welche Symptome treten bei einem Bandscheibenvorfall auf?
Wie bereits in Studien gezeigt werden konnte, verursacht ein Bandscheibenvorfall nicht zwangsläufig Beschwerden. Oft treten im Rahmen eines Bandscheibenvorfalles aber dennoch Rückenschmerzen auf. Komprimiert der Bandscheibenvorfall einen Nerven oder das Rückenmark, sind (manchmal auch isoliert) weitere Symptome wie Bein- oder Armschmerzen möglich, Gefühlsstörungen (z.B. Taubheit oder Kribbeln), Blasen- und Mastdarmfunktionsstörungen oder Lähmungen.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall festgestellt?
Erste Hinweise auf das Vorliegen eines Bandscheibenvorfalles können sich in der körperlichen Untersuchung, die immer auch spezielle neurologische Tests beinhaltet, ergeben. Durch Röntgenaufnahmen können primär anderweitige Ursachen, wie zum Beispiel ein Gleitwirbel, ausgeschlossen werden. Dabei kann auch, zwar nicht direkt die Bandscheibe selber, aber die Bandscheibenfachhöhe beurteilt werden, die bei einer Minderung auf eine Erkrankung der Bandscheibe, und so einem möglichen Bandscheibenvorfall, in diesem Segment rückschließen lässt. Durch die Kernspintomographie (MRT) werden dann die Bandscheiben direkt zur Darstellung gebracht. Hierbei kann ein möglicher Bandscheibenvorfall nachgewiesen und dessen Höhe, Lage und Ausprägung bewertet werden.

Wie wird der Bandscheibenvorfall behandelt?
Zur Behandlung von Rückenschmerzen respektive einem symptomatischen Bandscheibenvorfall gibt es in der konservativen Therapie, die in den meisten Fällen in erster Linie indiziert ist, sehr viele und unterschiedliche Therapieansätze. Diese sind unter Berücksichtigung der Befunde und des individuellen Gesamtstatus des Patienten sowie seinen Ansprüchen richtig zu wählen, zu kombinieren und einzusetzen.
Führt die konservative Therapie über einem längeren Zeitraum dennoch nicht zum Erfolg, stehen verschiedene operative Maßnahmen zur Verfügung, die jedoch Risiken mit sich bringen und trotz allem eine anhaltende Besserung nicht garantieren können. Aus diesem Grund ist die Indikation zur Operation sehr sorgfältig und äußerst zurückhaltend zu stellen.
Verursacht der Bandscheibenvorfall aber neurologische Störungen und Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel Lähmungen oder Blasen/Mastdarmstörungen, so kann sogar eine sehr zeitnahe operative Versorgung notwendig werden.


Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U19-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.



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