Play-offs so gut wie vom Tisch
Samstag 07.11.20 10:30 Uhr|Autor: Claus Rosenberg3.604
Wie geht es weiter mit dem Amateurfußball im Südwesten? Unter der Prämisse, dass es keine Play-offs gibt, bleiben drei Szenarien, wie diese Punktspielserie endet. Foto: Meiki Graff

Play-offs so gut wie vom Tisch

Was nach der Corona-Zwangspause aus der Fußball-Saison werden kann
MAINZ. Der Fußball ruht – auch im Südwestdeutschen Fußballverband. Die Saison ist unterbrochen. Keiner weiß, wie lange. Bekannt aber sind die Konsequenzen, die sich aus der Länge der Pausen ergeben. Die Verbandsspitze hat bei der Ausgestaltung einer corona-affinen Spielordnung weit nach vorne gedacht. Aber ist es weit genug?


Auch der Blick in die Glaskugel offenbart nicht, was das Virus mittelfristig für den Fußball bedeutet.

Auch der Blick in die Glaskugel offenbart nicht, was das Virus mittelfristig für den Fußball bedeutet. Foto: Karikatur: Heinrich Schwarze-Blanke


Die Ausgangslage


Der ursprüngliche Plan, in dieser Saison mit einer Auf- und Abstiegsrunde zu spielen, sollte vom Tisch sein. Das würde zeitlich zu knapp, sofern man den Vereinen keine Englischen Wochen – mitunter im Überfluss – zumuten möchte. Angenommen, es würde in der Regel nur am Wochenende gespielt und es gäbe keine weiteren Ausfälle, wäre die Spielzeit nach gegenwärtigem Stand der Dinge im Idealfall mit Hin- und Rückrunde an Ostern beendet. Dann blieben zwar noch vier Wochen bis zum 2. Mai, an dem der Punktspielbetrieb laut Rahmenspielplan enden soll. Diese Zeitspanne reicht nicht, um die Playoff-Serien zu veranstalten. Abgesehen davon ist es beinahe illusorisch zu glauben, dass Vor- und Rückrunde in allen Staffeln des SWFV bis Ostern abgeschlossen sind. Es gibt Vereine wie die SG Veldenztal in der Bad Kreuznacher C-Klasse, die schon jetzt der Soll-Spiele-Zahl deutlich hinterherhinken. Unter der Prämisse, dass es keine Play-offs gibt, bleiben drei Szenarien, wie diese Punktspielserie endet.

Fall 1: Der Spielbetrieb wird nicht mehr aufgenommen

Am 2. Mai ist das Tabellenbild das Gleiche wie heute, weil der Spielbetrieb nicht mehr aufgenommen wurde. Für diesen Fall hat der SWFV beschlossen, dass die Saison annulliert wird. Es gibt keinen Absteiger. Es gibt auch keine Aufsteiger, mit Ausnahme der Verbandsliga. Dort würde aufgrund der Quotientenregel der SC Idar-Oberstein für die Oberliga gemeldet, sofern dort ein Platz frei wäre.

Fall 2: Die Punktspielserie wird nicht beendet

Die Regelung ist dann genauso, als würde die Spielzeit nicht fortgesetzt. Die Spielordnung sagt, dass ein Wettbewerb nur dann gewertet wird, wenn in geteilten Ligen Vor- und Rückrunde gespielt sind. Andernfalls ist sie mit den oben genannten Konsequenzen zu annullieren.

Fall 3: Die Punktspielserie wird ordnungsgemäß beendet

Der Verbandsspielausschuss wird sich in einer der nächsten Sitzungen mit diesem Fall befassen. Angedacht ist, mit dem Ende der Punktspielserie Entscheidungsspiele über Auf- und Abstieg auszutragen. Dabei gibt es die Option, entweder die Ersten der beiden Staffeln einer Klasse den Meister ausspielen zu lassen oder diesem Endspiel womöglich ein Halbfinale vorzuschalten, für das sich die beiden Gruppen-Ersten qualifizieren. Entscheidungsspiele wird es auch mit Mannschaften aus dem hinteren Teil der Tabelle geben. Wie das konkret ausschauen wird, muss der Verbandsspielausschuss noch beschließen.  Sollten diese Spiele nicht oder nur unvollständig ausgetragen werden, wird das gruppenübergreifende Gesamtklassement einer Liga aus den Ergebnissen der Punktspielserie errechnet – und zwar über die Quotientenregel.

Fazit

Aus der Ligen-Perspektive ist der Südwestdeutsche Fußballverband auf alle Eventualitäten vorbereitet, die sich aus den Restriktionen der Corona-Pandemie ergeben könnten. Worauf es derzeit noch keine Antworten gibt: Wie wird verfahren, wenn zum Abschluss der Punktspielserie die eine Gruppe einer zweigeteilten Staffel wertungsreif ist, die andere aber nicht? Zum Beispiel die Verbandsliga: In den vergangenen Wochen war die Ost-Gruppe weniger stark von Einschränkungen betroffen als die Westgruppe. Was, wenn diese Tendenz andauert? Und die andere Frage: Macht es überhaupt Sinn, die Ligen autark zu betrachten? Was passiert, wenn ein Teil der Ligen tatsächlich wertungsreif abgeschlossen wird, ein anderer Teil aber nicht? Muss es vor diesem Hintergrund der vertikalen Vernetzung des Ligensystems  nicht eher so sein, dass die Saison im SWFV nur dann gewertet werden kann, wenn tatsächlich alle Ligen im Verbandsgebiet ihren Punktspielbetrieb beendet haben? Und ist es tatsächlich zielführend, Staffelgruppen nur dann zu werten, wenn Vor- und Rückrunde komplett ausgetragen sind? Unter dieser Prämisse droht das Risiko, dass die Wertung einer gesamten Saison von der Austragung beziehungsweise Nichtaustragung eines einzigen Spiels abhängig ist.

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