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Dienstag 08.08.17 11:33 Uhr|Autor: Andreas Werner - Münchner Merkur160
Führungsrolle bei den ÖFB-Damen: Viki Schnaderbeck mit Coach Dominik Thalhammer. F: dpa

Schanderbeck: "Deutschland muss sich hinterfragen"

ÖFB-Kapitänin im Interview
Viki Schnaderbeck unterbricht für das Interview eine Fahrt mit der Vespa durch Graz. Nach der Frauen-EM in den Niederlanden genießt die 26-Jährige vom FC Bayern noch Heimaturlaub. Der Halbfinalist Österreich sorgte bei der EM für Furore – die Kapitänin spricht über die Euphorie bei unseren Nachbarn und über die Probleme der DFB-Auswahl.

Viki Schnaderbeck, haben Sie die EM schon realisiert – Ihr Team war ja die große Überraschung.

Direkt nach dem Halbfinale war die Enttäuschung groß, wir waren so nah dran. Aber wir haben uns als Team dann gesagt, wir sollten das jetzt genießen. Es war cool, Wahnsinn, überwältigend – in Wien haben uns 4000 Fans am Rathausplatz erwartet, man wird laufend gefragt nach Selfies, das sind wir ja gar nicht gewöhnt. 100 Prozent habe ich es noch nicht verarbeitet.

Haben Sie während der EM mitbekommen, was für eine Begeisterung zuhause entfacht wurde?

Nicht ganz. Wir waren da in unserer „Holland-Blase“, das war aber auch ganz gut so, so konnten wir uns auf uns konzentrieren. Beim Public Viewing waren 12 000 Menschen – das ist für unser kleines Österreich phänomenal. Alt, jung, Frau, Mann – wir haben Gesellschaftsschichten erreicht, die sich sonst für Fußball gar nicht so interessieren. Da hast schon Gänsehaut.

Die Männer von RB Salzburg mussten mit der Qualifikation zur Champions League sogar zur besten Sendezeit den Programmplatz räumen . . .

Quasi der Ritterschlag. Da muss man auch mal den ORF loben. Die Medien standen generell voll hinter uns.

Vielleicht, weil Österreichs Fußballseele zuletzt wieder gelitten hat. Satiriker hatten bereits nach zwei Spielen gelästert, dass Ihr Team mehr Punkte als David Alaba und Kollegen letztes Jahr bei ihrer EM in Frankreich erringen konnte. Gab es Kontakt mit den ÖFB-Männern?

Persönlich hatte ich mit David keinen Kontakt, er hat aber eine Videobotschaft ans ganze Team geschickt. Von unseren Burschen gab es keinen Neid, im Gegenteil, wir haben viele Nachrichten bekommen, dass sie sich ehrlich mit uns freuen. Sie können ja auch einschätzen, was für ein Druck bei so einem Turnier herrscht. Und mit welchem Spirit wir aufgetreten sind.

Mit 23,17 Jahren war Ihr Team das jüngste der EM – wird Austria zur Frauenfußball-Macht?

(lacht) Da muss man vorsichtig sein. Fakt ist, wir kennen uns schon lange und wachsen gemeinsam. Aber wir waren jetzt der Außenseiter, ab jetzt beginnt etwas Neues für uns. Wenn wir uns darauf einstellen, ist viel möglich. Es steckt viel Arbeit hinter unserer Entwicklung, 2011 wurden da die Weichen gestellt. Man muss auch ausdrücklich sagen, unsere Liga zuhause ist noch zu schwach für so einen Prozess. 14 Spielerinnen sind bei deutschen Vereinen unter Vertrag, davon profitieren wir . . .

. . . also hat Deutschland auch einen Anteil, das darf man ja mal sagen, trotz aller Rivalität?

(lacht) Ja, das darf man schon mal sagen. Ich weiß natürlich, dass bei einem Viertelfinal-Aus in Deutschland die Diskussionen groß sind, aber das ist eine starke Fußball-Nation mit erstklassigen Optionen. Das ist ein Klagen auf hohem Niveau. Frankreich, Schweden und Spanien waren auch im Viertelfinale raus – das ist keine Schande, wo jetzt alle enger zusammenrücken. Trotzdem müssen sich die Deutschen auch hinterfragen. Dänemark wirkte hungriger, da fehlte etwas. So etwas ist auch eine Chance, um neu durchzustarten. Deutschland wird gestärkt hervorgehen. 

Wie geht es Ihnen persönlich – Sie waren zwischendurch in der Klinik, bissen auf die Zähne.

Mir geht es gut. Ich habe bis zum 15. August Urlaub, das wird helfen, denn ich habe viel Energie aufbringen müssen. Diese Achterbahnfahrt wird aber auch dafür sorgen, dass mir diese EM in besonderer Erinnerung bleibt. Man merkt: Es geht immer weiter.

Österreich bewirbt sich um die Frauen-EM 2021. Ein Traum?

Ja, auf jeden Fall. Darauf arbeiten wir hin. Aber es muss noch viel passieren bei uns. Die Liga muss besser werden, mehr Mädchen müssen zum Fußball ermutigt werden. Die EM jetzt kann da nur ein erster Anreiz gewesen sein.

Interview: Andreas Werner

 
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