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Mittwoch 14.06.17 10:35 Uhr|Autor: Andreas Werner - Münchner Merkur313
Thomas Wörle muss künftig auf Sarah Romert verzichten. F: dpa

Sarah Romert: Sisyphos' Töchter beendet ihre Karriere

"Ich habe so viel durchgestanden"
Ganz unvermutet nimmt Sarah Romert einen mit auf eine Reise nach Trinidad und Tobago. Zumindest fühlt es sich so an, obwohl man in einem Café in Harlaching sitzt. Aber Sarah Romert hat so eine mitreißende Art zu erzählen, man kann die Wellen hören, die die beiden Karibikinseln umspülen, auch das Knattern der wackligen Propellermaschine, in der sie dort herumflog. „Alles war superschön, alles“, sagt sie, „so naturbelassen, wunderschön.“ 

Sieben Jahre ist diese Reise mit den DFB-Juniorinnen zur U-17-WM nun her. Damals stand Sarah Romert die (Fußball-)Welt offen, Trinidad und Tobago sollte nur der Anfang sein. Doch nun endet die Karriere, abrupt, in einem Café in Harlaching.

Sport besteht aus schönen Geschichten, von Helden, Titeln und Triumphen. Aber es gibt auch die eine oder andere Leidensgeschichte. Sarah Romert schrieb eine mit sehr, sehr, sehr vielen Kapiteln.

Sechs Jahre spielte sie für den FC Bayern, wobei das so nicht ganz stimmt: Drei Saisons spielte sie, drei kämpfte sie, von Verletzungen gebeutelt, um ihre Karriere. Nun gab sie auf. „Du bist irgendwann nicht mehr der Mensch, der du sein willst oder der du sein kannst“, erzählt sie, „du kannst nicht immer nur positiv sein.“ Trotz all der Qualen sagt sie: „Es war die schönste Zeit meines Lebens.“

Sarah Romert ist mit 16 aus Memmingen nach München gekommen. Beim DFB war sie bereits eine fixe Größe, bei Bayern zählte sie auch bald zur Stammelf. „Ich war richtig gut in meiner Entwicklung“, sagt sie. Im Frühjahr 2014 erlitt ihr Knie Totalschaden. Ihr Kreuzband riss, dazu das Innenband, auch die Menisken gingen kaputt. Zwar stand sie im September schon wieder auf dem Trainingsplatz, doch als sie bei der Reha einmal um die Ecke bog, ganz harmlos, gab es einen Stich ins Knie. Wieder der Meniskus, „bloß eine kleine Operation eigentlich – aber ab da wurde alles immer nur schlimmer“. Sarah Romert, damals blutjunge 19, wurde zu Sisyphos’ Tochter.

Erst Schmerzen am Knorpel, zwei Monate ohne Bewegung, dann ständig Stiche im Knie, sobald sie ranschnupperte. Keine zwei Wochen am Stück trainierte sie in den Folgejahren mit ihrem Team. Eine Zyste im Knie bremste sie in der abgelaufenen Saison dann noch mal gründlich. „Das letzte dreiviertel Jahr war hart“, erzählt sie, „extrem kraftraubend, als Mensch.“

Ab und zu drehte sie in der Reha schon in der Kabine um und ging wieder nach Hause. „Ich wusste, ich packe es nicht mehr, und wenn mich jetzt einer anspricht, heule ich los.“ In den letzten Monaten war sie oft fünf Mal pro Woche krank: Knie, Rücken, Hüfte, „die Schmerzen verteilen sich dann. Es gab Wochen, da lag ich jeden Abend heulend im Bett. Es war aussichtslos. Das ist ja kein Zustand.“ Also reifte schweren Herzens der Entschluss, aufzuhören. „Es war eine Erlösung“, sagt sie, „ich kann ja nicht jahrelang gegen meinen eigenen Körper ankämpfen.“

Leicht ist so eine Entscheidung nicht. „Du hast Fußball zu deinem Lebensinhalt gemacht, das ist dein Herz – da muss man erst einmal rational sein und sich sagen können: Irgendwann endet jedes Fußballerleben.“ Wichtig ist, dass Familie, Bekannte und ihr Freund schon in der Leidenszeit als Auffangbecken funktionierten. Dazu hat sie konkrete Pläne: Das Studium im Sportmanagement abschließen, beim BFV in eine Trainerlaufbahn reinschnuppern. Fußballcamps, etwas mit Kindern schwebt ihr vor. „Ich weiß, ich hab’ so viel durchgestanden, ich kann mich auch in anderen Lebensbereichen verwirklichen. Ich war schon immer ein Leadertyp.“

Sarah Romert merkt man an, dass sie befreit ist, erlöst, wie sie sagt. Traurig war sie lange genug, findet sie, auch wenn sie natürlich gerne weitergespielt hätte. „Es ist nie schön, sich von seinen Träumen zu verabschieden.“ Gerade als junger Mensch fühlt man sich unzerstörbar, sie hat aber gemerkt, wie wichtig Gesundheit ist, „und ich hab’ mir auch immer mal gesagt: Ist doch bloß das Knie, es gibt viel schlimmere Schicksale.“

Ihre nun bescheidenen Ziele: Hobbymäßig kicken, Tennis, mal schmerzfrei laufen. „Ich will mal mit meinen Kindern herumspringen und nicht mit 60 ein künstliches Knie brauchen. Das ist schon bitter, dass ich das mit 22 Jahren sagen muss. Es wäre unverantwortlich gewesen, weiterzumachen. Aber ich bin nicht traurig. Nicht mehr.“

Die schönen Erinnerungen bleiben ihr ja – bis hin zu den Anfängen in der Karibik.

 
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