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Mittwoch 06.09.17 11:42 Uhr|Autor: Marek Fritzen615
Wirft sich in jeden Ball: Jonathan Joubert (links) hat mit Luxemburg ein sensationelles 0:0 in Frankreich geholt. Diese Aufnahme stammt aus einem Heimspiel gegen Spanien. Foto: dpa

Monsieur Joubert und die Sensation

Wie ein 37-jähriger Luxemburger Torwart aus Düdelingen Weltstars aus Paris, Manchester, London und Madrid geärgert hat.
Eigentlich arbeitet Jonathan Joubert in einem Luxemburger Sportzentrum, kümmert sich dort um Schüler und Vereinssportler. An den Wochenenden steht der 37-Jährige als Torwart für F91 Düdelingen in der ersten Luxemburger Fußball-Liga im Tor. Seit wenigen Tagen interessieren sich plötzlich zahlreiche ausländische Fernsehsender und Zeitungen für den 1,88-Meter-Mann. Warum das so ist? Fupa hat mal bei ihm nachgehört.

Sein Telefon steht nicht mehr still. Seit Sonntagabend ist es vorbei mit der Ruhe für Jonathan Joubert. Aus der Schweiz rufen sie ihn an, aus Frankreich, aus Deutschland, und aus Luxemburg sowieso. Immer und immer wieder muss er dann erzählen, wie das war, da am Sonntagabend im Stadium Municipal von Toulouse. Wie ihm die Bälle um die Ohren flogen. Wie Frankreichs 180-Millionen-Mann Kylian Mbappé von Paris St. Germain immer und immer wieder mit der Kugel auf ihn zudonnerte. Wie Weltstar Antoine Griezmann von Atlético Madrid einen Freistoß nach dem anderen auf seinen Kasten zimmerte – und wie er sich, der 37-Jährige von F91 Düdelingen, der sonst im Sportzentrum Coque in Luxemburg mit Schülern und Vereinssportlern zusammenarbeitet, mit allem, was er hat, in jeden Ball warf und alle Versuche von Griezmann, Mbappé und Pogba einfach zunichtemachte. 

0:0 – das kleine Luxemburg schafft es am Sonntagabend in der WM-Qualifikation tatsächlich, dem großen Nachbarn Frankreich ein Pünktchen abzutrotzen, das erste Unentschieden gegen la Grande Nation seit 1914. Oh là, là, was für eine Sensation für das Großherzogtum, und was für eine Blamage für die Herren in Bleu. Torwart Jonathan Joubert ist mittendrin – das Großherzogtum feiert seinen Mann mit der Nummer 1 auf dem Rücken. Grund genug mal bei ihm nachzuhören, wie es sich anfühlt, so als Torwart-Held von Luxemburg. Der Trierische Volksfreund erreicht ihn am Dienstagnachmittag. „Es war ein echt magischer Moment“, erzählt Joubert, „ich würde schon sagen, dass es einer der großartigsten Momente war, die ich in meiner Karriere bisher erlebt habe“. Klar sei es beeindruckend, gegen millionenschwere Spieler wie Kylian Mbappé oder Paul Pogba auf dem Platz zu stehen, „aber sobald das Spiel beginnt, ist das doch ziemlich egal, dann spricht keiner mehr über Millionen“. 

Dabei war Joubert doch eigentlich schon raus aus dem Nationalteam, wollte gar nicht mehr für die FLF-Auswahl spielen, nachdem ihn Trainer Luc Holtz zur Nummer zwei degradiert hatte. „Entweder ich bin Nummer eins oder ich komme gar nicht“, soll Joubert damals gesagt haben. 
Doch nun, als seine beiden Nachfolger verletzt ausfielen, lenkte er ein, und kam zurück – und wurde zum Held von Luxemburg. „Ich bin mir noch nicht sicher, ob das mein letztes Spiel war“, betont der Keeper. Gerne würde er zumindest die WM-Qualifikation noch zu Ende spielen. „Aber“, so sagt der 37-Jährige, „das muss der Coach entscheiden“. 

Vor dem Spiel in Toulouse habe er lange gar nicht daran geglaubt, dass es für sein Team tatsächlich möglich sei, Frankreich ärgern zu können. „Ich meine, das ist Frankreich, ein Haufen Weltstars, uns war klar, dass es enorm schwer wird, keiner hätte sich gewundert, wenn wir hoch verlieren“, erzählt Joubert. 
Den französischen Stars sei anzumerken gewesen, dass sie fest von einem Heimsieg ausgingen. „Die haben wahrscheinlich gedacht, ‚ach, gegen Luxemburg, das wird richtig locker’“. Doch falsch gedacht. Zwar üben die Bleus einen unglaublichen Druck aus – schießen insgesamt 31-mal auf das Tor von Jonathan Joubert – und pressen die Jungs aus dem Großherzogtum in den eigenen Strafraum, doch als es gegen Ende noch immer 0:0 steht, ploppt in Jouberts Kopf plötzlich ein Gedanke auf: „So in der 80. Minute wurde mir klar, was hier gerade abläuft, dass wir dabei sind, Großartiges zu schaffen – das war unfassbar.“ 
Richtig unfassbar wird’s dann als der Schlusspfiff ertönt. Während die französischen Spieler unter den Pfiffen ihrer Fans aus dem Stadion stürmen, feiert die Luxemburger Auswahl ausgelassen mit den gut 100 mitgereisten Fans. 

Nur einer, der bleibt ganz gelassen: Jonathan Joubert. Der begibt sich zu seinem französischen Torwartkollegen Hugo Lloris. Joubert erinnert sich: „Er war enttäuscht, das hat man gemerkt, hat nicht viel gesagt, war ja auch verständlich.“ Doch der Luxemburger hat noch eine Bitte an den Star von Tottenham Hotspur: „Ich habe ihn einfach noch gefragt, ob wir die Trikots tauschen können – das haben wir dann auch gemacht.“ Danach habe er ihm noch alles Gute gewünscht.
Mit dem Lloris-Trikot im Gepäck kommen Joubert und das Nationalteam am Montagmorgen um 10.30 Uhr wieder in Luxemburg an. Am Flughafen Findel wartet hoher Besuch: „Der Sportminister war da“, erzählt der Torwart, „das ist schon sehr ungewöhnlich, den Minister zu treffen, aber ich denke, das beweist, dass wir eine wahrhaftige Großtat vollbracht haben“. 
 

Doch da ist eine Sache, die unbedingt noch geklärt werden muss. Mal ehrlich, bei aller Freude über diese Sensation, ist nicht auch – zumindest ein klein wenig – Wehmut dabei? Schließlich ist Joubert in Metz geboren, Mama und Papa beide Franzosen. Da muss es doch auch ein wenig schmerzen, die zweite Heimat derart zu demütigen? 
„Klar, natürlich habe ich auch Sympathien für die Franzosen“, gesteht der 1,88-Meter-Mann, „aber ich fühle mich vor allem als Luxemburger und bin sehr froh, dass ich meinem Herkunftsland nun einmal mein Talent vorführen konnte“. 
Und ohnehin sei er davon überzeugt, dass es Frankreich auch trotz dieses Unentschiedens locker zur Weltmeisterschaft nach Russland schaffen werde. 
 
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