Ex-Profitorwart Georg Koch im Elfmeter-Interview
Freitag 13.11.15 13:25 Uhr|Autor: Johannes Hülstrung 321
Der ehemalige Bundesliga-Torwart Georg Koch (l.) im Interview mit NW-Volontär Johannes Hülstrung. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Ex-Profitorwart Georg Koch im Elfmeter-Interview

NW-Volontär Johannes Hülstrung bittet Ex-Profitorwart Georg Koch zum Elfmeterduell. Ein persönliches Gespräch per du über Kochs Karriere, sein Verhältnis zu Sportjournalisten - und Schlagersängerin Andrea Berg

Was denkst du, kurz bevor dein Gegner den Elfmeter schießt?
Georg Koch:
Dass ich ihn halte! Uuuh!
Der Ball schlägt vom Schützen aus gesehen flach halblinks ein. Georg Koch macht zwei Schritte in die falsche Richtung.
Koch: Dass ich ihn halten will, sagen wir mal so. Ich muss mich jetzt mal ein bisschen konzentrieren, glaube ich.

Was war der wichtigste Elfmeter deiner Karriere?
Der Ball fliegt über das Tor. Koch bleibt einfach stehen, ruft "Drüber!" und schaut ihm hinterher.
Koch: Das war beim Spiel mit dem MSV Duisburg bei Eintracht Frankfurt 2005. Beim Stand von 0:0 habe ich den Elfer gehalten und im Nachfassen noch zur Ecke geklärt. Ich glaube, Alex Meier hat ihn geschossen. Am Ende haben wir durch ein Tor von Ahanfouf 1:0 gewonnen und sind in die Bundesliga aufgestiegen.

Freust du dich vor einem Elfmeter, weil du dich dann auszeichnen kannst?
Der Schuss kommt direkt auf den Mann, kein Problem für Koch.

Gehalten: Koch fängt den Ball sicher mit beiden Händen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Gehalten: Koch fängt den Ball sicher mit beiden Händen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Koch: Wenn du schießt, dann freue ich mich (lacht). Kurioserweise habe ich mehrere ganz wichtige Elfmeter gehalten. In solchen Situationen hatte ich auch immer das Gefühl, dass ich ihn halte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Spiel mit dem 1. FC Kaiserslautern bei der PSV Eindhoven im Uefa-Cup. Ich hatte vorher für ein paar Monate in Eindhoven gespielt und dort einen unrühmlichen Abgang gehabt. Das ganze Stadion war gegen mich, weil ich den Elfmeter gehalten habe. Es gibt nichts Geileres. Wir sind dadurch ins Viertel- und später sogar ins Halbfinale gekommen.

Was war die schönste Station deiner Laufbahn?
Der Schuss schlägt wieder halblinks ein. Wieder orientiert Koch sich in die andere Ecke und flucht leise.
Koch: Fortuna Düsseldorf, ohne Wenn und Aber. Diesen Verein zeichnete die familiäre Atmosphäre aus, auch wenn die finanzielle Situation damals katastrophal war. Wir sind dann drei Mal in Folge bis in die 1. Liga aufgestiegen.

Vermisst du deine aktive Zeit als Profi-Fußballer?
Der Ball geht an den rechten Innenpfosten, ohne die Linie voll zu überqueren. Koch wirft sich das erste Mal auf den Boden. Er entscheidet sich für die richtige Ecke, wäre aber chancenlos gewesen.
Koch: Ja, klar. Wenn du dein Hobby zum Beruf machen kannst und dann nicht mehr, vermisst du einfach dieses Wohnzimmer. Für mich gab es nichts Schöneres, bei ausverkauftem Stadion zu spielen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, mit Eindhoven in Barcelona vor 100.000 Zuschauern ins Camp Nou einzulaufen.

Was ist der größte Unterschied zwischen der Landesliga, die du als Trainer des SC Herford kennengelernt hast, und der Champions League?
Der Ball kommt hoch und mittig. Koch packt ihn mit beiden Händen und geht dann zu Boden.
Koch: In der Landesliga hältst du den Ball fest (lacht). Nein, im Endeffekt ist die Basis immer die gleiche. Du musst Jungs haben, die motiviert sein müssen, das abzurufen, was sie trainiert haben. Ich bewundere immer die Jungs, die unter der Woche arbeiten gehen und am Wochenende trotzdem Vollgas geben. Als Trainer in der Landesliga konnte ich damals dahin zurückkommen, wo wir eigentlich alle herkommen.

Geschlagen: Georg Koch kann dem Ball nur hinterher schauen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Geschlagen: Georg Koch kann dem Ball nur hinterher schauen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Woran arbeitest du gerade?
Der Ball schlägt rechts unten ein. Koch bleibt stehen und guckt ihm nur hinterher.
Koch: An meiner Schnelligkeit (lacht). Ich absolviere gerade einen DFB-Lehrgang, damit ich in der A-Jugend-Bundesliga trainieren oder als Torwarttrainer im Profibereich arbeiten kann. Mir fehlen noch ein paar Scheine.

Würdest du dich zukünftig lieber als Trainer, Torwarttrainer, Manager oder etwas ganz anderes sehen?
Wieder kommt der Ball platziert in die rechte untere Ecke. Koch kann nur stehen bleiben.
Koch: Das Paket insgesamt ist entscheidend. Damals beim SC Herford als Trainer und Sportlicher Leiter war die Aufgabe reizvoll, im Jugendbereich und generell etwas aufzubauen. Am liebsten würde ich momentan als Torwarttrainer arbeiten. Allein schon wegen der Familie wäre es mir in Deutschland am liebsten, aber das Profigeschäft ist kein Wunschkonzert.

Verfolgst du die Spiele des SC Herford noch?
Dieses Mal schlägt der Ball halblinks etwas höher ein. Koch gibt alles und macht sich lang, hatte sich aber für die andere Ecke entschieden.
Koch: Ab und an. Ich habe hier ja auch sehr viele Freunde. In einer sportlich schwierigen Situation wie der aktuellen versuche ich aber, nicht allzu oft herzukommen. Mein Name wird immer mit dem SC Herford verbunden. Ich möchte nicht, dass Trainer Sascha Cosentino dadurch unter Druck gerät.

Was hältst du eigentlich von Schlagersängerin Andrea Berg?
Jetzt hat Koch die Ecke gerochen: Er taucht nach rechts ab und hat den Ball.
Koch: Andrea Berg ist eine tolle Persönlichkeit, aber ich kann mit ihrer Musik nichts anfangen. In meiner Zeit als Torwarttrainer bei Sonnenhof Großaspach habe ich sie persönlich kennengelernt, weil sie die Ehefrau des Vereinsvorsitzenden Uli Färber ist. Privat höre ich lieber Die Toten Hosen. Meine Kinder habe ich damit auch schon infiziert.

Geschafft: Georg Koch (l.) und Johannes Hülstrung nach dem Duell. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Geschafft: Georg Koch (l.) und Johannes Hülstrung nach dem Duell. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Letzte Frage, letzter Elfmeter. Den schieße ich mit dem schwachen rechten Fuß, um dich zu verwirren.
Koch:
Oh, tu dir aber nicht weh (lacht).

Was nervt dich am meisten an Sportjournalisten?
Trotz der zusätzlichen Schwierigkeit ist der Ball gut platziert, streichelt den linken Innenpfosten und springt ins Tor. Für Koch kaum zu halten.
Koch: Im Grunde gar nichts. Die machen auch nur ihren Job. Ich habe zu den meisten Journalisten einen sehr guten Draht. Mich nervt eher, dass die heutige Spielergeneration nur noch diese vorgefertigten Interviews gibt. Das ist nicht mehr spontan und ehrlich.



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