2025-12-17T10:26:01.779Z

Interview
Trotz des aktuellen Höhenflugs findet SVS-Trainer Mario Tanzer auch kritische Worte  F: Dirk Meier
Trotz des aktuellen Höhenflugs findet SVS-Trainer Mario Tanzer auch kritische Worte F: Dirk Meier

»Es wird als Selbstverständlichkeit angesehen«

Schalding-Coach Mario Tanzer spricht Klartext und ist vom Potenzial seiner Schützlinge überzeugt

Mario Tanzer (37) ist ein Mann der klaren Worte. Der Chefanweiser des Bayernliga-Zweiten SV Schalding-Heining, der zu seiner aktiven Zeit unter anderem für den SV Wacker Burghausen kickte, sieht trotz des aktuellen Höhenflugs einige Dinge sehr kritisch und beklagt zudem die fehlende Wertschätzung für die guten Leistungen seines Teams.

FuPa: Mario, am Samstag geht die Bayernliga-Hinrunde zu Ende. Ihr rangiert derzeit auf einem hervorragenden zweiten Tabellenplatz. Zufrieden mit dem bisher Gezeigten?
Mario Tanzer (37): Meinen könnte man es, aber das wird scheinbar als Selbstverständlichkeit angesehen. Ich kann mich nicht erinnern, wann eine niederbayerische Mannschaft letztmals in der Bayernliga Zweiter war. Aber die öffentliche Wertschätzung hält sich sehr stark in Grenzen. Das sieht man am Zuschauerinteresse und an der medialen Berichterstattung. Vor eineinhalb Jahren haben wir den Bayernligatorschützenkönig Benjamin Neunteufel verloren, vor ein paar Monaten Torjäger Michael Pillmeier. Wir haben darüber nie ein Wort gejammert, aber es ist wohl auch eine Selbstverständlichkeit, dass man diese Abgänge stets weitgehend problemlos kompensieren kann. Und trotz des guten Zwischenstands - wir haben sportlich noch Luft nach oben.

Ihr habt erst neun Gegentreffer kassiert - ein absoluter Spitzenwert. Woran liegt es, dass eure Hintermannschaft so bombensicher steht?
Die hohe Anzahl der Gegentreffer war in den letzten Jahren auffallend. Man hat oft 60 Tore geschossen, aber auch 50 bekommen. Die Defensivarbeit der ganzen Mannschaft ist besser geworden. Entscheidend ist aber, dass die Spieler der Viererabwehrkette permanent im Training sind. Das macht sich einfach bezahlt. Mit Dardan Gashi haben wir einen Top-Spieler bekommen, auch Benedikt Buchinger schlägt sich bisher sehr ordentlich.

Ausbaufähig erscheint das Offensivspiel - man hat erst 26 Tore erzielt.
Auch das hat seine Gründe. Das Flügelspiel nimmt in unserem Spielsystem eine entscheidende Rolle ein. Aber unsere Außenspieler fehlen immer wieder im Training, deshalb kann sich wenig automatisieren. Michael Wirth und Severin Muthmann waren berufsbedingt einige Wochen weg, Thomas Kreß laboriert aktuell an einer Grippe, Christian Brückl plagt sich mit einer Knöchelverletzung herum.

»Einige Akteure sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben.«

Also gibt es noch Steigerungspotenzial?
Natürlich. Einige Akteure sind bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Spieler wie Muthmann, Brückl, Kreß oder auch Maxi Huber müssen sich deutlich steigern. Vor allem im Training drängt sich der ein oder andere einfach viel zu wenig auf.

Positiv scheint die Entwicklung der Spieler aus der eigenen U23 zu sein. Siehst du das ähnlich?
Grundsätzlich kann man mit der Entwicklung der Nachwuchsspieler zufrieden sein. Rene Huber, Sebastian List, Martin Allmansberger und Christian Resch sind bereits zu Bayernligaeinsätzen gekommen. Sie müssen weiter am Ball bleiben, dann kann man in der Zukunft noch viel Freude mit ihnen haben. Aber der Sprung von der Bezirks- in die Bayernliga ist enorm. List führt beispielsweise die Torschützenliste der Bezirksliga Ost an - wenn er aber im Training gegen einen gestandenen Abwehrspieler wie Philipp Zacher ran muss, dann sieht er aktuell noch kein Land.

»In der Mannschaft steckt ein unglaubliches Potenzial.«

Am Samstag kommt die SpVgg Unterhaching II an den Reuthinger Weg. Eine richtige Herausforderung für deine Truppe...
Herausforderung? Wir spielen nicht gegen die Unterhachinger Profimannschaft, sondern gegen die U23, die sicherlich nicht als Favorit anreist. Wir stellen uns auf eine schwierige Aufgabe ein, die wir aber siegreich lösen möchten.

Was ist in den restlichen sechs Spielen noch drin? Hast du eine bestimmte Punkteanzahl ins Auge gefasst?
Bei mir gibt es keine Formel 40 + x, denn man muss von Woche zu Woche schauen. Ich weiß beispielsweise nicht, wer bei uns am Samstag auflaufen kann. Thomas Kreß und Michael Aringer sind krank, Christian Brückl ist stark angeschlagen. Letzte Woche in Aindling wussten wir 45 Minuten vor Spielbeginn noch nicht, mit welcher Aufstellung wir antreten können, weil der lädierte Josef Eibl erst kurz vor Anpfiff grünes Licht für seinen Einsatz gab. In der Mannschaft steckt aber ein unglaubliches Potenzial, was man im Pokalspiel gegen den Regionalligisten 1860 Rosenheim gesehen hat. Trotz einer durchschnittlichen Leistung erreichten wir ein 1:1 und zogen erst im Elfmeterschießen den Kürzeren.

Aufrufe: 025.10.2012, 09:50 Uhr
Thomas SeidlAutor