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Samstag 07.10.17 21:10 Uhr|Autor: Schwäbische Zeitung / Von Tobias Rehm167
Alberina Syla vom SV Alberweiler Archivfoto: Strohmaier

Erst in der Schlussphase macht Bayern den Sack zu

Fußball, DFB-Pokal Frauen: Der SV Alberweiler unterliegt dem FC Bayern München vor 2500 Zuschauern mit 0:3

Alberweiler / sz - Die Fußballerinnen des SV Alberweiler haben ihr Zweitrundenspiel im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München mit 0:3 (0:1) verloren. Eine Rekordkulisse von 2500 Zuschauern verfolgte, wie sich der SVA achtbar aus der Affäre zog. "Das war ein Riesenspiel meiner Mannschaft gegen einen Topgegner", sagte ein zufriedener Alberweiler Trainer Peter Kalmbach. Bis zur 84. Minute war dem haushohen Favoriten schließlich nur ein Treffer gelungen.



Wenn es für den FC Bayern noch einen Beweis gebraucht hat, dass er auf dem Land zu Gast ist, dann gab es ihn unmittelbar vor dem Anpfiff. Ein Hase hatte sich in die Hessenbühl-Arena verirrt, lief unter dem Lachen der Zuschauer kreuz und quer über das Spielfeld und fand erst nach mehreren Versuchen wieder einen Ausweg. Einlage geglückt – ebenso wie der Spagat des FC Bayern, zwischen den beiden Champions-League-Partien gegen Chelsea die Pokalhürde in Alberweiler überwinden zu müssen.

Nicole Rolser auf der Bank

FCB-Trainer Thomas Wörle hatte vor der Partie angekündigt, zu rotieren, so war es wenig überraschend, dass bei den Bayern bekannte Gesichter fehlten. Mit Gina Lewandowski, Melanie Behringer und Leonie Maier standen nur drei Spielerinnen in der Startelf, die auch am Mittwoch in London von Beginn an dabei waren. Simone Laudehr, Fridolina Rolfö und die Mietingerin Nicole Rolser saßen auf der Bank, andere, wie die Wangenerin Melanie Leupolz oder Kristin Demann, hatten die Reise nach Alberweiler erst gar nicht angetreten. So kam es, dass eine in Alberweiler nicht ganz unbekannte Spielerin im FCB-Trikot auflief: Kristin Kögel. Die 18-Jährige spielte für Alberweiler einst in der B-Juniorinnen-Bundesliga, über den VfL Sindelfingen fand sie im Sommer den Weg zum FC Bayern. Dort kam sie bislang vorwiegend in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. In Alberweiler stand sie überraschend in der Startelf. "Das ist natürlich ein tolles Heimatgefühl für mich, ich habe mich riesig gefreut", sagte Kögel nach der Partie.

45 Minuten hatte Kögel zuvor mitwirken dürfen. Zweimal hatte sie es mit Abschlüssen aus der zweiten Reihe probiert, ohne Erfolg. Aber auch ihre Mitspielerinnen hatten wenig geglückte Aktionen. "Insgesamt waren wir ein bisschen zu harmlos", musste auch FCB-Trainer Wörle einräumen. Zwar hatte Jill Roord SVA-Torhüterin Melanie Geiselhart bereits in der dritten Minuten zu einer Glanzparade gezwungen, ansonsten spielten sich die Gäste aber kaum nennenswerte Chancen heraus. Alberweiler verteidigte leidenschaftlich, bei Ballgewinnen suchte die Mannschaft den schnellen Weg nach vorne. In der 21. Minute näherte sich Alberweiler mal dem Tor von Tinja-Riika Korpela an, der Schuss von Tamara Würstle ging jedoch am Kasten vorbei. Zehn Minuten später fiel die bayerische Führung. Nicht überfällig, aber verdient allemal. Bei Lineth Beerensteyns Schuss war Melanie Geiselhart zwar noch zur Stelle, gegen Lucie Vonkovas Nachschuss aber chancenlos. Alberweiler tauchte noch einmal mit einem Eckball in der Münchner Hälfte auf, ansonsten war der SVA mit Defensivaufgaben beschäftigt. "Es war unglaublich schwer, sich aus dieser Umklammerung zu lösen", sagte SVA-Coach Kalmbach. Und wenn gegen den Ball so viel Laufarbeit verrichtet werden müsse, seien die Wege nach vorne noch weiter.

Auch im zweiten Durchgang gelang dem FC Bayern offensiv wenig, selbst eine Überzahlsituation konnte nicht genutzt werden (60.). Jill Roord schoss den Ball neben das Tor. Trotz der personellen Wechsel waren beim FCB in der Offensive durchaus Parallelen zum Auftritt gegen Chelsea London am vergangenen Mittwoch zu sehen: zu harmlos, zu ideenlos, zu wenig entschlossen. Dass das 0:2 durch die eingewechselte Fridolina Rolfö erst in der 85. Minute fiel, lag aber natürlich auch am SV Alberweiler. "Alberweiler hat das sehr gut gemacht und das ganze Spiel über gut verteidigt", sagte FCB-Trainer Thomas Wörle. Beleg für seine Aussage ist auch die späte Auswechslung von Melanie Behringer. Die Spielführerin musste 87 Minuten ran, Wörle nahm sie erst nach dem zweiten Treffer vom Platz. Zum 3:0-Endstand traf Lucie Vonkova. Die Tschechin verwandelte in der dritten Minuten der Nachspielzeit einen Foulelfmeter.

Nicht zum Einsatz kam Nicole Rolser. "Ich habe schon darüber nachgedacht, sie noch zu bringen. Aber sie hat gegen Chelsea am Mittwoch 90 Minuten gespielt, da wollten wir sie heute schonen", erklärte Thomas Wörle. Kein Platz also für Sentimentalitäten zwischen zwei Champions-League-Spielen. Rolser selbst nahm’s sportlich. "Natürlich ist es ein bisschen schade, aber der Fokus liegt auf dem Rückspiel gegen Chelsea." In Alberweiler kann nun wieder die Regionalliga in den Fokus rücken. Am Samstag geht die Reise nach Crailsheim.

SV Alberweiler – FC Bayern München 0:3 (0:1). SVA: Geiselhart – Daikeler, Schad, Gaus, Bucher – Friese (69. Laura Mohr), Stvoric, Herle (72. Larissa Mohr), Würstle – Enderle, Syla (46. Schneider). FCB: Korpela – Maier (59. Rolfö), Lewandowski, Wenninger, van den Heiligenberg – Wieder, Roord, Behringer (87. Kießling), Beerensteyn, Kögel (46. Pfluger) – Vonkova. Tore: 0:1, 0:3 Lucie Vonkova (32., 90.+3), 0:2 Fridolina Rolfö (85.). SR: Karoline Wacker (Murrhardt). Z.: 2500.

Stimmen zum Spiel:

Peter Kalmbach (Trainer SV Alberweiler): "Wir haben super dagegengehalten. Wenn mir vor dem Spiel jemand gesagt hätte, dass ich mir 20 Minuten vor Schluss Gedanken mache, ob wir unsere Fünferkette auflösen sollen, um möglicherweise noch das 1:1 zu erzielen, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Bayern hatte nicht viele klare Möglichkeiten, wir wurden nicht hergespielt. Wenn von den vielen Zuschauern, die heute da waren, auch manche mal bei einem Regionalligaspiel vorbeischauen, können wir sehr zufrieden sein."

Victoria Stvoric (SV Alberweiler): "Ich bin völlig zufrieden, da kann man überhaupt nichts sagen. Ehrlich gesagt habe ich mit mehr Gegentoren gerechnet. Von der großen Kulisse habe ich während des Spiels nicht viel mitbekommen, da ist man im Tunnel. Im Vergleich zu unseren Gegnern in der Regionalliga aber auch zu Zweitligist Andernach in der ersten DFB-Pokalrunde war das heute schon ein großer Unterschied. Alles ging viel schneller."

Alberina Syla (SV Alberweiler): "Auf jeden Fall war das heute für uns ein großes Erlebnis. Wir haben unser Ziel erreicht, wir haben gezeigt, dass wir eine starke Mannschaft sind. Vielleicht hat uns offensiv ein bisschen der Mut gefehlt und wir hatten zu viel Respekt."

Martin Kaiser (Vorsitzender SV Alberweiler): "Für uns ist das ein tolles Ergebnis. Es war klar, dass wir nicht viele Chancen bekommen werden. Nur 0:3 zu verlieren, ist ein Topergebnis, das sich die Mannschaft aber auch verdient hat. Heute ist ein Traum wahr geworden. Das Wetter hat mitgespielt, es sind mehr Zuschauer gekommen als erwartet – wie gesagt, ein Traum für den SV Alberweiler."

 
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