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Dienstag 27.09.16 14:00 Uhr|Autor: Romina Burgheim
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Mächtige Monster

oder: Tiefe Einblicke in die Gefühlswelt von ZweitligakickerInnen
Am 1. Oktober 2015 erschien in den deutschen Kinos ein neuer Animationsfilm aus dem Hause Pixar, der sogleich auf Platz 1 der Charts kletterte. In der Familienkomödie „Alles steht Kopf“ steht das Leben der 11-jährige Riley im Zentrum der Erzählung, die ihr beschauliches Leben in der ländlichen Gegend Minnesotas für die Großstadt San Francisco eintauschen muss. Riley ist mit dieser Veränderung sehr unzufrieden. Das besondere und so liebenswerte an diesem Film ist, dass der Umgang und die Reaktion auf diese Veränderungen Rileys aus einer ganz besonderen, ja unmittelbaren Perspektive geschildert werden. Der Zuschauer sitzt quasi in Rileys Kopf und erlebt hautnah, wie die unterschiedlichsten Emotionen Wut, Ekel, Angst, Traurigkeit und Freude in ihr verrückt spielen und allmählich beginnen ein Eigenleben zu führen. Zwar versuchen sie einerseits gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um das Leben von Riley wieder ins Gleichgewicht zu bringen, andererseits streiten sie sich, um den berühmten roten Buzzer in der inneren Kommandozentrale, der die emotionale Vorherrschaft besiegelt. Inspiriert durch die alltägliche Beobachtung des Regisseurs Pete Docter, dass wir manchmal über Dinge lachen müssen, die sich nur im eigenen Kopf abspielen und alle Außenstehenden daran nicht teilnehmen können, hat er einen wunderbaren Film geschaffen, der sich dieser inneren Welt eines jeden widmet.

Einen ähnlich starken Einschnitt wie Rileys Umzug stellte für die meisten Armininnen der Schritt in die Zweitklassigkeit dar, die viele neue Privilegien, aber auch Pflichten mit sich brachte. Auch wenn er, anders als bei Riley, gewiss nicht so unverhofft und ungewollt über die ambitionierten Kickerinnen hereingebrochen ist, dauerte es eine ganze Weile (exakt bis zum Vorbereitungsstart) bis das Ausmaß und der Umfang dieses mitgestalteten Kapitels DSC-Geschichte in den Köpfen (und Herzen) aller an-gekommen war. Denn nach dem Vergnügen wartet bekanntlich die Pflicht.

Inspiriert und angelehnt an die „Monster des Alltags“ von Christian Moser möchte ich meinen Querpass-Lesern nun neun zentrale Emotionen vorstellen, die charakteristisch für die komplexe und spannende Gefühlslage einer Amateur-Profi-Fußballerin in der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands sind (und gewiss auf andere Sportarten im Hochleistungsbereich ohne Bedenken angewendet werden können). Die Liste ließe sich bei Belieben ergänzen bzw.- fortführen.

Die Aufregung (lat. magna permotio)

ein hektisches, nervtötendes, höchst ungemütliches Wesen, welches sich mit seinen Kumpels – die Rastlosigkeit und Schlaflosigkeit – gerne Mal ungebeten vor Meisterschaftsspielen ins Bettchen schleicht. Sie erweist sich dabei sehr oft als hartnäckig und unbelehrbar. Selbst ein (liquides) Betthupferl zur Beruhigung der Nerven kann die aufkeimende Freude, zu denen sich auch gern mal Zweifel und Panik gesellen, nicht im Zaume halten. So verlaufen diese Bestechungsversuche meistens im Sande und sorgen dafür, dass so manch eine Spielerin gerädert auf dem Rasen erscheint.

Die Euphorie (lat. infida furia)

ist ein höchst unzuverlässiger und in regelmäßigen Abständen auftretender Begleiter, der sich vorrangig zu Beginn (Vorbereitung) zeigt. Im weiteren Saisonverlauf kann schon mal bei fehlendem Eintreten der (eigenen) Erwartungen derselben ein wenig die Puste ausgehen. Am Ende, wenn der Kampf um die Platzierungen begonnen hat, (Aufstieg, Klassenerhalt oder doch nur der berühmte Blumentopf?) läuft sie zur Hochform auf, die ihren Zenit meist bei den berühmten Abschlussfahrten erreicht. Dann entpuppt sie sich als eine gesellige, trinkfeste und tanzfreudige Spaßbombe.

Die Gründlichkeit (lat. accuratia subtilitas)

....geht als wertkonservativer Traditionalist stets bedacht und gewissenhaft zu Werke. Dabei führt sie ein Doppelleben: Bei Spielern entfaltet sie ihre Anziehungskraft in einer adäquaten Vorbereitung (auf Spiel- und Trainingstage), die das gewissenhafte Überprüfen der textilen Garnitur liebt. Auf dem Rasen kann sie je nach Ausprägung der Eigenmotivation auch gern mal ein kleines Päuschen vertragen.

Auf Trainerseite ist dieses Gebaren natürlich verpönt. Dort hängt sie sich richtig rein. So zeigt sie sich maßgeblich dafür verantwortlich, dass taktische Überlegungen bis ins kleinste Detail vorgenommen werden. Das kann schon mal zu unverhofften Papierverbrauch führen. Unkonventionellen Methoden steht sie sehr kritisch und abweisend gegenüber.  Denn ihre engsten Freunde sind Gewohnheit und Sicherheit, auf die stets Verlass ist. Und warum auch nicht? Denn über diese Freundschaft wird stetig gründlichst nachgedacht.   

Die Wut (lat. virulenta ira)

dieser kleine Giftzwerg läuft den SportlerInnen mindestens einmal in die Woche zielsicher in die Arme – und ist dabei nicht alleine. Ungebeten und ungesehen quartiert er sich mit seinen treuen Gefährten – der hässlichen Hilflosigkeit und der verrückten Verzweiflung – ins brüchige warme Nest der Behaglichkeit. Sie denken gar nicht daran, zu gehen. Mit geschwollener Brust und hochrotem Kopf markiert die Wut ihr Revier und mokiert meistens leidenschaftlich Schiedsrichterentscheidungen. Da sie aber nur einen kurzen Atem besitzt, und dies sowieso nichts nützt, ist ihre Energie schnell ver(b)raucht. Um längerfristig wirksam wüten zu können, ist ihr nämlich der Erfolg im Weg, der eine enge Liaison mit der Vernunft eingegangen ist.

Die Freude (lat. effrenata laetitia)

.....ist ein richtiger Wonneproppen und daher ein höchst gerngesehener und angesehener Gast in der Kommandozentrale. Sie ist sehr laut. Ihr Lieblingsplatz sind die Lippen, von denen sie jeden förmlich anstrahlt. Man kann ihr nur schwer widerstehen. Sie hat eine mitreißende Art, die auf die Zuschauer am Spielfeldrand überschwappt. Doch um sie zu sehen, muss man hart arbeiten. Schüchtern zeigt sie sich bei einem genialen Pass. Aus ihrer Haut kommt sie aber bei einem fulminanten Tor. Stürmisch fällt sie gar über einen her, wenn das selbige den Siegestreffer markiert und lässt dann so schnell einen nicht mehr los. Sie versteht es, andere zu beschenken und selbst dabei reich zu werden.

Das Verlangen (lat. insedabiliter voluptas)

.....diese magere Gestalt ist das bedürftigste unter den Monstern. Ihr dürres Erscheinungsbild erklärt sich in ihrer unstillbaren Sehnsucht nach Erfolg, Toren, Einsatzminuten und Anerkennung. Spielerinnen, die auf der Bank Platz nehmen müssen, haben überdies ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihr, da das Eintreten dieser Wünsche mit steigernder Zahl der Reservisten proportional sinkt. Von Zeit zu Zeit muss es gefüttert werden, sonst stirbt es und mit ihr die Motivation und Freude.

Die Zuversicht (lat. nobilis confidentia)

....diese hochgewachsene, edle Natur ist eine heimlich angebetete Göttin. Mit ihrem unverbesserlichen Optimismus versprüht sie in jeder noch so ausweglosen Spiel- Situation und Tabellen-lage Hoffnung. Ihre sanften Augen sorgen für einen klaren Blick und erkennen schon von weitem das Licht am Ende des Tunnels. Sie ist es, die den Fokus auf die eigenen Stärken legt. Geduldig hält sie den Glauben an sich selbst und das Team  aufrecht. Als eine wahre Motivationskünstlerin versteht sie es, einen stetig vor-anzutreiben und den Kopf nicht hängen zu lassen. Sie ist uns immer einen Schritt voraus, denn sie weiß:

Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

 

 
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3. Cloppenburg 2238 50
4. FSVGütersloh 229 40
5. DSC Arminia (Auf) 22-10 32
6. Potsdam II 225 31
7. SV Meppen 221 30
8. H. Neuendorf 22-22 23
9. SV Henst.-Ul 22-12 22
10. Herforder SV 22-33 22
11. 1. FC Union (Auf) 22-33 18
12. Bramfeld (Auf) 22-80 3
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