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Freitag 01.09.17 19:17 Uhr|Autor: Marek Fritzen4.988
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Der Luxemburger Jeff Saibene erlebt mit Arminia Bielefeld einen Höhenflug. Foto: dpa

Er ist der Graf von Luxemburg

Jeff Saibene (Arminia Bielefeld), der erste Trainer aus dem Großherzogtum im deutschen Profi-Fußball, spricht im Fupa-Interview über Schlager, Angebote aus Russland und einen großen Traum.
Jeff Saibene ist der Trainer der Stunde in der 2. Fußball-Bundesliga. Als der 49-jährige Luxemburger Arminia Bielefeld im vergangenen Frühjahr übernahm, stand der Traditionsclub kurz vor dem Abstieg in Liga 3. Doch Saibene schaffte das Unmögliche, hielt mit den Ostwestfalen die Klasse und wurde zum Held von Bielefeld. Doch das war nur der Anfang: Nach vier Spieltagen in der laufenden Saison steht Saibene mit der Arminia punktgleich mit Tabellenführer Fortuna Düsseldorf auf Platz 3, und so mancher Fan träumt plötzlich vom Aufstieg in die Bundesliga. Was hat Saibene – der erste Trainer aus dem Großherzogtum im deutschen Profifußball – mit der Arminia gemacht? Fupa-Redakteur Marek Fritzen hat mal bei ihm nachgefragt. Herausgekommen ist ein Gespräch über Angebote aus Russland, den Graf von Luxemburg und einen großen Traum.

Herr Saibene, in diesen Tagen pilgern viele Ihrer Landsleute zur Schobermesse nach Luxemburg – wann fahren Sie hin?

Jeff Saibene: Im vergangenen Jahr war ich mit meiner Frau dort. Dieses Jahr wird’s schwierig. Denn am Wochenende nutze ich die Länderspielpause und fahre zu meiner Frau und meinen beiden Söhnen in die Schweiz. Darauf freue ich mich auch sehr. Daher fällt die Schueberfouer in diesem Jahr für mich leider ins Wasser.


Das heißt, Ihre Familie lebt noch in der Schweiz?

Saibene: Meine Frau und meine beiden Söhne leben in der Schweiz, mein Vater und meine Schwester in Luxemburg.


Wie häufig sind Sie noch im Großherzogtum?

Saibene: Oh, leider nur noch so ungefähr einmal im Jahr, höchstens.


Woher genau stammen Sie in Luxemburg?

Saibene: Geboren bin ich in Keispelt, Gemeinde Kehlen, später habe ich dann in Schifflange gewohnt in der Nähe von Esch/Alzette und auch mal in Hesperange.


Sie sind in Ihrer Karriere schon viel rumgekommen. Waren als Spieler und Trainer unter anderem in Belgien, der Schweiz, Luxemburg und nun in Bielefeld aktiv. Haben Sie Letzeburgisch eigentlich noch drauf?

Saibene: Da meine Frau Schweizerin ist, spreche ich mit ihr und meinen Kindern sehr viel Schwyzerdütsch. In Bielefeld Hochdeutsch und mit meinem Vater und meiner Schwester Letzeburgisch. Das verlernt man natürlich nie (lacht).


Sie haben neben dem Luxemburger Pass mittlerweile auch den Schweizer Pass. Sehen Sie sich eher als Luxemburger oder Schweizer?

Saibene: Oh, gute Frage (überlegt). Ich würde sagen 50:50.


Verfolgen Sie noch, was Ihre früheren Clubs Union Luxemburg und Hesperange so treiben?

Saibene: Doch, doch, das interessiert mich schon. Immer montags schaue ich, was sich in den Luxemburger Ligen so getan hat. Auch zur Nationalmannschaft und Nationaltrainer Luc Holtz sowie U21-Coach Manuel Cardoni habe ich einen sehr guten Draht.


In den vergangenen Wochen haben mit Progres Niederkorn und Fola Esch zwei Teams in der Europa-League- bzw. Champions-League-Qualifikation für Furore gesorgt. War das in Ihren Augen nur ein Strohfeuer oder zeigen diese Erfolge mehr?

Saibene: Nein, nein, das war kein Strohfeuer. Bei den luxemburgischen Teams ist in den vergangenen Jahren eine Entwicklung zu erkennen, ganz sicher. Gerade, was die Einstellung und die Spielvorbereitung angeht.


Es war über den Fußball hinaus ein sehr erfolgreicher Sommer für Luxemburger Sportler. Sie sind gut befreundet mit Tennisprofi Gilles Muller, der in Wimbledon im Juli für Aufsehen sorgte und Top-Star Rafael Nadal rauskickte.

Saibene: Ja, stimmt, wir schreiben uns regelmäßig. Er gratuliert mir, wenn wir mit Arminia gewinnen, und ich gratuliere ihm bei seinen Erfolgen. Noch vor kurzem hat er sich gemeldet und erzählt, dass er sehr gerne mal nach Bielefeld kommen würde, um sich ein Spiel anzusehen. Was er geleistet hat in den vergangenen Monaten, ist hervorragend. Gilles ist ein super guter Junge, so bodenständig und bescheiden – zwei Eigenschaften, die ich extrem an ihm schätze.


Ist Tennis auch ihr größtes Hobby neben dem Fußball?

Saibene: Nein, ich spiele lieber Tischtennis. Zum Einstand habe ich dem Team und dem Betreuerstab hier in Bielefeld eine Tischtennisplatte geschenkt. Die ist jetzt ständig in Gebrauch.


Haben Spieler und Betreuer eine Chance gegen Sie?

Saibene: Sagen wir mal so: Ich bin schon einer der Besten, ohne jetzt übertreiben zu wollen (lacht).


Nachdem Jeff Saibene während seiner aktiven Zeit als Spieler im Ausland unter anderem für Standard Lüttich, den FC Aarau und die Old Boys Basel spielte, betreute er als Trainer den FC Aarau, den FC St. Gallen und den FC Thun. Zudem war er von 2010 bis 2011 als Technischer Direktor des luxemburgischen Fußballverbands aktiv und somit Vorgänger von Reinhold Breu.*


Kommen wir mal zurück zum Fußball: Island hat bei der EM 2016 für Aufsehen gesorgt, Montenegro und Nordirland haben große Chancen, die WM-Teilnahme 2018 zu packen. Von der Einwohnerzahl her alle vergleichbar mit Luxemburg. Wann schafft Ihr Heimatland die erste EM- oder WM-Teilnahme?

Saibene: Das wird sehr schwer. Die A-Nationalmannschaft ist vom Fußballerischen her in meinen Augen zwar das Beste, was Luxemburg seit Jahren zu bieten hat. Seitdem Trainer Luc Holtz das Team trainiert (seit 2010, Anm. d. Red.), hat die Mannschaft angefangen, richtig Fußball zu spielen. Das war in meinen Augen vorher nicht der Fall. Wie gesagt, sehr gute Entwicklung, aber dass sie sich in absehbarer Zukunft für ein großes Turnier qualifiziert, glaube ich nicht.


Wieso schafft das kleine Island dann so etwas?

Saibene: Das ist eine gute Frage. Es hat vielleicht damit zu tun, dass es in Island überwiegend Isländer gibt. Luxemburg dagegen ist so international, hier spielen so viele Franzosen, Belgier, Portugiesen. Viele Spieler haben einen Doppelpass, entscheiden sich dann im Zweifelsfall häufig für das vermeintlich stärkere Nationalteam.


So wie das aktuelle Beispiel von Ryan Johansson, der sowohl die luxemburgische als auch die schwedische Staatsbürgerschaft besitzt und nun für das schwedische U16-Nationalteam aktiv war…

Saibene: Ja, unter anderem. Gleiches gilt für Miralem Pjanic von Juventus Turin. Bei ihm habe ich das in meiner Funktion als technischer Direktor und U21-Nationaltrainer Luxemburgs hautnah miterlebt. Er spielte zunächst für Luxemburg und hat sich dann mit 18 für Bosnien entschieden. So etwas tut natürlich sehr, sehr weh. Aber man muss das auch verstehen.


Stimmt.

Saibene: Zudem denke ich, dass es noch einen anderen Unterschied zwischen Luxemburg und Island gibt. Fußball ist in Luxemburg nicht das Hauptthema. Den Leuten geht es so gut, da setzen sich die wenigsten das Ziel, Fußballprofi zu werden. Das hat mit Sicherheit auch mit der Mentalität zu tun, vielleicht ist das in Island anders.


Dennoch gibt es aktuell viele Luxemburger Fußballtalente. Vincent Thill oder Laurent Jans sind nur zwei von ihnen. Wem trauen Sie am ehesten zu, sich dauerhaft in einer europäischen Spitzenliga durchzusetzen?

Saibene: Laurent Jans ist für mich im Moment der Beständigste. Er ist Stammspieler bei seinem Club in der ersten belgischen Liga. Vincent Thill ist noch sehr jung, vom Talent allerdings der Beste, den Luxemburg derzeit zu bieten hat. Bei ihm ist allerdings die Frage, wie er sich körperlich weiterentwickelt, er ist noch sehr schmächtig. Ich habe ihn im Länderspiel gegen Schweden gesehen und in manchem Zweikampf richtig Angst um ihn gehabt. Aber wie gesagt, wenn er physisch weiter zulegt, dann hat er sicher eine große Zukunft!


Am Wochenende trifft das Nationalteam auf Frankreich. Was erwarten Sie von diesem Spiel?

Saibene: Das Problem ist, dass sieben Spieler auf luxemburgischer Seite verletzt fehlen. Hinzu kommt, dass zwei Spieler gesperrt sind. Da wird es natürlich extrem schwierig. Wenn sie komplett sind und alle an Bord haben, sind sie für eine Überraschung gut, aber in dieser Konstellation wäre alles andere als eine deutliche Niederlage eine Sensation.


Kommen wir mal zu Ihnen: Haben Sie sich eigentlich schon den Zusatz „Graf von Luxemburg“ auf Ihre Visitenkarten drucken lassen?

Saibene: (lacht) Nein, nein, das mache ich nicht ….


Nach Abpfiff des letzten Spiels der vergangenen Saison, einem 1:1 bei Dynamo Dresden, und dem lange nicht für möglich gehaltenen Klassenerhalt der Ostwestfalen, feierten die Bielefelder Fans Trainer Jeff Saibene im Gästeblock mit einem Plakat – darauf stand: „Oh Pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg?“, angelehnt an den Schlager von Dorthe Kollo aus dem Jahr 1968. *


Ist es richtig, dass Sie den Schlager gar nicht kannten?

Saibene: Ja, das stimmt. Das Lied ist aus dem Jahr 1968, meinem Geburtsjahr, ich hatte es noch nie gehört. Jetzt kenne ich das umso besser (lacht).


Verständlich …

Saibene: Ich will mal etwas zu den Arminia-Fans sagen: Die Verbindung zwischen den Anhängern und mir ist extrem gut. Klar, das hat natürlich auch mit unserem aktuellen Erfolg zu tun, aber ich spüre auch so sehr viel Dankbarkeit und Zufriedenheit mir gegenüber. Aber mir geht’s genauso, ich bin den Leuten auch sehr dankbar, dass sie mich so annehmen und mich akzeptieren. Ich genieße das sehr, denn ich weiß, wie schnell die Stimmung auch wieder kippen kann. Ich habe alle Facetten schon erlebt. Aber die Situation im Moment ist einfach wunderschön. So ohne Stress nun in eine zweiwöchige Länderspielpause gehen zu können – das kann uns schon mal keiner mehr nehmen.


Was Ihnen auch keiner mehr nehmen kann, ist die Tatsache, dass Sie der erste Luxemburger Trainer im deutschen Profi-Fußball sind. Was bedeutet Ihnen das?

Saibene: Mhh (überlegt) … Ich denke, es ist schon ein Erfolg, denn es ist nicht so einfach, als Luxemburger – egal ob als Spieler oder Trainer – Karriere im Profi-Fußball zu machen. Dann ist es mir in der Schweiz gelungen. Der Sprung nach Deutschland in die 2. Bundesliga war der nächste Schritt, und dann auch noch erfolgreich zu sein ein weiterer. Das ist keine Genugtuung, aber es ist eine große Freude, dass mir das gelungen ist.


Mit dem FC St. Gallen sorgte Saibene in der Saison 2013/14 international für Aufsehen. Damals schaltete sein Team in der Qualifikation zur Europa League den Favoriten Spartak Moskau aus und feierte in der Gruppenphase Siege gegen den russischen Club FK Krasnodar sowie Premier-League-Club Swansea. *


Kann man den Erfolg damals mitdem aktuellen in Bielefeld vergleichen?

Saibene: Mit St. Gallen gegen Teams wie Valencia oder Swansea zu spielen, war natürlich überragend – keine Frage. Aber was die Emotionen anbelangt und auch bezogen auf den Erfolg stelle ich das schon mit meiner jetzigen Zeit bei Arminia auf eine Stufe.


Nach den Erfolgen gegen Moskau und Krasnodar hatten Sie Angebote von finanzstarken Clubs aus Russland. Wieso haben Sie sich dagegen entschieden?

Saibene: Das war extrem weit östlich in Russland, und ich war nicht bereit, so etwas anzunehmen. Ich habe eher auf eine Chance wie jetzt in Bielefeld gewartet.


Genau, jetzt sind Sie in Bielefeld gelandet. Wie lebt es sich denn in Ostwestfalen?

Saibene: Wunderbar (lacht). Ich bin unglaublich zufrieden. Ich habe eine sehr schöne Wohnung mitten in der Stadt. Die Leute sind so was von begeistert, was die Arminia anbelangt. Mir gefällt der Club unglaublich gut.


Wow, klingen Sie zufrieden.

Saibene: Ja, bin ich auch. Zu diesem ganzen Bundesliga-Rummel dazuzugehören, mich plötzlich auf Sky in Interviews zu sehen, das ist schon eine große Freude.


Das heißt, Sie können das alles noch genießen, es ist kein Alltag für Sie?

Saibene: Nein, das ist noch kein Alltag, auf gar keinen Fall, ich genieße das sehr. Früher habe ich die Bundesliga immer vor dem Fernseher verfolgt. Jetzt gehöre ich auf einmal selbst dazu, und bin sogar noch einer von denen - wenn ich das so sagen darf – der erfolgreich ist. Das ist schon der Wahnsinn.


Als Jeff Saibene im März 2017 das Traineramt übernahm, stand das Team auf Relegationsplatz 16 – auf dem Konto nur fünf Siege und 23 Pünktchen. Jetzt, ein halbes Jahr später, hat Saibene mit der Arminia saisonübergreifend in 13 Spielen 24 Punkte geholt, bei nur einer Niederlage. Dazu kommt: Bevor Saibene kam, hatte Arminia ein Jahr lang auswärts nicht mehr gewonnen. Mit dem Luxemburger sind sie nun in sieben Spielen auswärts ungeschlagen, bei zwei Siegen. *


Was haben Sie eigentlich mit der Arminia gemacht, was haben Sie verändert?

Saibene: (lacht) Ich musste einiges verändern. Aber ich kann das auch nicht vergleichen mit dem, was in Bielefeld früher war. Ich kann nur sagen, dass die Jungs meine Philosophie annehmen, dass sie sich wohlfühlen. Es ist aber auch einfach eine gute Truppe, die viel besser ist als das, was sie letzte Saison gezeigt hat.


Wie würden Sie sich als Trainer im Umgang mit den Spielern beschreiben?

Saibene: Sagen wir mal so: Ich bin nicht zu streng. Die Jungs müssen sich wohlfühlen, dürfen nicht immer unter Druck sein. Aber sie müssen sehr genau wissen, wann es ernst ist und wann man konzentriert arbeiten muss.


Nichts scheint im Profi-Fußball mehr dem Zufall überlassen zu werden. Alles wird analysiert, hier ein Video, da eine Datenanalyse. Sehen Sie sich selber auch als Teil dessen, als einer dieser viel beschworenen Laptop-Trainer?

Saibene: Nein, überhaupt nicht. Klar, wir haben auch einen Videoanalysten. Ich bin kein Trainer vom alten Schlag, aber zur ganz neuen Generation zähle ich mich auch nicht. Ich bin einfach ein ganz normaler Trainer (lacht).


Jetzt stehen Sie mit Arminia auf Platz drei, punktgleich mit dem Spitzenreiter und haben zehn Punkte auf dem Konto. Wissen Sie, wie lange Bielefeld in der vergangenen Saison gebraucht hat, um zehn Punkte zu sammeln?

Saibene: Nein, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Arminia in der vergangenen Saison in der Winterpause 14 Punkte hatte. Jetzt haben wir nach vier Spielen zehn Punkte, das heißt, es bleiben uns noch 12, 13 Spiele, um vier Punkte zu holen (lacht). Das ist wirklich unglaublich. Aber halten wir den Ball mal flach.


Trotzdem, ab wann muss sich eingestehen: ja, wir können dauerhaft um den Aufstieg mitspielen?

Saibene: Wenn man wie wir jetzt saisonübergreifend 13 Spiele macht und davon nur eins verliert, hat das schon eine gewisse Aussagekraft und ist kein Zufall. Aber deshalb würde ich noch nicht vom Aufstieg sprechen. Wie gesagt: ruhig bleiben. Es sind erst vier Spiele absolviert.


Wen sehen Sie als Favorit für den Aufstieg?

Saibene: Union Berlin sehe ich ganz vorne, dann kommen Darmstadt und Düsseldorf. Diese Clubs sind ja jetzt schon vorne dabei und ich schätze sie schon als Top-Favoriten auf den Aufstieg ein.


Ihr Landsmann Jeff Strasser spielte lange für den 1. FC Kaiserslautern, erlebte mit den Pfälzern erfolgreiche Jahre in der 1. Bundesliga. Nun taumelt der Traditionsclub seit Jahren in der Abstiegszone der 2. Liga umher. Was geht Ihnen da durch den Kopf, wenn Sie so etwas sehen?

Saibene: Es gibt so viele Traditions8clubs in der 2. Liga, und irgendjemand muss gegen den Abstieg spielen. Ob jetzt Nürnberg, Düsseldorf, Bochum, Braunschweig oder Kaiserslautern – das sind alles Traditionsclubs. Das Problem bei diesen Vereinen ist einfach, das Anspruch und Wirklichkeit zu weit auseinanderklaffen. So ist das auch in Kaiserslautern. Dort leben die Menschen noch immer vom Mythos Betze, aber die Realität sieht anders aus. Die Finanzen sind sehr limitiert, und die Verantwortlichen versuchen, mit den gegebenen Möglichkeiten das Beste rauszuholen. Das ist dann vielleicht mal ein 13. oder 14. Platz für den FCK. Aber das ist den Fans dann zu wenig, weil sie immer noch sagen: ‚Wir sind doch das große Kaiserslautern‘. Aber man kann einfach nicht den FCK von vor 15 Jahren mit dem von heute vergleichen. Das gilt nicht nur für den FCK, das gilt auch für andere Traditionsclubs.


Als Mittelfeldspieler Reinhold Yabo die Arminia im Sommer in Richtung Salzburg verließ, sagte er zu Ihnen: „Trainer, bei Ihrer Qualität ist es nur eine Frage der Zeit, bis Sie in der Bundesliga sind“. Was sagen Sie dazu?

Saibene: Das war sein letzter Satz, den er zu mir sagte, bevor er ging. Die Presse stand neben dran. Ich fand es einfach cool, dass er so was sagt. Das hat mich berührt.


Aber ein Traum wäre die Bundesliga schon, oder?

Saibene: Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass es mein großes Ziel ist, als erster Luxemburger in der 1. Bundesliga zu arbeiten. Aber im Moment bin ich in Bielefeld wunschlos glücklich.


Haben Sie denn einen Lieblingsclub in der 1. Bundesliga?

Saibene: Ja, seit meiner Kindheit und der Zeit von Kevin Keegan, Horst Hrubesch und Manni Kaltz ist das der Hamburger SV. Und lustig ist, dass zwischen Hannover 96, Arminia Bielefeld und dem HSV eine große Fan-Freundschaft besteht. Das freut mich natürlich sehr, finde ich cool.


Dann bin ich mal gespannt, wie lange es dauert, bis Sie an der Elbe arbeiten …

Saibene: (lacht) …


Zum Abschluss folgende Frage: Wissen Sie, was am 16. September 2006 passierte?

Saibene: Puh (überlegt) … Nein, keine Ahnung.


Da konnte die Arminia den letzten Sieg gegen den großen FC Bayern feiern. 2:1 war das damals im Bundesliga-Heimspiel. Wann glauben Sie, trifft die Arminia mal wieder auf den FCB?

Saibene: Im DFB-Pokal wird’s nicht klappen in dieser Saison, weil wir schon raus sind. Aber in der Bundesliga? Das ist so weit weg, damit beschäftige ich mich gar nicht. Man darf nicht vergessen, dass Arminia vergangene Saison klinisch tot war im März. Was jetzt läuft, ist fast wie ein Wunder und einfach nur schön. Das wollen wir nun erstmal genießen und probieren so lange wie möglich oben dran zu bleiben. Aber jetzt schon vom FC Bayern zu träumen, das wäre komplett fehl am Platz.


Herr Saibene, vielen Dank für das Gespräch …

Saibene: … eine Sache möchte ich noch loswerden. Früher, als Robby Langers noch bei Eintracht Trier gespielt hat, war ich öfter im Moselstadion bei den Pokal-Sensationen. Es ist sehr schade, dass sie bis in die Oberliga abgerutscht sind. Würde mich freuen, wenn sie bald mal wieder weiter oben spielen.


Interview: Marek Fritzen

 

 
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