»Meine Fußballkarriere ist noch nicht zu Ende«
Mittwoch 17.02.21 10:00 Uhr|Autor: Niklas Korzendorfer 6.062
Von Oberbayern in die Oberpfalz: Müller läuft nun für die DJK Vilzing in der Bayernliga auf. Foto: Sven Leifer

»Meine Fußballkarriere ist noch nicht zu Ende«

Ein Gespräch mit dem Ex-Hachinger Jim-Patrick Müller, der bis Sommer 2022 bei der DJK Vilzing unterschrieben hat.

Mit Jim-Patrick Müller konnte der Bayernligist DJK Vilzing einen echten Transfercoup vermelden: Der Sportverein aus dem Chamer Stadtteil verpflichtete einen gestandenen Profifußballer, der zuletzt bei der SpVgg Unterhaching unter Vertrag stand. In insgesamt 184 Zweit- und Drittligapartien lief der gebürtige Münchner außerdem für Dynamo Dresden sowie den SSV Jahn Regensburg auf. Im Interview mit FuPa-Reporter Niklas Korzendorfer spricht der Wahl-Regensburger über die Gründe für seinen Wechsel an den Huthgarten, seine Zeit in Unterhaching sowie über Tipps von seinem Kumpel Tobias Schweinsteiger.




FuPa: Herr Müller, Sie standen zuletzt am 04. Juli 2020 beim Drittliga-Heimspiel am 38. Spieltag in der Saison 2019/20 gegen den MSV Duisburg (0:4) für die Hachinger auf dem Platz? Wie sehr fehlt Ihnen der Ligaalltag?

Jim-Patrick Müller (31): Ich spiele einfach gern Fußball. Das vermisse ich seit über einem halben Jahr extrem. Ich freue mich darauf, dass es hoffentlich bald wieder losgeht. Ich habe einen neuen Verein gefunden und möchte das, was den Fußball ausmacht, wieder genießen können.

Was macht den Fußball für Sie so besonders?

Ich vermisse das Training, den Umgang in der Kabine und vor allem den Austausch mit meinen Teamkollegen. Das konnte ich in den vergangenen Monaten bei der SpVgg Unterhaching nicht mehr miterleben. Ich freue mich auf den Tag, wenn es wieder losgeht.


Bringt die gesammelte Erfahrung aus 168 Drittliga- und 16 Zweitligapartien an den Huthgarten: Offensivakteur Jim-Patrick Müller

Bringt die gesammelte Erfahrung aus 168 Drittliga- und 16 Zweitligapartien an den Huthgarten: Offensivakteur Jim-Patrick Müller Foto: Sven Leifer


Sie wagen den Schritt von der 3. Liga in die Bayernliga. Wieso haben Sie sich für die DJK Vilzing entschieden?

Ich stehen schon seit Längerem mit der Sportlichen Leitung der DJK in Kontakt. Roland Dachauer kenne ich bereits durch das Team Bananenflanke. Das ist ein innovatives Fußballprojekt speziell für Kinder mit geistiger Beeinträchtigung. Dadurch waren wir schon im Herbst vergangenen Jahres immer mal wieder in Kontakt. Wir hatten dann sehr gute und konkrete Gespräche geführt, die mich überzeugt haben. Letztendlich war es ein Zusammenspiel aus der Lust wieder Fußball zu spielen und dem Angebot, dass ich Teil einer ambitionierten Mannschaft sein kann, weshalb ich mich für die DJK Vilzing entschieden habe.

Die Entfernung nach Regensburg hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass Sie Ihre neue sportliche Heimat im einstündig entfernten Cham gefunden haben.

Ja, genau. Aufgewachsen bin ich in Roth bei Nürnberg. Im Jahr 2011 bin ich von der SpVgg Greuther Fürth nach Regensburg gewechselt. Seitdem fühle ich mich in Regensburg wohl und wohne mit meiner Freundin dort. Die Stadt hat sich für mich über die Jahre hinweg zu einer Wahlheimat entwickelt, sodass ich von der Idee, in Vilzing Fußball zu spielen und in Regensburg zu leben, schnell überzeugt war.



Müller über das Kapitel Unterhaching: »Ich blicke auf vier schöne Jahre zurück«

 

Mit dem Wechsel endet für Sie das Kapitel Unterhaching. Sie waren über vier Jahre beim oberbayerischen Sportklub aktiv und wurden dort zum Leistungsträger.  

Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Haching und habe dort viele nette Menschen kennengelernt. Meine erste Saison war direkt eine sehr erfolgreiche, in der wir letztendlich in die 3. Liga aufgestiegen sind. Neben der Saison 2011/12 in Regensburg war das die schönste Spielzeit meiner Karriere, da wir als Mannschaft super zusammengepasst haben. Ich stehe heute noch mit vielen Jungs aus der Aufstiegsmannschaft in Kontakt. Das zeigt, wie groß der damalige Zusammenhalt war. Es ist schade, dass die Zusammenarbeit, ein Jahr eher als vertraglich festgelegt, beendet wurde.

Ihnen wurde im Sommer 2020 nahegelegt, den Verein aufgrund der Umstrukturierung zu verlassen. Hachings-Präsident Manni Schwabl bezeichnete den Entschluss als "unpopuläre Entscheidung, die im Profigeschäft getroffen werden muss". Inwieweit war diese Nachricht damals ein Schock für Sie?

Die Bezeichnung Schock ist etwas übertrieben. Ich war aber definitiv überrascht, weil ich in den vorherigen Jahren regelmäßig gespielt und als Führungsspieler Verantwortung übernommen habe. Letztendlich ist es eine sportliche Entscheidung gewesen, die man nicht immer verstehen, aber akzeptieren muss. Ich bin nicht der Erste und werde auch nicht der Letzte sein, der in der Planung des Vereins keine Rolle mehr spielt. Über die Jahre hinweg habe ich mir nichts zu Schulden kommen lassen und immer meine Leistung abgerufen. Ich blicke auf vier schöne Jahre zurück, die mir keiner mehr nehmen kann. Ich habe die Situation verarbeitet und schaue nun nach vorne.


"Das war eine der schönsten Spielzeiten": Müller erinnert sich gern an die Hachinger Aufstiegssaison 2016/17 zurück.

"Das war eine der schönsten Spielzeiten": Müller erinnert sich gern an die Hachinger Aufstiegssaison 2016/17 zurück. Foto: FNS


Der Blick ist nun auf die anstehenden Aufgaben mit der DJK Vilzing gerichtet. Ist es Ihr Ziel, noch einmal in der Regionalliga Bayern anzugreifen oder steht der Fußball als Hobby nun im Vordergrund?

Das eine schließt das andere nicht aus. Der Fußball ist immer meine Leidenschaft gewesen. Ich hatte das Privileg, dass ich durch den Fußball mein Geld verdienen konnte. Wenn ich Fußball spiele, möchte ich gewinnen. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch, sodass ich mir mit dem Verein das Ziel gesetzt habe in die Regionalliga aufzusteigen.

Sie haben insgesamt 168 Spiele in der 3. Liga absolviert, dazu 16 Zweitligapartien in Regensburg in der Saison 2012/13. Inwieweit können Sie als Führungsspieler, der sie sind, für jüngere Teamkollegen ein Vorbild sein, wenn es um Professionalität geht?

Ich denke, ein Führungsspieler zu sein beinhaltet, dass man kontinuierlich gute Leistungen bringt. Dadurch erhältst du mit der Zeit das Ansehen der Teamkollegen. Wenn ich für diese Rolle eingeplant werde, nehme ich sie voll und ganz an. Es wäre aber überheblich, die Führungsrolle aktuell zu fordern.

Wieso?

Der Verein hat in der laufenden Spielzeit sehr gut gearbeitet, gute Ergebnisse erzielen können und eine konkurrenzfähige Mannschaft mit starken Fußballern aufgestellt. Ich möchte mich in dieses Team integrieren, mich an die Umgebung und an die Mitspieler anpassen. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit dem Verein erfolgreich zu sein. Welche Rolle ich in Zukunft übernehmen kann, zeigt sich, wenn der Ball nach dem Lockdown wieder rollt.

Haben Sie denn bereits Kontakt mit Ihren neuen Teamkollegen gehabt?

Nein, leider nicht. Ich bin schon seit über einem Monat im Verein und konnte die Jungs durch den Lockdown noch nicht persönlich kennenlernen. Darauf freue ich mich besonders, wenn es losgeht.


Spielstark und bodenständig: Müller, hier im Trikot der SpVgg Unterhaching, weiß die Unterstützung seiner engsten Vertrauten zu schätzen.

Spielstark und bodenständig: Müller, hier im Trikot der SpVgg Unterhaching, weiß die Unterstützung seiner engsten Vertrauten zu schätzen. Foto: Sven Leifer


Müller: »Ich werde auch mit Vilzing noch viele spannende Momente erleben«

 

Wie schwer ist es, sich in Zeiten von Corona und Kontaktbeschränkungen fit zu halten?

Ganz ehrlich: Das ist kein Problem. Es hängt überwiegend von der eigenen Motivation ab. Ich will Sport machen und bewege mich gern. Ich habe meine Lauf- und Trainingspläne, die ich täglich absolviere. Die Spielzeit wird fortgesetzt, nur Wann ist die große Frage. Das Ziel, wieder auf dem Platz zu stehen, habe ich stets vor Augen. Dafür absolviere ich auch die ein oder anderen Laufeinheit mehr. Ich möchte fit sein, wenn die Politik den Startschuss für den Amateurfußball gibt.

Inwieweit sind dabei die Trainingstipps deines Kumpels Tobias Schweinsteiger, der aktuell als Co-Trainer beim 1. FC Nürnberg tätig ist, eine wohlwollende Ergänzung?

(lacht) Wir stehen regelmäßig in Kontakt zueinander, aber über private Fitness-Sessions tauschen wir uns nicht aus. Ansonsten kann Tobi mit seiner Erfahrung wohl in jeder Lebenslage sehr hilfreiche Tipps geben. Das schätze ich sehr an ihm.

Sie haben 10 Jahre im Profifußball verbracht. Würden Sie diese Zeit als Achterbahnfahrt bezeichnen?

Gute Frage. Ich bin dankbar, dass ich beispielsweise im Olympiastadion auflaufen durfte oder vor ausverkauftem Haus spielen konnte. Als Sportler erlebst du Höhen und Tiefen, das gehört dazu. Ich war kein Spieler, der seit der C-Jugend alle U-Nationalmannschaften durchlaufen hat. Ich habe für jeden Entwicklungsschritt hart gearbeitet und diesen dann auch einmal genossen. In den vergangenen Jahren wusste ich die volle Unterstützung der Familie, meiner Freundin sowie von Freunden sehr zu schätzen. Meine Fußballkarriere ist noch nicht zu Ende. Ich denke, dass ich auch bei der DJK Vilzing noch viele spannende Momente erleben werde. 

 

Das Interview führte Niklas Korzendorfer.

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Tabelle
1. Eltersdorf 2655 61
2. DJK Vilzing 2440 55
3. Seligenport. 2329 49
4. Großbardorf 2512 43
5. Ammerthal 24-1 38
6. Ansbach 2317 36
7. FCE Bamberg (Auf) 24-1 35
8. Würzburg. FV 235 34
9. Gebenbach 235 32
10. ATSV Erlang. 23-5 31
11. ASV Cham (Auf) 23-6 31
12. TSV Abtswind 24-17 27
13. DJK Bamberg 24-16 23
14. Bayern Hof 21-14 23
15. 1. FC Sand 24-12 21
16. TSV Karlburg (Auf) 25-41 14
17. Vikt. Kahl (Auf) 21-50 9
Wertung gemäß Direkter Vergleich
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