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Allgemeines

Digital statt Analog

... es wird trotz allem gekickt. Irgendwie.

von Stan Jahrmärker · 15.04.2020, 17:00 Uhr · 0 Leser
Am 19.04.19 noch real gegeneinander:  Der Bremer SV und Oberneuland.
Am 19.04.19 noch real gegeneinander: Der Bremer SV und Oberneuland. – Foto: Volker Schmidt

Corona und die dadurch unterbrochene Saison, stellt gerade Unterklassige Vereine vor grosse Probleme. Gerade diese müssen in der Not erfinderisch sein, wollen Sie nicht den Gang vor das Insolvenzgericht antreten. Virtuelle Spiele und Tickets scheinen da eine Lösung. Drei bzw. Vier Vereine, welche diese „Lösung“ für sich auserkoren haben und Ihre Aktionen, möchte ich hier einmal vorstellen.

Rot-Weiss Essen beispielsweise verkauft Tickets für ein virtuelles Spiel gegen den „FC Corona“. Zu erwerben sind Vip-Tickets (100 Euro) , Steh und Sitzplätze (10 bis 25 Euro), sowie virtuelles Bier (4 Euro) und Bratwurst (2,50 Euro). Ueber 100.000 Euro wurden bislang zur Linderung in die Kassen gespült, 5.619 Tageskarten sowie 9.438 Biere und 4.538 Bratwürste wurden an Mann oder Frau gebracht (Stand 13.04 21 Uhr). Sollte wider erwarten die Saison mit Zuschauern fortgesetzt werden, können diese Tickets ausserdem in das reale Aequivalent eingetauscht werden.

Einen interessanten Weg gehen der Bremer SV und der FC Oberneuland aus der Bremenliga. Dessen reguläres Spiel findet statt. Aber anders als erwartet, Digital statt Analog. Am 22.04 um 18.30 Uhr geht der Kick live auf YouTube als Simulation über die Bühne. Neben dem Spiel (2x10 Minuten) gibt es Vorberichte, Meinungen und Fakten zum Spiel; die beiden Trainer begleiten überdies durch das Programm. Hardtickets – welche verschickt werden – gibt es für 3 Euro. Bier und Bratwurst werden ebenfalls angeboten (1 Euro).
Anders als sonst, teilen sich hier Gastgeber und Gast die Einnahmen.

Lok Leipzig indes stellt sogar einen Rekord auf. Gleich 125.000 Tickets verkaufte der Viertligist bis zum 12.April für ein Geisterspiel am 08.Mai und stellt ganz nebenbei einen Zuschauerrekord auf. Schon jetzt hat das Virtuelle Gebolze mehr „Zuschauer“ als das Europacup-Halbfinale gegen Bordeaux. Offiziell waren seinerzeit 73.000 Zuschauer anwesend, man munkelte allerdings von nahezu 120.000 Fans im Stadion. Aus aller Welt seien Bestellungen eingegangen, wurde Präsident Thomas Löwe in der Presse zitiert. Aber man ruht sich nicht aus: Nächstes Ziel ist es mehr Tickets zu verkaufen als der bisherige (Reale-)Europarekord. Der stammt mit 149.547 Zuschauern aus dem Jahr 1937, als sich im Glasgower Hampden Park Schottland und England gegenüberstanden.