Die »Gefühlsexplosion« bleibt aus
Montag 18.05.20 08:00 Uhr|Autor: Christian Pomoja (Hinterländer Anzeiger)392
Torjäger Yanik Berberich und die SG Dernbach/Wommelshausen sind Meister der A-Liga. Foto: Jens Schmidt

Die »Gefühlsexplosion« bleibt aus

SAISONENDE: +++ Titelgewinn ist für die Corona-Meister „anders“ / Tabellenzweiten hoffen noch / Hinterländer B-Liga droht auszubluten +++

Hinterland . Der am Samstag beschlossene Abbruch der Saison 2019/2020 hat einige Gewinner gebracht. Nie musste ein Meister so wenig dafür tun, um aufzusteigen. Nie gab es in allen Spielklassen keine Absteiger. Doch bleiben am Ende auch Verlierer. Eine Relegation für die Tabellenzweiten wird nicht gespielt, ob sie aufsteigen dürfen ist noch nicht entschieden. Und die Chance, den Spitzenreiter noch zu überholen, ist für die dahinter aussichtsreich platzierten Clubs dahin. Wir haben uns bei den Vereinen umgehört.




Kreisoberliga

Eng ist es an der Spitze der Kreisoberliga. Der SV Emsdorf und der FSV Cappel haben den gleichen Punktequotienten (219), das einzige direkte Duell endete 0:0, der Torquotient gibt den Ausschlag für den SVE. Der FSV muss auf die Entscheidung warten, wie mit den Relegationsrängen verfahren wird. Dahinter haben die SG Silberg/Eisenhausen (189) und der SC Gladenbach (186) keine Chance mehr, oben einzugreifen.

GSC-Coach Nils Waldschmidt sagt: „Eine 100 Prozent faire Lösung gibt es nicht, das ist aber die fairste. Sportlich hätten wir beiden Teams oben schon gerne Druck gemacht, aber die Tabelle jetzt lügt nicht. Wir haben es uns selbst zuzuschreiben, dass wir jetzt nicht oben stehen.“

Silberg/Eisenhausens Spielausschussmitglied Florian Pankraz teilt mit: „Es wäre sicher interessant geworden, da wir die Teams vor uns noch daheim gehabt hätten. Ich hätte es gerne gesehen, wie wir uns gegen sie geschlagen hätten. Aber auch wir haben für einen Abbruch mit Quotientenregel gestimmt. Allerdings stelle ich mir es schwierig vor, nur Aufsteiger und keine Absteiger zu haben. Die B-Liga, wo unsere zweite Mannschaft spielt, stirbt aus. Ich weiß nicht, ob es eine Möglichkeit gibt, mit der Marburger oder Dillenburger B-Liga zusammenzugehen“.

A-Liga

„Wir warten trotzdem noch ab. Auch wenn wir davon ausgehen, dass es beim Verbandstag abgesegnet wird, wollen wir kein Risiko eingehen und uns nicht zu früh freuen“, sagt Benjamin Bender, Spielertrainer des designierten A-Liga-Meisters SG Dernbach/Wommelshausen (240). Sollte der Titel auch offiziell bestätigt werden, sei er natürlich „anders“: „Ich kam schon in den Genuss eines Aufstiegs als Spieler. Natürlich fehlt uns dann die Gefühlsexplosion auf dem Platz, wenn der Erfolg sportlich errungen wurde. Nichtsdestotrotz wäre ein solcher Aufstieg für uns eine einmalige Sache und täte unserer Freude keinen Abbruch“, so Bender.

Relegationsrang zwei nimmt die SG Versbachtal (207) ein und hofft noch. Pressesprecher Reinhard Becker betont: „Die Runde ist rum, es ist wichtig, dass das geklärt ist. Jetzt schauen wir, wie mit den Relegationsplätzen umgegangen wird. Wir nehmen es, wie es kommt. Einfluss darauf haben wir eh nicht“.

Eine Menge vorgenommen hatte sich der FC Angelburg (193), der als Dritter nun den Aufstieg verpasst hat. „Ich persönlich bin einfach tief enttäuscht. Einige Vereine sind erlöst, befreit oder auch glücklich, für uns ist der Abbruch in dieser Form aber eine Katastrophe“, gibt FCA-Coach Markus Bastian zu Protokoll. Er traute seiner Mannschaft, die in der Winterpause verstärkt wurde, den Aufstieg noch zu. „Mit dem dritten Rang sind wir absolut zufrieden, es wäre aber noch ein Schrittchen mehr möglich gewesen“, so Bastian.

B-Liga

„Ich spreche nur für mich, aber ich fühle mich persönlich betrogen“, lacht Ramona Kühlborn vom Meister SSV Endbach/Günterod (286) und erklärt: „Ich habe schon die letzte Aufstiegsfeier wegen meines Urlaubs verpasst und jetzt das. Wer weiß, wann man wieder so etwas feiern darf“. Sie ergänzt: „Wahrscheinlich ist dies in dieser Situation die gerechteste Art und Weise die Saison zu beenden, aber für das Fußballerherz ist das nichts, wenn das am grünen Tisch entschieden wird. Dennoch freuen wir uns natürlich auf die A-Liga“.

Die SG Dautphetal (267) kassierte eine Saisonniederlage in Silberg und lief deshalb hinter Endbach/Günterod über die Ziellinie. Der Abbruch verhindert nun eine Aufholjagd, der Relegationsplatz lässt aber die Aufstiegstür noch einen Spalt offen. „Sehr schade, aber dennoch abzusehen. Wir sind gespannt in welcher Liga wir nächstes Jahr spielen werden und hoffen natürlich das beste“, teilte die SG auf Facebook mit.

Frauen, Gruppenliga

Nachdem Aufstieg und Meisterschaft feststanden, hat René Schneider, Trainer der SG Gansbachtal, seinen Fußballerinnen in der WhatsApp-Gruppe zunächst für die gute Saison gratuliert. „Das freut uns natürlich, aber wir hätten die Runde auch gerne zu Ende gespielt, was aber verständlicherweise nicht geht.“ Schneider teilt auch die Gedanken seines Teams mit: „Aus der Mannschaft hieß es auch, dass sich das gar nicht wie eine Meisterschaft anfühlt. Es wäre anders, wenn man den Sieg am Platz hätte einfahren können.“ Dennoch freue man sich bei der SGG natürlich, „die Verbandsliga wird eine Herausforderung“, so Schneider.





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