Jupp Derwall bekommt eigenes Stadion
Samstag 05.09.20 21:00 Uhr|Autor: Karl Stüber | AZ/AN2.104
„Häuptling ondulierte Silberlocke“: Jupp Derwall zu Besuch in Würselen (Foto oben). Das Bild enstand 1978. Er traf immer wieder gerne alte Mannschaftskameraden: Jupp Derwall (unten, Bildmitte vorn) mit ehemaligen Spielern der Rhenania in Würselen. Foto: Wolfgang Sevenich

Jupp Derwall bekommt eigenes Stadion

Sportzentrum am Aquana wird nach dem ehemaligen Fußballbundestrainer und gebürtigen Würselener benannt
Die Versuchung war groß, das im Bau befindliche Sportzentrum neben dem Freizeitbad Aquana nach einem Sponsor zu benennen, um Geld einzunehmen. Aber daraus wird nichts. Die kombinierte Leichtathletik- und Fußballsportstätte wird „Jupp-Derwall-Stadion“ heißen. Das hat jetzt der Würselener Stadtrat beschlossen.


Bekanntlich ist Derwall Bundestrainer der Deutschen Fußballnationalmannschaft gewesen. Er wurde mit dem Team 1980 Europameister und 1982 Vize-Weltmeister. Was aber nicht viele außerhalb Würselens wissen: Er wurde am 10. März 1927 in der Düvelstadt geboren. Das „Schicksal“ Geburtsort Würselen teilt er mit Martin Schulz, einst berühmter Europapolitiker und Kanzlerkandidat der SPD bei der letzten Bundestagswahl. Beiden ist zudem gemein, dass sie aus ihrem Herkunftsort nie einen Hehl mach(t)en und die Verbindung nie abreißen ließen bzw. lassen. Jupp Derwall starb am 16. Juni 2007. Bundestagsabgeordneter Schulz lebt in seiner Heimatstadt Würselen, das sehr gern und hoffentlich noch lange.

Nun wäre es nicht ohne Reiz gewesen, das Stadion nach Martin Schulz zu benennen. Er kickte dereinst bei der Rhenania, bis die Knie nicht mehr so recht mitmachten. Zudem ist der Bau des Freizeitbades Aquana mit der Persona Schulz als Bürgermeister der Stadt eng verbunden. Aber das ist eine andere Causa nebst Geschichte.

Laufbahn begann bei Rhenania

Derwalls Knie dagegen hielten, was sein Talent versprach. In seiner Jugendzeit startete „Jupp“ seine fußballerische Laufbahn bei Rhenania Würselen. Mit 16 Jahren spielte er schon in der ersten Mannschaft, gibt die Chronik preis. Mit seiner Rhenania wurde Derwall 1947 Mittelrheinmeister und stieg in die Oberliga West auf. 1949 wechselte er nach Aachen, was nicht alle Düvelstädter so doll fanden. Aber er blieb nicht dort, sondern war als Profispieler in verschiedenen Vereinen am Ball. 1978 wurde er Trainer der Deutschen Fußballnationalmannschaft, blieb dies bis 1984. In dieser Zeit erhielt er von der kauzigen Trainerlegende Max Merkel den Spitznamen „Häuptling ondulierte Silberlocke“. Zudem war Derwall noch Trainer in der Schweiz und in der Türkei.

Dass er nun der neuen Sportwettkampfstätte seinen Namen gibt, ist nur konsequent. Und was sagt die DJK Armada dazu, ein Leichtathletikverein, der seit Jahren auf eine wettkampffähige Umlaufbahn wartet und jetzt endlich freie Bahn(en) im neuen Sportzentrum bekommen soll? Im Stadtrat hieß es, der Verein stimme zu, zumal er nicht einen so berühmten Akteur aus seinen Reihen hat hervorbringen können. Aber das könnte sich ja ändern, wenn es nach Fertigstellung der Sportanlage endlich rund für die Leichtathleten gehen kann – höher, schneller, weiter. Das ist Potenzial genug, auf dass auch die Armada von sich hören lassen wird.

Es war übrigens die aktuelle Rhenania Würselen/Euchen, die mit der Stadt in Gesprächen wegen einer möglichen Vermarktung des Namens der Sportzentrums war. Dazu vermerkt die Verwaltung: „Nach Rücksprache mit dem Verein verfolgt dieser seine Bestrebung einer Vermarktung des Stadionnamens nicht weiter und unterstützt die vorgeschlagene Namensgebung.“ Und was hätte „Jupp“ zu dem Vorhaben der Rhenania gesagt? Na ja, bodenständig wie er war, wahrscheinlich schmunzelnd: „Wat soll dat?“

Trost für die Rhenania dürfte der Vermerk der Stadtverwaltung zu der Auswirkung der Entscheidung auf das Projekt „Würselen – Stadt der Kinder“ sein: „Durch die Benennung des Sportzentrums Kauseneichsgasse in Jupp-Derwall-Stadion wird für Kinder und Jugendliche das Wirken von Jupp Derwall in Würselen auch als Vorbild hervorgehoben. Hierbei steht nicht nur der sportliche Erfolg im Vordergrund, sondern insbesondere auch das Wirken von Jupp Derwall in vielen verschiedenen Ländern und der respektvolle Umgang mit Sportlern aus vielen Nationen.“

Der Chronistenpflicht folgend, muss erwähnt werden, dass der Antrag auf Benennung des Stadions von SPD- und FDP-Fraktion gestellt wurde. Und wenn das neue Sportzentrum fertig ist, dürfte ja wohl ein Einweihungsspiel fällig werden. Wie wäre es mit der Paarung Rhenania Würselen/Euchen gegen Alemannia Aachen? Was unlängst Dürener Kicker im Pokalwettbwerb schafften, sollte auch Rhenanen gelingen: Aachener vom Platz putzen. Jupp Derwall würde es sicherlich gefallen.


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