Der Mann, der mit Tuchel arbeitete
Samstag 18.09.10 23:40 Uhr|Autor: -by-5.394
Günther Leipold - U19 Kraft-und Fitnesstrainer beim FSV Mainz 05 (Foto: -by-)

Der Mann, der mit Tuchel arbeitete

Günther Leipold spricht über seine Arbeit mit Profis und eine verbesserte Trainingsarbeit


Günther Leipold
war Kraft- und Fitnesstrainer bei  FSV Mainz 05 und hat dort mit Thomas Tuchel zusammen das Nachwuchstalent André Schürrle trainiert. Jetzt will er dieses Wissen an die Fußballer der Region weitergeben. Im Interview mit FuPa spricht Günther Leipold über seine Zusammenarbeit mit Thomas Tuchel, sein Vorbild Louis van Gaal und was im Amateurfußball verändert werden muss.







Fußballtrainer Günther Leipold hat vor kurzem die Leitung des BFV-Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) in Landshut übernommen. Vorher war er unter anderem schon Trainer bei 1860 München, SE Freising, ETSV 09 Landshut, SpVgg Landshut und TSV Landshut-Auloh.
Besondere Bekanntheit erlangte Günther Leipold aber durch seine Tätigkeit als Kraft- und Fitnesstrainer der U19- Bundesligamannschaft des FSV Mainz 05. Die errang daraufhin auch prompt die Deutsche Meisterschaft. Der damalige Mainzer Juniorentrainer Thomas Tuchel, der Leipold nach Mainz holte, ist heute Cheftrainer bei den Mainzern.
In seiner Funktion als Fitnesstrainer führte Günther Leipold auch den verletzten André Schürrle (er wechselt 2011 für zehn Millionen nach Leverkusen und ist damit der teuerste 19-Jährige der Bundesliga) wieder an den Mainzer Profikader heran.
Mainz 05 war so angetan von Leipolds Wirken, dass man ihm in diesem Jahr einen weitreichenden Profivertrag anbot. Leipold lehnte ab. Warum er dies tat, schildert er in seinem Interview.

Dieser Tage hat Günther Leipold ein Therapie- und Leistungszentrum in Landshut-Weixerau eröffnet. Er möchte dort sein umfangreiches Wissen durch eine „komplette sportmedizinische  Rund-um-Betreuung“ an Sportler aus der Region weitergeben. Zur Eröffnungsfeier am 1. Oktober erscheint Thomas Tuchel persönlich. Auch Hansi Pflügler wird an diesem Tag in der Weixerau vorbeischauen.   

FuPa: Hallo Günther! Wie man hört, hast du einen Vertrag von Mainz 05 ausgeschlagen. Wie schaute der aus und was waren dafür die Gründe?
Leipold: Ich war die vergangenen zwei Jahre ja als Spezialtrainer im NLZ für das Kraft- und Fitnesstraining zuständig. Nach Absprache mit Thomas Tuchel und Volker Kersting (Leiter NLZ) wurde das in Blockform betrieben, so dass ich die Arbeit in Mainz mit meiner Praxistätigkeit und Familie in Landshut koordinieren konnte. Der Trainingsaufwand ist dann allerdings immer höher geworden, so dass man eine Grundsatzentscheidung treffen musste: Mainz brauchte einen verantwortlichen leitenden Trainer vor Ort, bei mir hat allerdings die eigene Praxis und Familie Priorität. Nun stehe ich den Verantwortlichen nach wie vor in beratender Funktion zur Seite, kann mich allerdings ganz auf meine neuen Aufgaben hier in Landshut konzentrieren.  

FuPa: Was müsste geschehen, dass du wieder als Vereinstrainer arbeiten würdest?
Leipold: Die Entscheidung, die Leitung des BFV-Nachwuchsleistungszentrum in Landshut zu übernehmen, war ebenfalls eine Grundsatzentscheidung gegen eine eigene weitere Trainertätigkeit. Ich habe Spaß an der Teamarbeit mit den Trainerkollegen und bringe auch hier mein Wissen als Spezialtrainer in die tägliche Trainingsarbeit mit ein, so ganz ohne „Stallgeruch“ geht es also doch nicht …  

FuPa: Du hast ja als Trainer schon einige Vereine trainiert. Was war als Trainer bisher dein schönstes Erlebnis?
Leipold: Eigentlich waren es die verschiedenen Facetten dieses Jobs, die mir besonders in Erinnerung sind: die erste Funktion als Jugendleiter und B-Juniorentrainer bei meinem Heimatverein SV Neuhausen (1991) , die U19 der DJK Furth von der Kreisklasse bis zur BOL-Spitze zu führen war eine tolle Zeit, später die Arbeit als DFB-Stützpunkt- und Auswahltrainer, wo ich einige Talente begleiten durfte, die dann den Sprung in den Profibereich geschafft haben; die Arbeit als Seniorentrainer mit Altheim, SpVgg Landshut , Neuhausen, Essenbach , 09 Landshut,  Freising und  Landshut-Auloh waren eine tolle Erfahrung; durch meine Tätigkeit  als sportlicher Ausbildungsleiter in Freising erhielt ich zusätzlich Einblick in die Ausbildung beim FC Bayern München; aber natürlich waren v.a. auch die Arbeit bei den Proficlubs 1860 München und Mainz 05 eine sehr wertvolle und lehrreiche Erfahrung für mich.   

FuPa: Du bist ja bekannt dafür, dass du sehr viel Wert auf Koordinationstraining legst. Warum ist das so wichtig und wie kann man das trainieren?
Leipold: Als Sportmediziner und Konditionstrainer weiß man, wie wichtig eine vielseitige konditionelle Ausbildung der Spieler ist. Während bis vor einigen Jahren im Fußball der Schwerpunkt auf reiner Ausdauerarbeit  gelegt wurde, ist man im modernen Konditionstraining erheblich mehr gefordert: funktionelles Krafttraining, Athletiktraining, Schnelligkeitstraining, Koordination und Beweglichkeit nehmen neben der Ausdauer einen immer höher werdenden Stellenwert ein. Das Koordinationstraining ist dabei ein wichtiger Baustein im Sinne von Verbesserung der Bewegungsgeschwindigkeit, um das Thema Schnelligkeit zu beeinflussen und muss bereits im Juniorentraining zielgerichtet eingesetzt werden.Hier war Louis van Gaal in seiner Zeit als Nachwuchskoordinator bei Ajax Amsterdam Anfang der 90-er Jahre für ganz Europa richtungsweisend und auch mein Vorbild.  

FuPa: Du hast ja kürzlich in Landshut-Weixerau dein eigenes Therapie- und Trainingszentrum eröffnet. Was kannst du da den Sportlern bieten?
Leipold: Richtig, ich bin ja seit rund zwanzig Jahren als Sportheilpraktiker tätig und mit der neuen Praxis erweitert sich unser Spektrum nochmals erheblich. Die Schwerpunkte liegen nach wie vor  in der kompletten sportmedizinischen Rund-um-Betreuung unserer verletzten Amateur-Sportler. Von der Erstversorgung bei akuten Verletzungen (incl. Bereitschaftsdienst am Wochenende), der Untersuchung und Diagnosestellung, den weiterführenden Behandlungsmaßnahmen bis hin zum Rehatraining nach schwereren Verletzungen sowie dem sportartspezifischen Aufbautraining, bei dem der Spieler schrittweise wieder ins Wettkampftraining integriert wird, wird der Patient von uns komplett begleitet und betreut. Dazu können wir in der neuen Praxis durch den vergrößerten Trainingsbereich auch die Themen „leistungsförderndes Spezialtraining“ sowie modernste Leistungsdiagnostikmaßnahmen integrieren. Durch die Zusammenarbeit mit unseren in der Praxis tätigen Ärzten Dr. Weyerer und Miedl decken wir dazu auch noch allgemeinmedizinische und internistische Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten ab.   

FuPa: Zur Einweihung deiner Praxis am 1. Oktober kommen auch Thomas Tuchel und Hansi Pflügler. Wie kommst du zu denen?
Leipold: Thomas Tuchel kenne ich aus gemeinsamen Landesligazeiten, wo wir als Trainer (ich beim SE Freising, er beim FC Augsburg II) die Klingen gekreuzt haben. Seitdem hielten wir über Jahre stets intensiven Kontakt; im Sommer 2008 übernahm Thomas dann die U19-Bundesligamannschaft des FSV Mainz 05, holte mich als Krafttrainer mit ins Boot und wurde auf Anhieb Deutscher Meister. Der Rest ist ja bundesweit bekannt…
Hans Pflügler kenne ich ebenfalls aus meiner Freisinger Zeit, er half ja jahrelang in der Landesliga aus und sein Bruder Karl trainierte zu meiner Zeit in Freising die Zweite Mannschaft.   

FuPa: Außerdem hast du neuerdings die Leitung des BFV-Nachwuchsleistungszentrums in Landshut übernommen. Was reizt dich daran?
Leipold: Die Ernennung zum Nachwuchsleistungszentrum ist für den gesamten Fußball-Standort Landshut eine einmalige Chance, wo ich mich aus Überzeugung für die Sache mitengagiere. Der Reiz liegt natürlich in der systematischen und leistungsorientierten Junioren-Ausbildung. Meine Aufgabe besteht v.a. darin, dass die inhaltlichen Vorgaben und sportlichen Schwerpunkte des DFB umgesetzt werden, wobei mir hier natürlich meine Erfahrungen auf fast allen Ebenen des Deutschen Nachwuchsfußballs zu gute kommen.  Darüber hinaus soll das NLZ aber auch als Fußball- Ausbildungszentrum den Spielern,  Trainerkollegen und Vereinsfunktionären der umliegenden Vereine dienen. Dies zu vermitteln und umzusetzen ist für mich ebenfalls sehr reizvoll.   

FuPa: Was muss sich im Amateurfußball verbessern?
Leipold: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die taktische Ausbildung bundesweit bis in den unteren Amateurbereich enorm verbessert. Themen wie ballorientiertes Verteidigen, Zonendeckung, Pressingspiel etc. haben aber auch zu einem deutlichen Anstieg der physischen Belastung geführt, doch die konditionellen Voraussetzungen zur Bewältigung der erhöhten Anforderungen  sind zeitgleich nicht mitgewachsen. Das führte in den letzten Jahren zu einer immensen Zunahme der Verletzungsanfälligkeit auf allen Ebenen und  wird für viele Vereine, Trainer und Spieler im Amateurbereich in Zukunft ein Problembereich, den es zu lösen gilt.  

FuPa: Wie geht es weiter mit Günther Leipold? Was sind deine Zukunftspläne?
Leipold: Sowohl das neue Therapie-& Trainingszentrum als auch das NLZ Landshut füllen mich derzeit  voll aus, da bin ich auch künftig gut ausgelastet und das alles wie immer: „Rund um den Sportler, rund um die Uhr“…  

FuPa: Danke für das Interview und viel Erfolg für deine Arbeit!



Fußballer fit machen, das ist Günther Leipolds Ziel  (Foto: -by-)
Fußballer fit machen, das ist Günther Leipolds Ziel (Foto: -by-)


 



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