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Samstag 02.07.16 17:50 Uhr|Autor: Romina Burgheim370

Chasing Mavericks

oder: Was der Fußball vom Surfen lernen kann

“Nichts ist so beständig wie der Wandel!" Wer kennt ihn nicht, diesen widersprüchlich erscheinenden und doch vor lauter Wahrheit strotzenden Satz? Aber wussten Sie, dass diese ca. 500 v. Chr. verfasste Erkenntnis vom Vorsokratiker und Naturphilosophen Heraklit aus Ephesos formuliert wurde? Sie hat an ihrer Aktualität nichts eingebüßt und lässt sich auf sämtliche Lebensbereiche übertragen!

Natürlich auch auf den Fußball, der sich über die Jahrzehnte hinaus beständig gewandelt hat. So hat sich das benötigte Material grundlegend verändert: echte, harte, rissige Lederbälle wurden von hochsynthetischen und -technisierten, auf ihre Flugfähigkeit hin getestesten Plastikelementen ersetzt, der echte kaiserliche Ledertreter mit beinharten Eisenstollen wurde von hochsynthetischen und -technisierten, in knalligen Neonfarben transformierten, personalisierten High-Tech-Schuhen abgelöst und das gute, alte Baumwolltrikot mit liebevollen, großmütterlichen, eingestickten Vereinsemblem musste einem hochsynthetischen und-technisierten, immerhin umweltfreundlich aus alten Pfandflaschen hergestellten,kostspieligen Jerseys weichen, die mittlerweile so hauteng an den durchtrainierten Körpern anliegen, dass dort keine Stecknadel zwischenpassen mag. Da verwundert es eigentlich, dass das Material so reißfest ist und nicht so oft, wie es bei der EM-Partie zwischen Frankreich und der Schweiz geschehen war, gleich sieben Trikots aufeinmal den intensiven Zweikämpfen zum Opfer fielen. 


Die Kommerzialisierung hat beim Volkssport keinen Halt gemacht und dementsprechend sind mit wesentlich höheren Prämien als auch Prestige das Gewinnen der etablierten internationalen (Europameisterschaft, Copa de America usw.) und interkontinentalen Wettbewerben (Weltmeisterschaft) verbunden. Kein Wunder also, dass sich das beteiligte Personal sehr kreativ zeigt in der Auswahl und Vorbereitung der Trainingsinhalte, um ihr Team bestmöglichst und umfassend auf die vielseitigen Anforderungen im Wettbewerb vorzubereiten. 


Jürgen Klinsmann zeigte sich als von dem Leben in der USA inspirierter, unkonventioneller Coach dafür verantwortlich, dass seine DFB-Schützlinge fortan auf der Tagesordnung Yoga stehen hatten. Diese "Sport"Art, die bis dato anscheinend nur Hausfrauen um die 40ig ausübten, sollte dafür sorgen, dass die beanspruchten Muskeln weniger verletzungsanfälliger wurden. Ein geschmeidiges Dehn-Konzept, das viele nach anfänglicher Skepsis übernahmen. Ähnlich verhielt es sich mit anderen Randsportarten, die nach und nach als lustvolles Happening, funktionaler Appetizer oder auch als teambuildende Maßnahme legitimiert und folglich eingebaut wurden: Das Boxen wurde eingesetzt, um die Beweglichkeit, Härte, aber auch Geschicklichkeit der Spieler zu fördern. Das Bogenschießen, um die Konzentration und Zielgenauigkeit der Athleten zu unterstützen usw. Eine Randsportart, der bei all den Innovationen noch völlig unberechtigt keine Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, ist das Surfen, wofür die vorliegende Kolumne nun eine Lanze brechen will, indem sie die frappierenden Gemeinsamkeiten aufzeigt und so allen Coaches nahe legt, ihren Spielern einen solchen Surf-Trip nahe zu legen bzw ins eigene Trainingslager zu integrieren. 

Analyse:

Ein unabdingliches Element, will man seinen Gegner bzw. die Wellen bezwingen, ist eine sorgfältige (Spiel-) Analyse. Es gilt, die eigenen Stärken und Schwächen bestmöglichst auf den Gegner abzustimmen und das eigene Spielsystem danach auszurichten, um keine böse Überraschung zu erleben. So ist es auch beim Surfen: Bevor man sich mit dem Brett in die Wellen stürzt, ist es wichtig, die Surf-Bedingungen zu testen: Wie verläuft der Wind (Offshore/ Onshore, Sideshore), um was für eine Strömung handelt es sich (Current?!) welche Spots bieten um welche Uhrzeit die besten Möglichkeiten für ein erfolgreiches und lustvolles Wellenvergnügen? Die Locals (Einheimischen) sind für dieses Wissen eine hilfreiche Einnahmequelle.

Disziplin:

Beim Fußball sowohl in taktischer, als auch emotionaler Hinsicht eine unverzichtbare Tugend, da andernfalls der Spieler keine Chance hat, in die Startelf zu rücken, da er das Spielsystem des Trainers bei fehlender Disziplin zunichte macht. Bei fehlender Impulskontrolle hingegen kann der Stammspieler ganz schnell und unnötig zum Duschen geschickt werden und schadet dabei nicht nur sich selbst, sondern vorallem sein Team, wie es in erschreckender und zuverlässiger Regelmäßigkeit die BadBoys Spaniens (Sergio Ramos) und Portugals (Pepe) beweisen. Beim Surfen lässt sich diese Fähigkeit erproben und ausbauen. Denn wenn man nicht die Geduld und Muße besitzt, in der Line up (der Ort an dem die Wellenreiter sitzen und auf eine Welle warten) zu warten und die Peak (die höchste Stelle einer Welle) zu erwischen, hat meist das Nachsehen. Er wird nur schwer aufs Brett gelangen und den Genuss verpassen, von einer Welle getragen zu werden. Das erneute hinpaddeln zum Line Up kostet unnötig Kraft, Zeit und Nerven. 

Gras:

... ist nicht immer das, wonach es klingt. Markiert es für den Fußballer den schönsten, weichen und am feinsten zu bespielbaren Untergrund (bei entsprechender sorgfältiger Wartung, die Engländer sind ein Meister der "Rasen"-Schnitt-Kunst), stellt es für den Surfer ein unverzichbares Kraut dar, das meist nach dem Surftrip zur Entspannung und Zerstreuung oral eingenommen wird :D Der Joint ist ein Relikt der Woodstock-Bewegung und verliert zunehmendst unter den echten Wasserratten an Bedeutung, da ein "stoned" Körper längst nicht so leistungsfähig ist wie ein diesbezüglich unberührter. Das haben die Fußballer erkannt, weshalb die THC-Substanz nicht umsonst auf der Anti-Doping-Liste gelandet ist, also von einem Konsum desselben dringend abzuraten ist. Der Duft hängt trotzdem überall in der Luft und verströmt schon so ein sehr süßes Feeling. 

Koordination/Konzentration/Kondition:

Ebenfalls drei wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten, die beim Ballsport kontinuerlich geschult werden müssen und die miteinander und untereinander untrennbar interagieren. Das eine ist eigentlich ohne das andere nicht denkbar. Es handelt sich bei diesen K-Schwestern quasi um eine menage a trois möchte man fast schon sagen. All dies lässt sich spielerisch und ganz nebenbei beim Surfen trainieren. Koordination lernt und benötigt man, wenn man auf dem Brett in Windeseile den take-off wagt und sich von der Ur-Gewalt auf dem Brett stehend tragen lässt. Konzentration ist unabdinglich, den richtigen Zeitpunkt der brechenden Welle zu erwischen (s. Peak) und einen festen Stand zu finden. Die Kondition wird vorallem bei dem Hinauspaddeln zum Line-Up geschult, das ganz nebenbei ein whole Body-Workout darstellt. 

Spaß:

Bei aller Trainings- und Spiel-Disziplin, Konzentration und körperlicher Anstrengung darf natürlich der Fun-Faktor nicht zu kurz kommen, der letzlich der Vater des Erfolgs darstellt. Jeder gute Trainer weiß, wie wichtig und wertvoll eine gesunde Balance zwischen Ehrgeiz und Lockerheit, Anspannung und Entspannung, Ernst und Spaß ist usw. Und Wellenreiten, wenn man es denn dann beherrscht, bereitet vor allem eins:

Wahnsinnige Freude: Das Glücksgefühl, wenn die Welle einen erwischt, sicher und schnell der take off gelungen ist und man sich vom Element Wasser tragen lassen kann, ist unbeschreiblich. Genausoviel Freude bereitet aber auch ein (kontrollierter) Wipe-Out (Sturz, sofern er sich nicht gerade kurz vor den Steinen ereignet :D ), der dazu führt, dass man kurz durch die Luft segelt und dann weich in der schäumenden Gischt landet. Ein spritziges, erfrischendes Vergnügen. Denn dabei wird zuletzt eine ganz andere Tugend geübt: Sich dem Meer anzuvertrauen! Und was gibt es schöneres, als (zu lernen), sich auf den Mitspieler Meer/mehr verlassen zu können? Also worauf noch warten?

*Only soccer sucks!*Go Surfing!

 
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