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Donnerstag 31.03.16 00:10 Uhr|Autor: Romina Burgheim280

Bombenstimmung im Stadion

Fußball in Zeiten des Terrors
Wer hat es nicht schon einmal erlebt? Man steht mit grinsendem Gesicht, fiebrigen Händen mitten im Fanblock, lauscht vergnügt den Gesängen, mit denen die eigenen Anhänger ihren Club nach vorne peitschen und zum Sieg tragen (wollen). Und in der Tat führt das eigene Team beachtlich mit 2:0. Man dreht sich begeistert zu seiner Begleitung um, die im besten Fall genauso selig ist und sagt zu ihr: Was für eine Bombenstimmung! Diese harmlose allseits bekannte Redewendung, um die ausgezeichnete Stimmung im Stadion zu würden, kann mittlerweile leider schon wörtlich genommen werden und hat somit unfreiwillig einen explosiven Charakter bekommen. Die eigentliche Aussage wird abrupt in ihr Gegenteil verkehrt. Und sowas will eigentlich niemand am eigenen Leib erfahren.

Denn: Attentate in Paris, Sprengungen in Brüssel und nun erneut Anschläge in Istanbul. Die Horrormeldungen über verübte Terroranschläge scheinen in diesen Tagen und Wochen kein Ende nehmen zu wollen. BILD stellt daraufhin schockiert fest, dass wir uns im Krieg befinden. Ganz so schlimm ist es (noch) nicht, aber die Bedrohung durch Terroristen für Deutschland ist spürbar und kommt immer näher. Fussballstadien sind nicht nur im apokalyptisch anmutenden Theaterstück "Terror" von Ferdinand Schirrach fiktionale Schauplätze bereitwilliger Selbstmordattentäter geworden, sondern längst traurige und gefährliche Wirklichkeit . Ein Blick zurück: Während des freundschaftlich angesetzten Länderspiels Deutschland gegen Frankreich hörte man zuerst in der ca. 15. min einen lauten dumpfen Knall und daraufhin mehrere Explosionen, die wohl aber den (TV-)Zuschauer verborgen blieben. Kurze Irritation herrschte auf dem Feld, man maß dem aber keine weitere Bedeutung bei. Die Partie wurde weiter ausgetragen. Erst gegen Ende der Partie (ab der 65. min) werden Einzelheiten bekannt, dass eine Geiselnahme in einem Konzerthaus stattgefunden haben soll und eine merkwürdig angespannte Stimmung macht sich im Stadion breit. Der Kommentator konstatierte daraufhin seine Unfähigkeit, weiter über das Spiel zu berichten und tat es dann dennoch schleppend. Seine Berichterstattung bestand dank seiner starken Betroffenheit größtenteils nur noch aus Metareflexionen seines Gefühlshaushaltes. Anschließend bestand die übliche Analyse der Begegnung darin, sich gegenseitig zu beteuern und von zahlreichen (Krisen-)Experten (Trainer Jogi Löw, Manager Bierhoff) versichern zu lassen, was für eine schreckliche Situation und welche Maßnahmen zu treffen für die Nationalmannschaft und alle Beteiligten am geeignetsten sei. Fragen, inwiefern dieses Attentat die deutsche Nationalmannschaft berühre usw. wurden ausschweifend und nichtssagenden diskutiert. 

Dramaturgisch perfekt auskonzipiert durfte dann natürlich eine kleine Massenpanik am Schluss nicht fehlen, da sich aufeinmal Trauben von Menschen auf den Rängen lösten und panisch Schutz auf dem Spielfeld suchten. Dieses bewegende Ereignis wurde natürlich ganz rücksichtsvoll aufgezeichnet und publikumswirksam für den anschließenden spontan eingerichteten ARD Brennpunkt zur Verfügung gestellt. Ganz getreu dem Motto "vorbeugen ist besser als auf die Schuhe zu k**** wurde das darauffolgenden Spiel in Hannover abgesagt, da sich Hinweise auf einen Terroranschlag verdichtet hätten. Allmählich kehrte dann wieder Ruhe ein.
Durch die jüngsten Ereignisse (Selbstmordattentate in Istanbul) steht nun die DFB- Führung um die deutsche FrauenNationalmannschaft vor der wichtigen Frage, ob das Länderspiel am 08.April aufgrund der erhöhten Terrorgefahr abgesagt oder ausgetragen werden soll. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die Sicherheit der Spielerinnen und des beteiligten Personals höchste Priorität besitzt. Andererseits sind ökonomisch - pragmatisch- und auch emotionale Aspekte nicht zu vernachlässigen. Angefangen bei einer möglichen Enttäuschung der Zuschauer bei einer Neuansetzung der Partie ( emotional), den damit verbundenen erhöhten Aufwand, neue Tickets auszustellen (ökonomisch) als auch dem Fakt, dass der nationale Ligabetrieb von einer Verschiebung im Programmablauf der Nationalmannschaften nicht unberührt bleibt (pragmatisch). Und man weiß ja, wie angespannt das Verhältnis zwischen den Verbänden und einzelnen Ligamannschaften ist....
Folgerichtig stellt sich die Frage nach dem richtigen Umgang. Vorallem mit den Medien. Denn die Medien wähnen sich durchaus in einer schwierigen Doppelfunktion. Einerseits informieren sie uns über diese schrecklichen Akte postmoderner Kriegsführung, andererseits bieten sie eben jenen Terroristen eine Plattform und schüren auf diese Weise (un-)freiwillig den Konflikt- ein unausweichliches Dilemma? Wäre es im Sinne einer paradoxen Intervention nicht erstrebenswert, dem Terror so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu schenken? Ihn - ja so paradox es klingen mag- als Zeichen unserer größten Achtung zu ignorieren? Schon als kleines Kind bekommen wir von unseren Eltern beigebracht, dass man, falls man gepiesakt oder gemoppt wird, den Übeltätern keine Aufmerksamkeit schenken soll. Weil sie dann allmählich die Lust verlieren, wenn wir uns nicht (mehr) aufregen. Denn sie haben nur Spaß an unserem offensichtlichen Schmerz. Wenn wir den nicht zur Schau stellen, werden die Mobber verunsichert, sehen kein Ergebnis ihres Tuns und wenden sich anderen zu. Ganz getreu dem Sprichwort: Will einer mit dir streiten, setz dich nicht gleich zur Wehr. Verdopple deine Höflichkeit- das kostet nichts und ärgert mehr. Analog verhält es sich im Umgang zu den Terroristen. Wenn wir Ihnen keine ( mediale) mehr Plattform geben und ihnen nicht den Gefallen tun, in Angst und Schrecken versetzt zu werden, ist ihnen ein wichtiger Nährboden ihres Tuns entzogen. Wenn wir aber von unserem alltäglichen Tun ablassen, aus Sorge, dass etwas geschehen könnte, geben wir Ihnen so Macht über uns. Aus diesem Grunde ist es geradezu unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Normalität zu demonstrieren und zu zelebrieren!!! Und darüberhinaus wäre es mal an der Zeit, darüber nachzudenken Meldungen über erfolgte Attentate, nur eine Randnotiz zu schenken: Der ausbleibende Ruhm einerseits und die nicht entstehende Panik im Volk anderseits könnten vielleicht auf wundersame Weise, wenn es auch als eine mediale Illusion erscheinen mag, ein kühlender Tropfen auf die erhitzte Gemüter sein, denn es heißt nicht umsonst: steter Tropfen höhlt den Stein.

Quellenverzeichnis:

http://www.focus.de/sport/fussball/em-2016/em-trotz-anschlaegen-em-quali-spiel-der-dfb-frauen-soll-in-istanbul-stattfinden_id_5381476.html


http://www.kicker.de/news/fussball/nationalelf/startseite/fussball-nationalteams-freundschaftsspiele/2015/6/2856069/spielvorschau_frankreich_deutschland.html

 
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