
Wo beginnt der professionelle Fußball? Tatsächlich erst in der dritten Liga, die von unten nach oben betrachtet offiziell als erste Profi-Spielklasse in Deutschland gilt? Oder doch schon in der Ober- oder Regionalliga?
Nun, vielleicht muss man noch deutlich tiefer gehen - zumindest dann, wenn man professionell vorrangig im Sinne von professionellem Ambiente und Auftreten versteht. In der Stuttgarter Bezirksliga jedenfalls gibt es ein Beispiel, das in den vergangenen Monaten manchen Konkurrenten mit den Ohren schlackern lassen hat. Auf unserem Portal hat der Verein Türkspor Stuttgart fein säuberlich und für jeden zum Mitverfolgen seine planerischen Schritte und Absichten dokumentiert: die Änderung des Vereinsnamens von SV Ümmet in den heutigen, die Visionen der neuen Vorstandschaft, Vertragsunterzeichnungen neuer Spieler und bisheriger. Den vorläufigen Abschluss stellte die Veröffentlichung eines Fotos der Mannschaft dar. Posiert hat die kickende Belegschaft mit der Mercedes-Benz-Arena im Hintergrund.
Der Kader von Türkspor Stuttgart in der Übersicht.
Was die Präsentation anbelangt, hätte das mancher Bundesligist nicht besser hingekriegt. Zugleich ist damit aufgezeigt, was die Stunde in der Staffel geschlagen hat. Der Vorjahresaufsteiger Türkspor sieht die Bezirksliga zumindest mittelfristig lediglich als Zwischenstation. Auch wenn sich die Verantwortlichen vor der anstehenden Saison bei der Zielvorgabe noch in Zurückhaltung üben: Der in Bad Cannstatt ansässige Club will aufsteigen. Einige andere wollen es auch, mitunter mit kaum weniger Macht. 'Die Liga ist deutlich stärker aufgestellt als bisher', konstatiert der Möhringer Trainer Jörg Elser. Um es mit dem Alt-Bundestrainer Berti Vogts zu sagen: 'Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.'
Auf den Tippzetteln führt nach einer Umfrage der Landesliga-Absteiger SV Bonlanden. 13 von den 16 beteiligten Vereinen trauen den Filderstädtern zu, ihr zuletzt sportlich schwärzestes Ergebnis seit Jahrzehnten sogleich wieder zu begradigen - dies allerdings bei möglichen Mehrfachnennungen und mit zwei ebenfalls hoch eingeschätzten virtuellen Verfolgern. Immerhin noch neun Stimmen entfallen auf NAFI Stuttgart, jene Mannschaft, die in der vorigen Runde das Feld lange dominierte - bis die vermeintlich Unaufhaltbaren auf der Zielgeraden überraschend einknickten und dann in der Relegation scheiterten. Auch ohne seinen aus disziplinarischen Gründen ausgemusterten Schützenkönig Adnan Akcan scheint der amtierende Vizemeister gerüstet für den nächsten Anlauf. Dann, mit sieben Nennungen, folgt schon Türkspor.
Darf man den Einschätzungen glauben, steht also ein deutsch-türkischer Dreikampf um den Titel bevor. Vorausgesetzt, dass nicht eines der als Geheimfavorit gehandelten Teams zum Spielverderber wird: wie der zweite bisherige Landesligist, der SC Stammheim. Oder der MTV Stuttgart. Oder der TSV Plattenhardt. Oder der SV Sillenbuch.
Klarheit wird spätestens am 3. Juni 2017 herrschen. An jenem Sonntag endet die Punkterunde. Wie man es bei Türkspor wohl im Netz aufbereiten würde, wenn die eigene Mannschaft dann der große Gewinner sein sollte?