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Donnerstag 17.08.17 20:45 Uhr|Autor: Matthias Kaufhold (BZ)2.380
Einer, der mit seiner Ballbehandlung und Schnelligkeit für den Bahlinger SC den Unterschied ausmachen kann: Angreifer Serhat Ilhan | Foto: Patrick Seeger

Serhat Ilhan: Neue Liebe zum Ball

Serhat Ilhan erlebt beim Bahlinger SC nach überwundener Knieverletzung eine Art Wiedergeburt +++ Am Samstag ist der FC 08 Villingen zu Gast auf der Ponderosa
Eine schwere Knieverletzung drohte die Karriere von Serhat Ilhan zu beenden, nun ist er nach langer Leidenszeit wieder zurück am Ball.

Natürlich ist es Zufall, wenn  sich einer im Hochsommer eine Zitronenlimo bestellt, die eine Horde Wespen umschwirrt, dabei die Ruhe in Person bleibt und dann folgenden Satz fallen lässt: „Wer neue Türen öffnen will, sollte geduldig bleiben und seine Entscheidungen ohne Eile überdenken.“ Serhat Ilhan lässt beim Gespräch das  hibbelige Insektenvolk  kalt, während er seine Limo genießt. Das zweite Leben des Serhat Ilhan schmeckt süß.

Es ist eine Art Wiedergeburt, die der junge Angreifer, der am heutigen Freitag 21 Jahre alt wird,  in der neuen Oberligasaison beim Bahlinger SC erlebt.  Trainer Alfons Higl stuft Ilhan „wie einen Neuzugang“ ein, obwohl er bereits seine dritte Spielzeit am Kaiserstuhl absolviert. Das abgelaufene Jahr entwickelte sich für den gebürtigen Tuttlinger zu einem sportlichen Alptraum, in dem seine Karriere jäh vor dem Ende stand. Ein Mediziner, den Ilhan wegen seines Reizknies konsultierte, riet ihm, mit Fußball aufzuhören.  Eine Welt schien   für ihn zusammenzufallen.

Drei Ärzte, vier Meinungen. Nach weiteren Untersuchungen entschied sich Ilhan, sein rechtes Knie, das wegen eines Meniskusrisses im Juli 2016 erstmals arthroskopisch geglättet wurde, ein zweites Mal operieren zu lassen.   Im vergangenen Februar wurde die nach außen tendierende Kniescheibe gerichtet.  Diesmal zügelte Ilhan seinen Ehrgeiz, möglichst schnell wieder auf dem Feld zu stehen. „Das hatte mich nach der ersten OP  zurückgeworfen“, erkennt er heute.

 Seine Geduld sollte sich auszahlen. Erstmals seit drei Jahren konnte Ilhan eine Saisonvorbereitung beschwerdefrei durchstehen. „Er hat in keiner Einheit gefehlt, sein Körper ist  stabil“, hat Higl festgestellt. Ilhan  spürt, wie  Spritzigkeit,  Beweglichkeit und Ballgefühl zurückkehren. Der Ball ist sein Freund. „Ein bisschen bin ich in den Ball verliebt“, sagt er. „Und laufen kann ich auch.“

Ballverliebtheit und Schnelligkeit – wie durchschlagend diese Komponenten bei Ilhan zusammenfallen, bewies der Flügelflitzer in der Regionalligasaison des BSC.   In 21 Einsätzen erzielte der Jungspund als Zugang fünf Treffer. Das Highlight: zwei Tore  beim legendären 4:1-Erfolg gegen die Offenbacher Kickers. Dabei stand Ilhan erst zum zweiten Mal von Beginn auf dem Feld für die Bahlinger, dessen damaliger Trainer Milorad Pilipovic Mentor und Förderer war. Milo habe immer an ihn geglaubt, sagt Ilhan: „Er hat mich zehn Minuten am Ball gesehen und sofort gesagt, dass er  mich haben will.“

Ein Studium in Furtwangen als zweites Standbein

Dieses Vertrauen gibt ihm auch der heutige Coach Alfons Higl, der Ilhan als „intelligenten Burschen“ beschreibt, der weiß, was er will. „Er muss nur noch effektiver im Abschluss sein und sich mit der letzten Aktion für seine gute Vorbereitung belohnen“, sagt Higl vor dem Heimspiel am Samstag gegen den FC Villingen.

Einer der weiß, was er will. Als Ilhan im vergangenen Winter die Schattenseite des Fußballs kennenlernte, suchte er sich  ein zweites berufliches Standbein:  Er zog nach Furtwangen und schrieb sich an der dortigen Hochschule im Fach Wirtschaftsingenieurwesen ein. Das Bachelor-Studium will er in jedem Fall beenden, und die 40 Kilometer, die er regelmäßig im Auto zum Training nach Bahlingen  zurücklegt,  stören ihn nicht: „Da kann ich gut abschalten.“

Seit Ilhan 17 Jahre alt ist, lebt er seinen Traum in der Fremde. Nach einer halben Saison bei den A-Junioren des SC Freiburg wechselte er wegen der besseren Aussicht auf Spielpraxis zum 1. FC Heidenheim, wo er mit dem A-Junioren  Meister der Oberliga wurde, parallel mit der ersten Mannschaft trainierte und sein Abitur baute. „Das war eine extreme Belastung, sich zwischen den Trainingseinheiten allein zu Hause  hinzusetzen und zu lernen“, sagt Ilhan, der in der Geborgenheit einer Familie mit drei Schwestern aufwuchs. Seine Mutter ist Stammgast auf der Ponderosa, sein Vater, der ihn damals täglich zum Training nach Freiburg fuhr, für ihn ein Vorbild an Selbstdisziplin.

Diesen familiären Zusammenhalt spürt Ilhan auch in Bahlingen, wo er seinen Vertrag bis 2019 verlängerte. Führungskräfte wie Dennis Bührer oder Yannick Häringer hätten ihn nie hängen lassen. „Der Mannschaft will ich jetzt was zurückzugeben“, sagt Ilhan, der seinen türkischen Pass in ein paar Wochen gegen ein deutschen eintauscht. Weil er sich mit diesem Land identifiziert und sich hier nach oben arbeiten will – wenn möglich bis in den Profibereich wie ein  Bahlinger Vorgänger,  Fabian Schleusener, aktuell beim Drittligisten Karlsruher SC.    Auf seiner  Facebook-Seite hat es Ilhan so beschrieben: „Fußball ist für mich eine Leidenschaft, für die es sich lohnt, mehr als alles zu geben, zu weinen, enttäuscht zu sein, schlechte Tage zu haben, aber immer weiterzumachen, um meine Ziele zu erreichen.“


Bahlinger SC - FC 08 Villingen (Sa 15:30)
Das erste Auswärtsspiel führt die Nullachter zum Traditionsderby nach Bahlingen. Trainer Jago Maric geht entspannt an die Aufgabe heran: „Wir sind  klarer Außenseiter. Der BSC ist einer der Topfavoriten auf die Meisterschaft. Daher haben wir nichts zu verlieren.“ An das Wort „verlieren“ verschwenden die Villinger jedoch keine Gedanken. Warum auch? Seit August 2016 sind die Nullachter in  33 Punktspielen in Folge unbesiegt. Das gibt Selbstvertrauen. Die Bahlinger haben mit einem 4:1-Sieg in Weinheim begonnen. Wie  die Mannschaft von  Trainer Alfons Higl mit etlichen erfahrenen und  neuen Akteuren spielt, hat  Maric am 14. Juli beim 0:0 im Testspiel gesehen.
 Mit viel Laufarbeit und taktischer Disziplin  im Mittelfeld haben die Nullachter  den Favoriten Pforzheim in die Knie gezwungen.  „Es wird in Bahlingen sehr schwer, doch unmöglich ist nichts“, sagt der verletzte 08-Kapitän Benedikt Haibt. Die gute Vorbereitung und der enorme Konkurrenzkampf im Kader haben schon im ersten Spiel noch ein paar Prozent mehr aus den Villinger Spielern  herausgekitzelt. Das freut Maric,  „weil die Oberliga verdammt stark, eng und ausgeglichen ist. Das werden wir an jedem Spieltag merken.“ Der 08-Trainer ergänzt: „Die Punkte, die man in der Vorrunde auf dem Konto hat, kann einem keiner mehr nehmen und sie geben Sicherheit für den weiteren Saisonverlauf.“

 
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