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Donnerstag 12.10.17 19:35 Uhr|Autor: Matthias Kaufhold (BZ)2.300
Alles im Griff beim Tabellenführer Bahlinger SC: Dennis Bührer denkt und lenkt vieles am Kaiserstuhl. | Foto: Achim Keller

Dennis Bührer: Ideale Besetzung für die Doppelrolle beim BSC

Der Multitasker fungiert beim Oberligisten Bahlinger SC als Spieler und als Co-Trainer
Die Biegsamkeit von Fußballern im Lendenbereich ist im Vergleich zu Turnern und Balletttänzern, sagen wir es vorsichtig, eher unterentwickelt. Dennis Bührer macht da keine Ausnahme. Und doch ist der Spagat, den der 34-jährige Ex-Profi aus Ottoschwanden seit geraumer Zeit beim Oberligisten Bahlinger SC hinlegt, fast schon so formvollendet wie ein Grätschsprung  von Rudolf Nurejew im Ballettklassiker Nussknacker. „Geradezu bewundernswert“ findet es Trainer Alfons Higl, wie Bührer das alles unter einen Hut bekommt: Übungsleiter und Taktgeber als Higls Assistent im Trainingsalltag, zweikampfstarker und passsicherer Leithammel auf dem Feld als linker Außenverteidiger, Neu-Lehrer an der Kastelbergschule in Waldkirch. Und nicht zuletzt: Ehemann und Vater von zwei Töchtern (3 und 8 Jahre) in Bahlingen.

Bührer hat es so gewollt. Und er empfindet sein aktuelles Multitasker-Dasein fast schon als Entspannung, seit er im vergangenen Frühjahr seine Lehrprobe als Referendar bestanden hat. „Da hatte ich wirklich Druck“, sagt er. „Jetzt lassen sich Schule und Fußball viel besser vereinen.“ Dabei betrat  Bührer  zu Beginn dieser Saison mit dem Posten des Co-Trainers in seinem siebten Jahr am Kaiserstuhl Neuland  – auch aus eigenem Antrieb. „Ich brauchte eine neue Herausforderung und wollte mich weiterentwickeln“, sagt er. Stillstand bedeutet Rückschritt. Und Bührer merkt, wie ihm der neue Job beim BSC auch sportlich wieder einen  Schub gegeben hat, obwohl er nun das Aufwärmen und einige Balleinheiten von außen anleiten muss. „Vielleicht tut mir das in meinem Alter auch ganz gut“, scherzt er.  

Selten hat eine Personalentscheidung bei den Kaiserstühlern so einhellig Applaus gefunden wie die neue Doppelrolle für Bührer. Higl spricht von einem „absoluten Glücksfall“. Bührer sei als Führungsspieler in der Mannschaft durchgehend akzeptiert, „seine Leistung auf dem Platz ist beständig und er besitzt eine gute Sprachkompetenz“, lobt Higl seinen aktiven Assistenten. Für den sportlichen Leiter August Zügel steht außer Frage, dass sich das Dreigestirn Higl, Bührer und Teammanager Bernhard Wiesler ideal ergänzt: „Die machen das richtig toll.“


Und von wegen Stand-by-Kraft. Aus der Mannschaft ist Bührer seit der 0:3-Heimniederlage gegen den FC 08 Villingen und der Verletzung von Marco Waldraff  kaum wegzudenken. Wortführer, Antreiber und Korrektiv im Spielgefüge – „er hat mit seiner Mentalität Stabilität reingebracht“, stellt  Higl fest. „Ein Dennis Bührer ist zu gut, um Notnagel zu sein“, unterstreicht Zügel. Bührer selbst hält sich für weitaus verzichtbarer: „Sobald Marco wieder fit ist, stelle ich mich hinten an“, versichert er. Er verspüre weder Druck noch Drang, unbedingt auf dem Feld zu stehen: „Ich werde mich so einbringen, dass die Mannschaft Erfolg hat. Sie steht über allem.“


Überhaupt sieht er seine eigene Leistung kritisch: Auch er habe in den letzten zwei, drei Spielen nicht gut gespielt, auch er musste nach dem Pokal-Aus in Offenburg erst in sich gehen mit dem Vorsatz, in der Liga zügig wieder die Kurve zu kriegen. Tabellenführer? Das interessiert ihn nicht, jetzt nicht. „Der Sieg in Pforzheim hilft nur, wenn wir am Samstag  zu Hause gegen Oberachern nachlegen“, sagt er. Dass hier einer sein Ego am Stadiontor abgibt, ist wohl mehr als Attitüde. Bührer dachte schon in kollegialen Kategorien, als er 2011 nach dem Zweitliga-Aufstieg mit Dynamo Dresden trotz Angeboten anderer Drittligisten nach Südbaden zurückkehrte. Seine Frau Lisa, eine Endingerin und ebenfalls Pädagogin, stand vor ihrem  Referendariat. Und auch er hatte die Zukunft im Blick: „Je länger du im höheren Fußball  drin bist, desto schwieriger wird es, noch mal zu studieren.“


Gesagt, getan. In Bahlingen fand er sportlich wie privat eine Heimat, die ihm parallel an der Pädagogischen Hochschule Freiburg den Weg in den Lehrerberuf ermöglichte. „Ich hab’s gehofft, ich hab’s gefunden“, sagt er kurz und knapp. Scheinbar erfüllt sich vieles, was Dennis Bührer sich in den Kopf setzt. „Er ist kein Typ, der einfach mitschwimmt“, steht für Higl fest, „er ist ein Macher“. Und ein Mann mit einem Plan. Es wäre nicht verwunderlich, wenn einer mit der Erfahrung von zehn Ausbildungsjahren beim SC Freiburg und weiteren Profistationen in Siegen, Essen und Dresden eines nicht allzu fernen Tages  endgültig die Schwelle zum verantwortlichen Trainer übertritt. Dennis Bührer will am Ende der Saison Bilanz ziehen: „Ich werde das Jahr Revue passieren lassen und dann sehen, ob mich das reizt, Trainer.“ Mal ehrlich. Hat da einer Zweifel?

 
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