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Mittwoch 25.01.17 15:37 Uhr|Autor: Romina Burgheim90
WM-Wahnsinn
oder: über die Sinnlosigkeit von vermeintlichen Innovationen
Höher, schneller, weiter! Dieser bekannte Dreisatz, der auf einfache und doch komplexe Weise die zentralen Tugenden des sportlichen Wettkampfs subsumiert, hat seinen Reiz und birgt zugleich Risiken. Reiz deswegen, weil in ihm der Anspruch, die Leistungen auf ein Höchstmaß zu trimmen, verewigt ist - sei es quasi als unausgesprochener Handlungs-Imperativ, als elliptischer Konjunktiv  oder als performativer Akt, welches sich die Sportler zur Motivation vor dem inneren Auge führen: Denn nur, wer an bzw. über seine Grenzen geht, hat die Chance am Ende zu gewinnen.

Reiz auch aus dem Grunde,  da der sportliche Wettkampf durch eine stetige Verbesserung des Leistungspotentials der Athleten für den Betrachter an Attraktivität gewinnt. Bestmarken knacken und demzufolge neue Rekorde aufstellen, ist nur möglich, wenn die alten eingestellt werden. Um dies zu generieren, arbeiten Experten in allen Leistungs- und Wettkampfklassen und Sportarten stetig an innovativen Konzepten, Trainings- und Ernährungsmethoden, die auch Änderungen am Material miteinschließen.

Dass bei diesem ganzen Wettrüsten die Moral manchmal auf der Strecke bleibt, haben diverse Skandale wie im Radsport und in der Leichtathletik, aber auch im Turnen gezeigt (Stichwort Doping) - das sind die berühmten Risiken, die mit diesem entwickelten Sportethos einhergehen.

Eine Jagd nach neuen Bestmarken im Versuch, neue (Einnahme?) Rekorde zu verzeichnen, scheint die FIFA nun erneut zu unternehmen, die für die WM 2026 tiefgreifende Veränderungen vornimmt.

Statt bisher 32 teilnehmenden Mannschaften soll das Teilnehmerfeld um 50% aufgestockt werden: auf sage und schreibe 48 Teams. Profitieren von dieser numerellen Innovation sollen vor allem die afrikanischen und asiatischen Konföderationen, die statt bisher  fünf bzw. vier Komma fünf Plätze nun jeweils vier Länder mehr ins Rennen schicken dürfen. Nord/Mittelamerika dürfte die Zahl der teilnehmenden Länder auch nahezu verdoppeln ( 3.5--> 6.5), während in Europa Länder wie Niederlande oder Ungarn wieder davon träumen dürfen, den Kampf um den begehrten goldenen Pokal aufzunehmen (sie bekommen 16 statt wie bisher 13 Startplätze zugewiesen).

Neben dem höchst fragwürdigen Verteilungsschlüssel, der in sich diskussionswürdig ist und hochgradige (unfaire) Inkonsequenzen aufweist  (wieso werden einem Kontinent wie Europa 16 Startplätze zugestanden, einem Kontinent wie Afrika, der x-mal grösser ist, "nur"  8,5? Ganz zu schweigen vom Riesenkontinent Asien ist doch die eigentliche Motivation dieser Reformierung fraglich. Dass die FIFA sich nicht als  (sportlicher) Heilsbringer und Bund der selbstlosen Samariter versteht, steht außer Frage - spätestens jedoch nach dem Korruptions-Skandal um Joseph Blatter und anderen Vorstandsmitgliedern.

Und welchen Vorteil brächte diese geplante Aufstockung? No-Name-Länder, die Davids des Fußball wie San Marino, Panama oder Lichtenstein hätten nun die einmalige Gelegenheit ihren Stempel auf dem Fußball-Globus zu hinterlassen.

Ein Traum! Ein schöner Traum, wenn man davon ausgehen mag, dass die Auslosung etc..mit rechten Dingen zugeht - ganz im Sinne der adidas'schen wirksamen Marketing-Maxime "impossible is nothing". Kritiker dieser Neuausrichtung, wie Joachim Löw, hingegen glauben nicht an diesen beflügelnden Effekt - sie befürchten eher einen Abfall der Qualität - der letztlich auch zu weniger Attraktivität auf allen Seiten führt. Denkt man nur an die empörten Aussagen Thomas Müllers nach dem freundschaftlichen Vergleich gegen San Marino  - die durchaus ihre Berechtigung hatten. Solche Szenarien wären dann einerseits keine Seltenheit. Und sollten sich nicht andererseits schließlich auch die Besten der Welt miteinander messen?

Aber nun gut - die qualitativen Ungleichheiten im Leistungsniveau zwischen den einzelnen Verbänden ist die eine Sache (und darf und kann nicht zum Nachteil dieser beteiligten Länder gehen) - die finanzielle Ungleichheit ist die andere. Die Frage ist ja - zu welch einem Preis soll das durchaus lobenswerte Vorhaben einer gleich(mäßig verteilt)en Teilhabe am größten und bedeutsamsten Fußballturnier der Welt stattfinden? Nicht nur, dass mit dem aufgestockten Teilnehmerfeld logistische, organisatorische und zeitlich wesentlich aufwendigere Ressourcen nötig werden, wie sollen sich die kleinen Länder überhaupt die Teilnahme an der WM leisten können? Angefangen von den Anreisekosten über die Art und Weise der Überbringung?

Das ist wahrscheinlich ein Desiderat, was schon jetzt besteht und den Anspruch einer Chancengleichheit im Nu verfliegen lässt, würde sich aber mit diesen Neuerungen drastisch verschärfen. Wozu dann das ganze?

Diese und andere ungeklärten Fragen um Fairness, Chancengleichheit und Sinnhaftigkeit werfen letztlich einen sehr großen Schatten auf die WM-Zukunft. Und ganz nebenbei würde der eingangs zitierte Slogan an Gültigkeit verlieren und sich quasi in sein Gegenteil umkehren.

Niedriger, kürzer und langsamer. Können wir das wollen?

Bildquelle: http://images.google.de/imgres?imgurl=https3A%2F2Frpmedia.radiopilatus.ch%2Fmedia%2F1%2F199273_11-01-2017_08-33-19_large.png&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.radiopilatus.ch%2Fartikel%2F145131%2Fwm2026-das-web-macht-sich-lustig&h=496&w=572&tbnid=7XLgzP73LtXcnM%3A&vet=1&docid=XteKFJvgUtIc8M&ei=t7iIWOODLIHZsgG9yoWYDg&tbm=isch&client=firefox-b&iact=rc&uact=3&dur=2135&page=5&start=173&ndsp=38&ved=0ahUKEwiju8Wkw93RAhWBrCwKHT1lAeM4yAEQMwgOKAkwCQ&bih=868&biw=1920

 

 

 
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