
gehörte die SpVgg-Truppe der Landesliga an, ehe man 2006 den bitteren Abstieg verkraften musste. In der damals 20 Clubs starken Spielklasse musste man in die Relegationsrunde und scheiterte. Doch der "Betriebsunfall" wurde schnell repariert und unter Richard Maierhofer, mittlerweile Spielertrainer des Gäubodenteams, schaffte man den sofortigen Wiederaufstieg. Auch eine Liga höher lief es anfangs glänzend, nach einer starken Herbstrunde war man im Tabellenmittelfeld platziert. Doch dann kam das "schwarze Jahr" 2008. Nach einer katastrophalen Rückrunde stieg man noch ab und auch in der Bezirksoberliga kam die hoch gehandelte SpVgg nicht in die Gänge, nach einem mäßigen Saisonstart erklärte dann auch Richard Maierhofer seinen Rücktritt und stellte sein Traineramt zur Verfügung.
Doch Maierhofer blieb den Verein weiter erhalten und wurde als sportlicher Leiter installiert. In Hankofen geht es nämlich noch etwas "familärer" als in anderen Vereinen zu, Walter Brunner, Manager und Macher der Hankofener Fußballer, ist nämlich Maierhofers Schwiegervater. Gemeinsam machte man sich auf die Trainersuche und wurde schnell fündig. "Mein ehemaliger Plattlinger Mitspieler Franz Troffer hat mir Sepp Beller wärmstens empfohlen", erinnert sich Maierhofer. Prompt wurde der Kontakt zum erfahrenen Übungsleiter hergestellt und nach einigen Gesprächen erklärte sich der seinerzeit vereinslose Sportlehrer bereit den Posten zu übernehmen. Doch Beller musste schnell feststellen, dass die Lage schwieriger war, als viele dachten. Einige Leistungsträger agierten unter ihren Möglichkeiten, andere waren schon über ihren sportlichen Zenit hinweg. Mit Mühe und Not schaffte man den Klassenerhalt, der enttäuschende elfte Rang stand letztendlich zu Buche.
Man entschied sich einen radikalen Schnitt zu machen, etablierte und namhafte Spieler wurden aussortiert und man holte junge Spieler aus der Region. "Wir mussten etwas änderen", blickt Ex-Profi Beller zurück, der von der Vereinsseite volle Unterstützung für dieses Vorhaben erhielt. Junge, hungrige Kicker wie Johannes Sammer, Markus Rainer, Matthias Reichl, Tobias Richter, Michael Renner, Michael Sperl und Lukas Reif wurden geholt und entwickelten sich sagenhaft. "Wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir Meister werden, dann hätten wir diese Person wohl für verrückt erklärt", meint Maierhofer schmunzelnd. Doch die Mannschaft um Kapitän Jens Schilling spielte eine bärenstarke Runde, begeisterte mit tollen Offensivfußball und man wurde mit sieben Punkten Vorsprung in souveräner Art und Weise Meister.
"Ich habe es in 25 Trainerjahren noch nicht erlebt, dass man mit den Neuverpflichtungen solch ein Glück haben kann. Sportlich und charakterlich haben uns diese Spieler enorm vorangebracht. Das komplette Team hat sehr hart gearbeitet und sich mit großen Ehrgeiz die Meisterschaft in der Bezirksoberliga verdient", analysiert Beller, der schon so renomierte Clubs wie den SSV Jahn Regensburg, den 1.FC Kötzting, die SpVgg Landshut und den ASV Cham betreute, den grandiosen Saisonverlauf. Doch auch in der Landesliga wollte man den eingeschlagenen Weg beibehalten, man verzichtete auf namhafte Zugänge und holte wieder drei junge Talente.
"Das ist unsere Philosophie und die wollen wir auch in Zukunf beibehalten", betont Maierhofer, der zusammen mit Übungsleiter Beller für die Kaderzusammenstellung verantwotlich. Auch in der neuen Umgebung fanden sich Putz,Bermann & Co schnell zurecht, nach elf Spieltagen kann man schon 18 Punkte vorweisen und ist aktuell Tabellenvierter. "Das ist eine schöne Momentaufnahme", freut sich Sepp Beller, der aber weiß, dass es in der Landesliga schnell gehen kann. "Wir haben noch nicht einmal ein Drittel der Spiele absolviert, aber die Punkte nimmt uns keiner mehr. Die Mannschaft kann nun etwas befreiter aufspielen, denn selbst wenn wir mal ein, zwei Spiele verlieren, haben wir immer noch ein paar Zähler Abstand zu der hinteren Region". Eine Tatsache freut den ehrgeizigen Chefanweiser, der auf ein Spielsystem mit drei Angreifern setzt, ganz besonders: "Wir waren bisher mit jedem Gegner auf Augenhöhe, das spricht für die Entwicklung der gesamten Mannschaft".
Diese geht stetig weiter, wobei Teammanager Maierhofer hinzufügt, "dass dies auch so sein muss, denn sonst bekommen wir in der Landesliga Probleme". Doch die junge SpVgg-Truppe (Durchschnittsalter 22,78 Jahre) scheint sehr gefestigt zu sein, denn man man konnte auch das verletzungsbedinget Fehlen von renomierten Kräften wie Jaroslav Linhart und Dusan Ostojic mehr als gut kompensieren. "Gerade nach Linharts Ausfall war ich sehr skeptisch, denn er hat letzte Saison eine überragende Runde gespielt. Aber da sieht man auch, dass dann andere Spieler überdurchschnittliche Leistungen bringen können, wenn ich mir Denis Abb ansehe, ist er dafür das beste Beispiel. Früher mal ein gutes, mal ein schlechtes Spiel und auf einmal bringt er konstant gute Leistungen, sowas freut einen Trainer", bekräftigt der 56-jährige Berufsschullehrer.
Dennoch bleibt man in Hankofen auf den Boden. Beller und Maierhofer sind sich einig, dass der Klassenerhalt oberste Priorität hat und andere Ziele unrealistisch wären, auch wenn der ehemalige Spielgestalter sich mittelfristig in der Landesliga etablieren will. Am Freitag (17.30Uhr) steht nun erst einmal das Derby bei der SpVgg-GW Deggendorf, wo die Trainerlaufbahn von Beller begonnen hat, an. Gegen den ehemaligen Club von Hankofens Neuerwerbung Sepp Holler, dem Beller als "absoluten Glücksgriff" bezeichnet, erwartet man ein spannendes Duell. "Das wird bestimmt eine ganz reizvolle Aufgabe, die wir auf keinen Fall verlieren wolllen. Die Spieler kennen sich untereinander gut, Deggendorf steht schon etwas unter Zugzwang. Ich hoffe auch auf eine gute Kulisse, dann dürfte einem schönen Fußballspiel nichts im Wege steht" blickt der Mariaposchinger voraus.