
Lesen Sie im dritten und letzten Teil unseres ausführlichen Jahresrückblicks über das Landesliga-Spitzenteam aus dem Passauer Westen, warum Schalding nach dem missglückten Bayernliga-Kapitel nun wieder zum alten "SV-Schalding-Weg" zurückgekehrt ist und wie der SVS mit dem Thema Regionalliga Bayern umgeht. FuPa lässt das Spieljahr 2011 im großen Jahres-Interview mit Schaldings Abteilungsleiter Markus Clemens, Trainer Mario Tanzer und den beiden Kapitänen Josef Eibl und Josef Krieg Revue passieren. Zum Nachhören gibt's Teil drei des Interviews auch als Audio-Stream.
Nach dem tollen Saisonstart hattet ihr zuletzt einen kleineren Durchhänger und seid vorm Winter noch auf den dritten Rang abgerutscht. Die zweite Halbzeit gegen Erlangen-Bruck II war äußerst schwach. Waren zuletzt gewisse Ermüdungserscheinungen in der Mannschaft feststellbar?
Markus Clemens (37): Überhaupt nicht. Die Mannschaft hat sich in regelmäßigen Abständen mit ihrer Fitness auseinandergesetzt. Mario hat da einen ganz interessanten Test, den die Mannschaft von Zeit zu Zeit macht. Der hat immer wieder bestätigt, dass die Mannschaft bis zuletzt topfit war. Das waren keine Ermüdungserscheinungen. Das waren Spiele, die einfach nicht so für uns gelaufen sind. Wenn wir gegen Erlangen-Bruck mit 1:0 oder 2:0 in Führung gehen, gewinnen wir das Spiel ganz klar und dann redet keiner von der zweiten Halbzeit. Das Spiel gegen Erlangen-Bruck haben Nuancen gegen uns entschieden. Bei der Unentschiedenserie zuvor haben wir einfach mal eine schlechte Phase erwischt. Im Oktober haben wir schlecht Fußball gespielt. Das hatte aber nichts mit der körperlichen Situation unserer Spieler zu tun. Im Gegenteil: Ich glaube, die war selten so gut wie aktuell. Das merkt man auch an den wenigen Verletzungen während der gesamten Hinrunde. Auch das zeugt davon, dass die Mannschaft in einem guten Zustand ist.
Dennoch habt ihr zu Saisonbeginn viele "englische Wochen" in Liga und Pokal absolvieren müssen. Waren nach so vielen Spielen in den Knochen zum Schluss kleinere Motivationsprobleme in der Mannschaft zu erkennen, oder kann man das ganz ausblenden?
Josef Eibl (25): Ich persönlich hab das schon ganz ausblenden können. Wir haben ja zuletzt auch zweimal mit 7:0 gewonnen. Klar, wir haben das letzte Spiel verloren und jetzt wären alle nochmal so richtig motiviert, diese Niederlage auszumerzen. Zu Saisonbeginn hatten wir ja die vielen englischen Wochen. Sechs Wochen hintereinander im Mittwoch-Samstag-Rythmus waren schon kräftezehrend. Aber jetzt zum Schluss der Herbstserie hat's keine Probleme gegeben.
Ist Rang drei zum Jahresschluss dann doch nochmal ein kleiner Makel in der Jahresbilanz 2011?
Mario Tanzer (36): Vorerst ist Platz drei schon ein kleiner Makel. Aber so tragisch ist das auch wieder nicht. Landshut ist noch spielfrei und in 14 Spielen kann sich nach dem Winter noch viel verändern, zum Positiven wie zum Negativen. Wir haben noch genügend Möglichkeiten ganz nach vorne zu kommen. Gerade nach dem Winter- und nach dem Sommertrainingslager hat man gemerkt: da wächst was zusammen. Die Spieler haben sich gefunden und bilden jetzt wieder eine stimmige und homogene Einheit. Das ist unser großes Plus, um nach dem Winter nochmal richtig Gas zu geben. Da haben wir noch genügend Spiele, die dann reichen müssen.
Und diese homogene Einheit braucht man nicht mit zusätzlichen Spielern bestücken in der Winterpause?
Mario Tanzer: Nein, weil's dafür keinen Anlass gibt, nur weil uns jetzt ein Spieler verlassen hat. Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere zweite Mannschaft in der Bezirksliga Tabellenführer ist. Was möchten wir mehr? Die erste Mannschaft ist ganz vorne in der Landesliga. Die Zweite spielt in der Bezirksliga ganz vorne. Und ich glaube nicht, dass das Umfeld so viele gute Spieler für uns hergibt, die wir nicht ohnehin schon in den eigenen Reihen haben.
Ihr habt einen Punkt Rückstand auf die beiden Regionalliga-Relegationsplätze und 13 Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Bayernliga-Direktqualiplatz. Wohin geht die Reise für den SVS: Bayernliga oder Regionalliga?
Markus Clemens: Schwer zu sagen. Wir haben ja als grundsätzliches Saisonziel die Qualifikation für die neue zweigleisige Bayernliga ausgegeben. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Wir haben aktuell 13 Punkte Vorsprung auf den ersten Nichtqualifikationsplatz. Das ist schon mal eine schöne Hausnummer, die uns in dem Glauben bestärkt die Bayernliga-Direktqualifikation zu schaffen. Wir im Verein, allen voran die Vorstandschaft und die Verantwortlichen in der sportlichen Leitung, trauen der Mannschaft auch zu am Ende des Tages unter den ersten Zwei zu stehen. Deshalb werden wir uns auch mit den Regularien und dem Regionalliga-Lizenzierungsverfahren auseinandersetzen in der Winterpause.
In der Bayernliga hat man sich in der Vorsaison sehr schwer getan. Wie stark müsste die Mannschaft umgebaut werden, um einen neuen Anlauf in der Regionalliga sportlich zu überstehen?
Mario Tanzer: Aktuell sind wir sehr zufrieden wie die Mannschaft zusammengestellt ist. Wir wollen die Regionalliga erreichen. Aber wenn du Erster oder Zweiter wirst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du in den zwei Relegationsrunden durchmarschierst bei 10 bis 15 Prozent. Die Bayernligisten zwischen Platz 10 und 15 sind ja auch nicht gerade Fallobst, gegen das man im Vorbeigehen gewinnt und dann ist man durch. Du musst dich ja gegen zwei solcher Teams durchsetzen. Sollte uns das gelingen, dann stellen wir uns der neuen Herausforderung. Dann würden wir dieser Mannschaft aber auch in der Regionalliga das Vertrauen schenken. Den einen oder anderen Spieler wirst du sicher dazunehmen müssen, aber vor der gleichen Situation stehen wir in der neuen Bayernliga. Wenn man in eine neue Saison geht, will man immer ein, zwei neue Spieler holen, die einem gut zu Gesicht stehen. Da lügt jeder, der das Gegenteil behauptet. Jeder bei uns im Team hat das Ziel, zumindest die Bayernliga zu schaffen. Da sind wir ja auf einem guten Weg.
Nach dem Abstieg aus der Bayernliga spielt ihr in der Landesliga auf Anhieb wieder oben mit. Wie schätzt du die Qualität der Landesliga-Teams im Vergleich zu den Bayernliga-Mannschaften ein?
Josef Krieg (26): Es ist in jedem Fall ein Qualitätsunterschied erkennbar. Aber den gibt's immer zwischen zwei Liga-Ebenen. In der Bayernliga haben wir uns mit keinem Gegner "gespielt". Da war's eher andersrum. Da sind wir hinten dran gestanden. Es ist auch wieder mal ein schönes Gefühl, Spiele klar für uns zu entscheiden. Ich glaube, wenn wir mit dieser Mannschaft aufsteigen, können wir in der höheren Liga auch eine gute Rolle spielen.
Nach dem Bayernliga-Abstieg habt ihr das Monopol die Nummer eins in Niederbayern zu sein wieder verloren. Will man als SV Schalding mittelfristig wieder in diese Rolle schlüpfen?
Markus Clemens: Wieder die Nummer eins sein zu wollen, wäre eine sehr hypothetische Aussage. Wir sind als Ganzes sehr gut aufgestellt. Dazu gehört nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch der Gesamtverein und die Jugendarbeit. Wir haben's geschafft, mit der A- und B-Jugend in der Bezirksoberliga zu spielen. Unsere zweite Mannschaft ist in der Bezirksliga vorne dabei. Und wir haben eine sehr schmucke Sportanlage. Das sind alles Bausteine, die für uns sehr wichtig sind und unsere Zukunft absichern. Das war uns in der Vergangenheit immer sehr wichtig. Und auf diese Punkte werden wir auch in Zukunft großen Wert legen.
Und mit denen man einen zweiten Anlauf in der höchsten bayerischen Spielklasse starten könnte!?
Markus Clemens: Fakt ist, wir haben bei unserem ersten Anlauf das Thema Bayernliga ein bisschen überschätzt. Wir haben geglaubt, wir brauchen Spieler, die aus anderen Sphären zu uns kommen. Da sind wir eines Besseren belehrt worden. Deswegen sind wir wieder zurückgekehrt zum alten SV Schalding-Weg. Dem werden wir auch in Zukunft treu bleiben. Egal in welcher Liga wir spielen. Da stehen auch unsere Burschen dahinter. Wir sind Schalding und wir bleiben Schalding! Das ist uns ganz wichtig.
Das große Jahres-Interview - Teil 3 - als Audio-Stream: