
Und sollte der FC Kickers Würzburg den angestrebten Aufstieg in die Dritte Liga nicht schaffen, wird aus der bisher 18 Mannschaften umfassenden Regionalliga Bayern eine Spielklasse mit 19 Teams und dementsprechend mehr Absteigern. Doch zunächst steht einmal die Rückschau an: Christoph Starke nahm sich kurz vor seinem Urlaub die Zeit, seine Spieler in die Einzelkritik zu nehmen. Und sein Fazit fiel durchweg positiv aus. „Auf dem Erfolg darf sich aber keiner ausruhen. Sonst gibt es Ärger.“
Die Torhüter:
Sponsel klar die Nummer 1
Unbestritten die Nummer eins zwischen den Pfosten ist Andreas Sponsel: Der drittliga-erfahrene 29-Jährige bestritt nach seinem in der Vorbereitung erlittenen Jochbeinbruch 30 der 34 Ligaspiele und avancierte zu dem Rückhalt, den man sich von ihm erwartete. Kurzfristig verpflichtet wurde der 23-jährige Erik Arkenberg. „Er hatte allerdings auch das Pech, dass er sich verletzte. Aber auch auf unseren dritten Torwart Daniel Freiberger kann man sich stets verlassen“, sagt Starke, der von seinen Torleuten eine hohe Meinung hat. „Da sind wir erstklassig besetzt.“ Sicherlich auch ein Verdienst von Torwart-Trainer Matthias Kellner.
Die Abwehr:
Zwei große Gewinner
Die großen Gewinner in diesem Mannschaftsbereich sind nach Starkes Meinung Bastian Horter (22) und Simon Ruß (20). Letzteren bezeichnet der 50-Jährige gar als „absolute Verstärkung und die Überraschung im Kader“. Der Ex-Memmelsdorfer agierte bis zu seinem Kreuzbandriss aus dem Vorbereitungsspiel in Weiden Ende Februar immer auf hohem Niveau, „und er steht erst am Anfang seiner Entwicklung“. Gleiches gilt für das Altstädter Eigengewächs Horter, der nach Starkes Ansicht „große Fortschritte“ gemacht hat und mit gehörigem Engagement zu Werke geht: „Was ihm fehlt, ist noch der Feinschliff, aber dazu ist da das Trainerteam auch da.“ Auch richtig gut in Schuss war Philipp Hannemann, bis ihn eine Verletzung wieder zurück warf. „Er ist ein schöner Krieger“, sagt Starke über den 23-jährigen Blondschopf, „und eine echte Type. Und Bayreuther.“ Allerdings muss „Hanne“ noch ein wenig an seinem Übereifer arbeiten. Die gilt gleichermaßen für Michael Eckert, der in fast jeder Partie gelbgefährdet und noch mehr ist. „Er ist unser Urgestein, doch muss er wirklich an seiner Disziplin arbeiten“, kritisiert Starke den 25-Jährigen.
Als einen „positiv Verrückten“ bezeichnet Starke seinen Leitwolf im Abwehrverbund, Florian Ascherl. „Den haben wir nicht umsonst zum Kapitän gemacht. Florian kann ich nachts um drei wecken und er steht auf dem Platz“ 27 Spiele bestritt der 33-Jährige, fehlte zweimal wegen Sperren. Doch es sprach für die Ausgeglichenheit des Altstädter Kaders, dass auch er adäquat ersetzt werden konnte. Zum Beispiel durch Mario Zitzmann, der eine bärenstarke Rückrunde hinlegte. „Und seinen Stammplatz hat er sich erarbeitet“, lobt Starke den 24-Jährigen Schlacks. „Seine Bewegungen sehen zwar ab und zu komisch aus, doch ist er technisch und taktisch gut und einer, der unsere Qualität im hinteren Bereich ausmacht“, sagt sein Coach: „Für mich ein weiterer Gewinner der Saison.“ Daniel Gareis (29) kam im Winter von der SpVgg Bayern Hof. „Ich bin froh, dass wir ihn geholt haben“, sagt der Coach. „Er ist der Allrounder, den wir in diesem Bereich brauchen.“ Lobende Worte fand Starke auch für Chris Wolf (24), der im April 2014 vom SV Elversberg zu den Altstädtern gestoßen war. Den gebürtigen Bayreuther kann Starke überall hinstellen. „Und er hat das alles ohne Murren hingenommen“, so der Übungsleiter. „Chris spielt immer gut, er ist ein echter Allrounder. Aber er kann noch besser spielen. Das werden wir in der nächsten Saison schon noch aus ihm heraus kitzeln. Und er muss im Abschluss zielstrebiger werden.“
Mit Michele Rinchiuso (29) und Miroljub Zivkovic (21) gibt es allerdings auch zwei Verlierer im Abwehrbereich: Rinchiuso, der wie Zivkovic den Verein verlässt, konnte seine berufliche Karriere nicht mit seinen sportlichen Zielen in Einklang bringen und kam nach der Winterpause nur noch sporadisch zum Einsatz. Und Zivkovic, der nur zwei Partien bestritt, wurde durch seinen Knorpelschaden völlig aus dem Gleis geworfen.
Für seinen Trainer ist Kristian Böhnlein der "Spieler des Jahres". F: Mularczyk
Das Mittelfeld:
Kandidat für Spieler des Jahres
„Er wäre ein Kandidat für die Auszeichnung Spieler des Jahres“. Christoph Starke spricht von Kristian Böhnlein, der vor der Saison vom VfL Frohnlach kam und sich vor allem unter der Ägide des Bambergers zu einer absoluten Stütze des Teams entwickelt hat. „Böhni ist aus dem zentralen Mittelfeld nicht mehr wegzudenken und hat sich enorm gesteigert.“ Was vielleicht auch an der langen Leine lag, die Starke dem 25-Jährigen gewährte: „Er muss sich wohl fühlen, dann ruft er auch seine Topleistungen ab.“
Ein weiterer Akteur mit gehörigem Potenzial ist Marius Strangl, wie Böhnlein zu Saisonbeginn gekommen und in der vergangenen Spielzeit bei Rot-Weiß Erfurt in der Dritten Liga tätig. „Unser Pfeil“, tituliert Strangl den schnellen 24-Jährigen, dem er noch viel mehr zutraut. „Wir müssen noch ein wenig an ihm feilen, dann werden wir mal viel Freude an ihm haben.“
Das verspricht sich die Altstädter Trainerstab auch von den beiden 18-jährigen Youngsters Mikel Seiter im defensiven und Felix Strößner im offensiven Bereich. „Beide stehen bei uns jetzt seit November im Kader und haben sich gut eingefügt. Mittelfristig sind die beiden echte Alternativen. Aber den beiden muss klar sein, dass es noch ein langer Weg sein wird.“
Wie im Defensivbereich gab es aber auch Verlierer und Pechvögel. Allen voran Matthias Heckenberger (32) und Mino Kayser (23). Routinier Heckenberger lieferte anfangs mehrere Beweise seiner Qualität ab, doch dann warfen ihn diverse Verletzungen weit zurück. Auch Mino Kayser zeigte seine Klasse, doch fehlte ihm ein wenig die Athletik. „Er muss an seiner Fitness arbeiten, dann wird er wieder ein Thema. Aber das macht er ja bereits.“
Eduard Root (23) hatte das Pech, dass, wie Starke sagt, „ich immer nur elf spielen lassen kann“, und dass seine Mitspieler immer einen Tick stärker waren. Gleiches gilt für Brian Gallo (20), der vor der Saison aus Unterhaching auf die Jakobshöhe kam. „Beide sollten beispielsweise in der Bayernliga noch einmal einen Angriff wagen“, rät Starke. „Manchmal ist ein Schritt zurück auch einer nach vorne.“ Der lange verletzte Alexander Schreckinger kam gerade einmal zu zwei Einsätzen, und auch für den 30-Jährigen war die Konkurrenz zu stark. Bei Timothy Nicolaus (25) merkte man deutlich, dass für ihn sein halbjähriges Praktikum in Stuttgart sportlich nicht gerade förderlich war.
Der Angriff:
Zuckerbrot und Peitsche
„Zweifellos hat er von allen meinen Spielern das größte Potenzial – nur macht er zu wenig daraus.“ Starke verteilt Zuckerbrot und Peitsche an Stefan Kolb, seine Hoffnung im Angriff. „Im athletischen Bereich muss er an sich arbeiten und er muss auch noch laufen lernen“, sagt Starke über den 24-Jährigen, von dem er hofft, dass er den Stürmer noch in körperliche Top-Verfassung bringen kann. „Es muss ja seinen Grund gehabt haben, warum er in Jena und in Fürth gespielt hat.“ Freilich räumt Starke auch ein, dass Kolb, der in der abgelaufenen Saison in Punktspielen dreimal traf, auch von Verletzungen nicht verschont blieb und lange nicht in die Spur kam. Unter anderem zog auch er sich – wie Torhüter Sponsel – in der Vorbereitung einen Jochbeinbruch zu.
„Ein absoluter Leistungsträger“, das ist für Starke Tobias Ulbricht auf und neben dem Spielfeld. Der 30-Jährige reißt seine Mitspieler durch seine Art immer wieder mit. „Nur muss er noch an seiner Torgefährlichkeit arbeiten“, hofft der Coach darauf, dass „Ulle“ in der nächsten Serie mehr als nur fünfmal trifft. „Eigentlich müsste ihn Dominik Stolz mitnehmen, sollte er uns verlassen“, denn der Ex-Forchheimer Ulbricht legte dem mit 23 Treffern besten Torschützen aller fünf Regionalligen einen Großteil seiner Treffer auf. Der 25-jährige Stolz ist für Starke, der ihn in seiner Spielanlage mit dem Ex-Mönchengladbacher Max Kruse vergleicht, einer mit einem echten Torriecher. „Er kann Situationen antizipieren und er hat auch die Schusstechnik. Es wäre schade, wenn er uns verlässt. Doch habe ich immer noch eine kleine Resthoffnung.“