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Donnerstag 16.02.17 22:00 Uhr|Autor: Martin Rutrecht683
Karsten Wettberg spürt immer noch Tatendrang, gerade in der Flüchtlingsfrage. Archivfoto: Brüssel
Wettberg gibt Flüchtlingstag mit Löwen
60er-Kultcoach leitet mit Ex-Profis Trainer in Integrationsarbeit an +++ Und spricht mit Investor über 50000-Zuschauer-Stadion.

Die Trainer-Bühne hat Karsten Wettberg verlassen. Und es ist fraglich, ob er je dorthin zurückkehren wird. „Das Angebot müsste schon sehr gut passen“, sagt der 75-jährige Elsendorfer. Langeweile bricht beim Kultcoach nicht aus. Sein jüngstes Projekt ist ein „Integrationstag“ mit dem Zweitligisten TSV 1860 München. Hunderte junge Flüchtlinge sollen am 1. Mai an die Grünwalder Straße kommen. Wettberg und die Ex-Löwen-Profis Michael Hofmann und Bernhard Winkler werden mit ihnen trainieren und parallel Betreuer schulen, wie Eingliederung klappen kann.



„Die Arbeit mit Flüchtlingen ist schwierig, aber lohnend.“ Karsten Wettberg

Einmal mehr steht Wettberg seinem „Herzensklub“ TSV 1860 zur Seite. „Die Idee ging von Herbert Köpplinger aus, dem Integrationsbeauftragten der Löwen“, erklärt der frühere Aufstiegscoach der 60er. „Die Arbeit mit jungen Flüchtlingen wird in den Fußballvereinen immer wichtiger. Nirgends gelingt Integration leichter als im Sport“, sagt Wettberg. "Der Leistungsgedanke sei außen vor, auch wenn talentierte Spieler später Herrenteams helfen könnten.“ Der Elsendorfer verweist auf den Nigerianer Olayiwola Agboluaje („Ola“), den er selbst beim ATSV Kelheim trainierte und der heuer beim Hallenturnier mit der zweiten Truppe begeisterte.


Kabarettist Christian Springer zieht mit

In der Landeshauptstadt schieben neben 1860 auch die DJK München und der BFV beim Projekt am Tag der Arbeit an. Ein Budget von 30 000 Euro muss aufgebracht werden, „wir hoffen auf Sponsoren“, so Wettberg. „Es soll ein Ereignis für die jungen Menschen werden. Mit 16 Mitstreitern im Orga-Team sind wir seit Wochen in der Planung und treffen uns einmal im Monat zur Besprechung.“ Den Kontakten Wettbergs ist es zu verdanken, dass für diesen Tag der Kabarettist und Autor Christian Springer gewonnen wurde. „Ich bin schon lange mit ihm befreundet und er ist in Flüchtlingsfragen sehr engagiert.“ Der Münchner reiste bereits über 30 Mal nach Syrien, um sich für die Opfer des Bürgerkriegs einzusetzen. Am 1. Mai soll er Diskussionsforen moderieren.

Mit im Boot sitzen auch die früheren Löwen-Kicker Winkler – Teambetreuer bei den 60ern – und Keeper Hofmann, der auch für den SSV Jahn Regensburg hielt. „Die Integrationsarbeit mit Flüchtlingen ist keine einfache, aber eine lohnende Sache“, befindet Wettberg. „Manche Kinder sind traumatisiert, sie haben ihre Heimat verloren und leben in einem neuen, fremden Umfeld. Man muss einfühlsam herangehen.“ Gerade über den Sport ließen sich Kontakt und Vertrauen aufbauen. „Beim Kicken spielen sprachliche Barrieren kaum eine Rolle, wenn der Ball rollt, sind alle gleich.“ Fußballer-Begriffe wie „Leo“ (Lass den Ball!) verstünden sie schnell.

„Es gibt keine Alternative zu Hasan Ismaik.“ Karsten Wettberg

In den Diskussionsrunden, die den Flüchtlingstag an der Grünwalder Straße begleiten, erwartet Wettberg durchaus „auch kritische Meinungen“. Auch der 75-Jährige erkennt Probleme: „Ganz sicher muss man diese Kinder in Sachen Regeln und Disziplin im Fußball besonders ansprechen. Ein wildes Durcheinander am Platz darf es nicht geben.“ Die Arbeit der Betreuer werde sich durch den Integrationsauftrag wandeln. „Wir werden nicht umhin kommen, die Ausbildung von Flüchtlingen in die Trainerkurse für Lizenzen mit rein zu nehmen.“ Wettberg erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass C-Übungsleiterscheine mittlerweile dezentral in den Vereinen erworben können.


Ein Plädoyer für den Investor

Anliegen der Löwen treiben den Elsendorfer nicht nur in der Integrationsfrage um. Auch das aktuelle Geschehen beim Zweitligisten verfolgt Wettberg intensiv. „Ich bin bei jedem Heimspiel in München.“ Dort hat er auch schon mit Investor Hasan Ismaik diskutiert. „Ich weiß, dass viele Fans ihn kritisch sehen. Aber aus meiner Sicht führt an seinem finanzkräftigen Engagement kein Weg vorbei. Man stelle sich vor, die Löwen müssten in die Dritte Liga oder gar Regionalliga absteigen – der Weg zurück ins Profigeschäft wie zu meiner Zeit ist heute kaum mehr zu schaffen. Man muss sich nur die vielen Traditionsvereine ansehen, die in der vierten Liga vergeblich um den Aufstieg kämpfen.“

Auch über einen Stadion-Neubau habe er mit Ismaik gesprochen. „Ich hab’ ihn gefragt, ob er wirklich an ein Stadion für über 50000 Zuschauer denkt. Er wolle in die Bundesliga und auch international spielen, hat er geantwortet“, schildert Wettberg. Dass für eine solche Arena 60 bis 70 Millionen Euro Kosten anstünden, habe Ismaik nicht erschüttert. Von einer Aufgabe wird sich Wettberg in den nächsten Wochen entbinden lassen. „Für den Vorsitz des Fördervereins im FC Mainburg werde ich im März nicht mehr kandidieren“, erklärt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Beim entsprechenden Pendant in der Leichtathletik-Sparte bleibt er im Amt.

Nach wie vor gefragt sind Wettbergs Drähte in die Fußballwelt. „Ich bekomme in der Woche etwa zehn Anrufe: Spieler suchen einen Verein, Klubs einen Trainer und so weiter. Ich kann nie Nein sagen, wenn ich helfen kann.“ Anfragen an ihn als Coach seien auch dabei. „Das ganze besondere Angebot war noch nicht darunter.“

 
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