
Solche Geschichten schreibt nur der Fußball. Mit nur fünf Spielern trat der FSV Erlangen-Bruck das Hallenturnier um den Alfred Böhm Cup 2012 an und gewann trotz Rumpfteam und prominenter Konkurrenz den prestigeträchtigen Titel. Dabei avancierte der 41-jährige Bruck-Trainer Gerd Klaus, der wegen Personalmangels in sämtlichen Partien als Torwart einspringen musste, zum Turnierhelden der Mittelfranken. Klaus verwandelte den entscheidenden Siebenmeter im Halbfinale gegen den SV Seligenporten und wurde wenig später mit dem Titel "Bester Torhüter des Turniers" belohnt.
Die 600 Zuschauer mussten in der vollbesetzten Helmut-Ott-Halle lange ausharren, ehe sie den Sieger des Alfred Böhm Cup 2012 beklatschen konnten. Denn schon der Beginn verzögerte sich. Der Grund: Kurz zuvor erreichte die Turnierleitung die Nachricht, dass der FSV Erlangen-Bruck bislang nur vier Spieler vor Ort hatte, darunter den 41-jährigen Trainer Gerd Klaus, der kurzerhand als Keeper einsprang. Der etatmäßige Torwart Thomas Wilke sowie die beiden Feldspieler Rico Röder und Vittorio Romano waren in einen Verkehrsunfall verwickelt. Im Laufe des Turniers stellte sich glücklicherweise heraus, dass alle drei Brucker unverletzt geblieben waren. So musste improvisiert werden: Erlangen-Bruck beorderte kurzfristig einen weiteren Spieler ins oberpfälzische Auerbach: den Ex-Bundesligaprofi und Co-Trainer des FSV Tomás Galásek, der in der Regel nicht zu Hallenturnieren seines Teams antritt. Um dem Nachnominierten Zeit zu geben wurde Spiel eins gegen die DJK Ammerthal an den Schluss der Gruppenphase gelegt.
Nach zwei Siegen und einem Remis zog der Bayernligist als Gruppenzweiter letztlich knapp ins Halbfinale ein. Während im ersten Semifinale zwischen der SpVgg Weiden und dem SV Etzenricht 24 Siebenmeter die knappe Entschneidung zugunsten der Weidener bringen musste, sah der SV Seligenporten in der zweiten Partie bereits wie der sichere Sieger aus. Cool hatte man sich eine 2:0-Führung erspielt. Doch die immer noch ohne Ersatzspieler agierenden Brucker zeigten Nehmer-Qualitäten. Philip Snajder, Arpad Backens, Adrian Mahr, Torhüter Gerd Klaus und Arbnor Dervishaj, der Galásek nach drei Spielen ablöste, lieferten eine Lehrstunde in Sachen Hallen-Fußball ab: Erlangen traf noch zweimal zum 2:2 und spätestens jetzt hatte man die Herzen der meisten Zuschauer auf seiner Seite. Kein Team im ganzen Turnier agierte so ballsicher, so überlegt, so effektiv und dabei so sympathisch. Etwa, wenn Torwart und Coach Gerd Klaus zu seinen Ausflügen ansetzte. Erlangen-Bruck bot tadellosen Fußball und vermittelte in perfekter Weise das Motto dieses Turniers: So schön kann Fußball sein. Das Siebenmeterschießen entschied Erlangen-Bruck mit 6:5 für sich: Und natürlich - besser hätte man das Turnierdrehbuch nicht schreiben können - versenkte "Not-Keeper" Gerd Klaus den entscheidenden Siebenmeter. Nach einem klaren 5:1 im Finale gegen die SpVgg Weiden holte sich das Erlanger Rumpfteam schließlich sogar den Turniertitel und Gerd Klaus wurde unter großem Jubel der 600 Zuschauer zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Solche Geschichten schreibt wahrlich nur der Fußball.
Bester Torhüter: Gerd Klaus (FSV Erlangen-Bruck)
Bester Spieler: Bernd Rosinger (SV Seligenporten)
Torschützenkönig: Adrian Mahr (FSV Erlangen-Bruck) – 6 Tore