
Vor acht Tagen noch bundesweit in den medialen Schlagzeilen beim ARD-Livespiel im DFB-Pokal, am Dienstagabend (Anpfiff 19 Uhr) als Gast zum Punktspielalltag beim SSV Ulm 1846 Fußball im Donaustadion: Fußball-Regionalligist Eintracht Trier. 115 Kilometer lief die Mannschaft des Underdog im Pokalduell vor einer Woche gegen den deutschen Vizemeister Borussia Dortmund (0:3) - wenn auch oft hinterher. Ein starker Wert.
Wer dachte, die Mannschaft von Trainer Peter Rubeck müsste im anschließenden Liga-Alltag Tribut zollen, sah sich getäuscht. Am vergangenen Samstag rackerte und arbeitete sich Trier gegen Hessen Kassel im vierten Versuch zum ersten Saisonsieg. Mit dem 3:1 gegen die Hessen verschafften sich die Moselstädter nach nur einem Punkt aus den ersten drei Partien wertvolle Luft.
Wen wundert’s, dass die Gäste von der Mosel ihre Reise an die Donau mit breiter Brust angetreten haben. Bereits am Montag hat sich die Eintracht nach einer Übungseinheit auf den Weg gemacht und in Ulm übernachtet. "Eigentlich wollte ich der Mannschaft zwei Tage freigeben, doch sie wollte das überraschenderweise nicht", bemerkte Trainer Rubeck.
Dass sein Team in dieser Saison mit zahlreichen englischen Wochen fast immer gegen einen Gegner antreten muss, der zuvor spielfrei und damit ausgeruht ist, lässt den Trierer Coach einfach nicht los. Er sieht darin einen klaren Wettbewerbsnachteil: "So was habe ich noch nicht erlebt. Das ist einfach eine Sauerei", redet der um deutliche Worte nie verlegene 54-Jährige Klartext und bekundet seinen Unmut über den Spielplan. Die Trierer Verantwortlichen haben deshalb schon vor der Runde an höchster Stelle ihr Unverständnis ausgedrückt.
Regionalliga-Geschäftsführer Sascha Döther bringt mit Blick auf die fünf englischen Wochen in der laufenden Runde zwar Verständnis auf, nicht jedoch mit Blick auf die mehr als 30 weiteren Spieltage. "Eine Konstellation mit 19 Vereinen hat es auch schon in anderen Ligen gegeben. Analysen des DFB haben ergeben, dass es keine negativen Einflüsse auf die Vereine hat, die das Los gezogen haben, immer gegen ein zuvor spielfreies Team antreten zu müssen", betont Döther.
Zuletzt umjubelter Held im Moselstadion war als zweifacher Torschütze Triers Angreifer Muhamed Alawie. Der Neuzugang vom Nord-Regionalligisten SV Meppen ist einer von insgesamt zehn Neuen in Trier. Im Gegenzug haben 15 Akteure die Eintracht verlassen.
Nach der Hinrunde stand Trier in der zurückliegenden Spielzeit auf dem ersten Tabellenplatz, am Ende landeten die Moselstädter auf Rang fünf. Immerhin war der heutige Gegner, nach Waldhof Mannheim und Hoffenheim II, das drittbeste Auswärtsteam der Liga.
Anders als gegen Borussia Dortmund, wo in der Startelf lediglich drei gelernte Offensivkräfte standen, wird Trainer Rubeck heute auf eine offensivere Formation bauen. Kollege Stephan Baierl sieht nach dem spektakulären 5:1-Sieg gegen Nöttingen wenig Grund, seine Anfangself zu verändern. Mit den beiden einsatzfähigen Christian Sauter und Claus Bückle ist der interne Konkurrenzkampf um die Plätze in der Startformation noch größer geworden. Mal sehen, wie den ausgeruhten Spatzen nach zwei Siegen in Folge die kleine Zwangspause bekommen ist.
So wollen sie spielen:
SSV Ulm 1846 Fußball: Birk - Reichert, Krebs, Sturm, Fassnacht - Bagceci, Sapina, Kücük (Sauter), Graciotti - Rathgeber, Braig.
Liveticker: www.fupa.net/live
Hoffnungsschimmer
Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach hat den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zurückgezogen und blickt wieder zuversichtlich in die Zukunft. Nun wollen die Hessen alle Möglichkeiten ausloten, gegen den vom Verband verhängten Abzug von neun Punkten vorzugehen. "Ich bin erleichtert und sehr, sehr dankbar, dass es uns gelungen ist, die finanziellen Probleme zu ordnen", sagt OFC-Präsident Helmut Spahn. "Das bringt uns eine Aufbruchstimmung." Der DFB-Pokalsieger von 1970 hatte im Mai Verbindlichkeiten von rund 900 000 Euro einräumen müssen. 600 000 davon kann der Verein nun sofort begleichen - auch dank einer erfolgreichen Fan-Aktion und "weiterer Unterstützer aus dem engen Umfeld." Der frühere Bundesligist ist aktuell mit minus vier Punkten weiter Tabellenletzter.