Thomas Ertl im Gespräch mit FuPa
Mittelfeldspieler des FC Bad Kötzting äußert sich zur schwierigen Situation bei seinen Club
von Thomas Seidl · 26.11.2009, 09:44 Uhr · 0 Leser
Was ist nur mit dem FC Bad Kötzting los? Seit 2004 spielen die Badstädter mit großen Erfolg in der Bayerischen Eliteliga, doch in der aktuellen Spielrunde liegt man abgeschlagen auf den letzten Tabellenplatz und der Abstieg in die Landesliga scheint kaum mehr abwendbar zu sein. Dies ist umso überraschender, da die Verantwortlichen im Sommer so prominente Neuzugänge wie die beiden Ex-Zweitligaspieler Martin Oslislo und Jan Velkuborsky an den Roten Steg locken konnten. Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren kickt der 22-jährige Thomas Ertl beim Bayerwaldclub und zählt dort schon seit längerer Zeit zu den Leistungsträgern. Ertl lernte das Fußball ABC bei seinen Heimatverein FC Edenstetten, ehe er zur SpVgg Plattling wechselte und dann fünf Jahre bei der SpVgg Ruhmannsfelden verbrachte, wo er u.a jahrelang Kapitän der damaligen Bayernligajugend war. Nach einer Seniorensaison dort, die mit dem Aufstieg in die Bezirksoberliga gekrönt wurde, wechselte der Linksfüßler nach Kötzting. FuPa hatte Gelegenheit dem Studenten einige interessante Fragen zu stellen
FuPa: Thomas, nach 19 absolvierten Punktspielen und mittlerweile zwölf Punkte Rückstand zum rettenden Ufer wird der Abstieg für den FC Bad Kötzting wohl kaum mehr zu verhindern sein, oder ?
Ertl: Hallo Tom. Nüchtern betrachtet würde man natürlich sagen, dass der Zug ziemlich abgefahren ist. Dennoch gebe ich persönlich, und auch die Mannschaft, die Hoffnung so lange nicht auf, so lange rechnerisch der Klassenerhalt noch möglich ist. Im Fussball sollte man niemals nie sagen und deshalb habe ich doch noch ein Fünkchen Hoffnung auf den Nichtabstieg bzw zumindest die Relegation.
FuPa: Mit den spektakulären Neuzugängen Martin Oslislo und Jan Velkuborsky zählten Euch viele Experten zu den Geheimfavoriten in der Bayernliga, niemand führte Bad Kötzting als Abstiegskanditat an. Wie kam es in Deinen Augen zu dieser unglaublichen Negativentwicklung ?
Ertl: Geheimfavorit würde ich jetzt nicht sagen, allerdings hatten wir sicherlich alle die Hoffnung, heuer nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Für die Negativentwicklung gibt es sicherlich vielerlei Gründe. Nach einer sehr positiven Vorbereitung sind wir eigentlich mit dem 2:0 gegen Erlangen optimal in die Saison gestartet. Auch danach haben wir spielerisch überzeugt, waren in fast jedem Spiel die bessere Mannschaft, haben es jedoch versäumt, die Punkte einzufahren. Ein wesentlicher Knackpunkt war für mich das 2:3 zuhause gegen Memmingen, bei dem wir einen 2:0 Vorsprung in der letzten Viertelstunde noch hergegeben haben. Das hat psychisch der Mannschaft doch einen merklichen Knacks gegeben. Zudem hatten wir in den ersten zehn bis zwölf Spielen immer einige Verletze, was sich in meinen Augen vor allem auf die Trainingsarbeit auswirkt, da einfach der Konkurenzkampf nicht so gegeben ist, wenn nur zehn gesunde Spieler im Training sind. Mit der steigenden Anzahl der Niederlagen stieg natürlich auch die Verunsicherung der Mannschaft und es hat sich einfach ein negativer Lauf entwickelt.
FuPa: Mit Walter Wanninger, Wolfgang Beller und Uli Karmann hat der Verein innerhalb von knapp 15 Monaten drei Trainer verbraucht- ist die Kötztinger Mannschaft so schwer zu trainieren oder an was liegt das ?
Ertl: Schwer zu trainieren sind wir in meinen Augen nicht. Bei jedem der genannten Trainer gaben verschiedene Gründe Ausschlag für die Trennung. "Just" Wanninger lag punktemäßig lange Zeit im Soll, er wurde allerdings vom Umfeld nicht wirklich akzeptiert und hat deswegen seinen Rücktritt angeboten. Wolfgang Beller hat von sich aus gesagt, dass er nicht mehr weitermachen will, er ist ja jetzt bekanntermaßen Co-Trainer beim Jahn und Uli Karmann hatte einfach kein Glück. Unter ihm haben wir wirklich guten Fussball gespielt, es war ein spielerisches Konzept erkennbar, leider haben wir ihn im Endeffekt im Regen stehen lassen,weil wir nicht gepunktet haben. Der Trainer ist in so einer Situation leider das schwächste Glied in der Kette.
FuPa: Deine persönliche Entwicklung ging ja stetig nach oben, als junger Spieler wechselste Du vom damaligen Bezirksoberligaufsteiger SpVgg Ruhmannsfelden in die Bayernliga und wurdest auf Anhieb Stammspieler. Wie bewertest Du Deine bisherigen dreieinhalb Jahre beim FCK und was waren Deine persönlichen Highlights dort ?
Ertl: Rundum positiv. Als ich 2006 aus der Bezirksliga in die Bayernliga wechselte, rechnete ich nicht wirklich damit, gleich Stammspieler zu werden. Ich muss zugeben, dass ich damals auch ein bisschen Glück hatte und nach dem Ausfall vom Strohmeier Tom der einzige Linksfuß im Mittelfeld war. Mit 19 Jahren dann in Bayreuth, Weiden, gegen den Jahn und die Reserven von Unterhaching, Burghausen, Fürth und Nürnberg zu spielen, war natürlich schon Klasse. Als persönliches Highlight bleibt mir wohl für immer das 4:4 zuhause gegen die SpVgg Bayreuth in Erinnerung. 4:3 Führung in der 90.Minute, 4:4 in der 92.Minute und dazu zwei Tore von mir, was wohl so schnell auch nicht mehr vorkommen wird :).
FuPa: Wie geht es mit Dir persönlich weiter? Welche Ziele steckst Du Dir für die Zukunft und würdest Du auch bei einen Abstieg in Bad Kötzting bleiben?
Ertl: Über meine Zukunft im nächsten Sommer hab ich mir noch keine großen Gedanken gemacht. Ein Ziel von mir ist es, im Rahmen meines Studiums ein oder zwei Semester im Ausland zu verbringen, am besten in Verbindung mit Fussball. Da wär der nächste Sommer wohl die letzte Chance, das zu machen. Wenn das nicht klappt, werde ich mir im Frühjahr dann überlegen, was ich mache.
FuPa: Zum Abschluß noch ein Blick zu einen Ligakonkurrenten - wie bewertest Du das bisherige Abschneiden des SV Schalding-Heining und überrascht Dich die gute Platzierung des SVS bisher?
Ertl: Mich persönlich überrascht die Platzierung nicht. Ich kann mir erinnern, dass ich im Sommer mit ein paar Schaldinger Spielern geredet habe und ihnen dabei eine Platzierung zwischen Platz fünf und acht prophezeit habe. Sie haben eine eingespielte Mannschaft, die nach dem Aufstieg die Euphorie mit in die Bayernliga genommen hat, ähnlich wie im letzten Jahr der TSV Buchbach. Einzig die vielen Tore vom Abelein Andi müssten nicht unbedingt sein ;).