
Die Formkurve des Fußball-Mittelrheinligisten Sportfreunde Troisdorf zeigt wieder nach oben. Michael Pilger hat die kämpferischen Tugenden des Teams wiederentdeckt. Am Sonntag spielt die Elf gegen Wegberg-Beeck.
Marco Bäumers Ärger war schnell verflogen. Nach seiner schonungslosen Kritik an seinen Mittelrheinliga-Fußballern nach dem jüngsten 1:3 im Derby gegen die SF Troisdorf ging der Hennefer Trainer tags darauf schon wieder auf Schmusekurs: „Man darf nicht vergessen, dass wir in den 13 Spielen zuvor kein einziges verloren hatten. Jetzt auf die Mannschaft einzuprügeln, wäre falsch und ungerecht.“ Zuletzt hatten die 05er im November eine 1:4-Niederlage einstecken müssen. Auch damals hieß der Gegner Troisdorf.
Trotz der erneuten Derby-Niederlage stellt sich Bäumer nun schützend vor seine Elf. Selbst für den fehlenden Esprit und die mangelnde Laufbereitschaft zeigte Bäumer Verständnis. Der Kräfteverschleiß nach den vielen englischen Wochen mache sich eben allmählich bemerkbar, „viele Jungs gehen auf dem Zahnfleisch“. Dementsprechend dosiert wurde vor der heutigen Partie bei Alemannia Aachen II (15 Uhr) trainiert. „Die Regeneration stand im Vordergrund – Hauptsache, die Truppe mobilisiert in Aachen noch einmal alle Kräfte und gewinnt. Ansonsten drohen die Spitzenteams nämlich zu enteilen“, betont Bäumer. Bei einer Niederlage dürfte es für seine fünftplatzierte Elf in der Tat schwer werden, den Meistertitel zu verteidigen.
Anders als beim FC Hennef 05 zeigt die Formkurve des Ligarivalen aus Troisdorf derzeit steil nach oben: Nur vier Tage nach dem Coup in Brühl (1:0) stoppten die Sportfreunde auch den Hennefer Siegeszug. Für den Troisdorfer Interimscoach Michael Pilger kommt der Höhenflug seiner Elf keineswegs überraschend: „Meine Mannschaft zählt sicherlich zu den spielstärksten Teams der Liga. Es war eine Frage der Zeit, bis sie das auch zeigt.“ Er habe seit dem Rücktritt von Trainer Mustafa Cansiz viele Gespräche mit den Spielern geführt und vor allem an deren Ehre appelliert, erklärt Pilger. Zudem fährt der Coach eine konsequente Linie: „Wer im Training nicht mitzieht, wird ausgemustert. Auf Namen nehme ich keine Rücksicht.“ Das Resultat ist unverkennbar: Das Team hat seine kämpferischen Tugenden wiederentdeckt, die Lust am Fußballspielen ist zurück und die Blockade scheint gelöst. Der Klassenerhalt scheint nur noch Formsache zu sein. Pilger betont: „Für mich spielt es keine Rolle, dass am Ende der Saison wohl 13 Spieler den Verein verlassen werden. Jeder muss bereit sein, dem Klub etwas zurückzuzahlen. Und das tun die Jungs im Moment.“ Dementsprechend selbstbewusst gibt sich Pilger vor dem Duell mit dem Titelaspiranten FC Wegberg-Beeck (Fr., 20 Uhr): „Wir wollen bis zum Saisonende kein Spiel mehr verlieren. Wir sind super drauf und haben das Zeug, gegen Wegberg-Beeck den dritten Sieg in Folge einzufahren.“
Ein gutes Omen für die Troisdorfer könnte das Hinspiel sein: Im November überraschte das Team mit einem souveränen 3:0-Auswärtserfolg. Hoffnung auf einen Einsatz in der Startelf darf sich derweil Caner Bilgin machen. Der SF-Angreifer hatte nach seiner Einwechslung in Hennef prompt einen Doppelpack erzielt und damit das Derby entschieden. Pilger bestätigt: „Ich komme wohl nicht darum herum, ihn diesmal von Beginn an aufzustellen.“