
Für Krefelds Fußball-Fans ist der Name Andrej Hildenberg seit gestern ein Rotes Tuch, in Uedesheim dürften sie dem 24-Jährigen stattdessen ein kleines Denkmal bauen: Mit seinem Kopfballtor in der 52. Spielminute hat der Angreifer dem abstiegsbedrohten Oberligisten SV Uedesheim einen sensationellen 1:0-Auswärtssieg beim neuen Meister KFC 05 Uerdingen beschert und die Aufstiegsparty des DFB-Pokalsiegers von 1985 getrübt. Durch den ersten Sieg nach neun Spielen ohne Dreier rückt der Klassenerhalt wieder in Reichweite.
"Die drei Punkte sind immens wichtig, Das war aber auch ein Sieg für die Moral, gerade im Hinblick auf das nächste entscheidende Spiel in Bösinghoven", sagte Trainer Ingmar Putz, der nach einer schier endlosen Nachspielzeit mit den Nerven am Ende war, während Vorsitzender Klaus Haas Freudentränen in den Augen hatte: "Das ist absolut toll für die Jungs. Und absolut verdient."
Trotz der unschönen Vorgeschichte – der SVÜ hatte sein Heimrecht abgeben müssen, da die Polizei aus Sicherheitsgründen eine Austragung in Uedesheim untersagte – traten die "Gäste" vor 1950 Zuschauern im Grotenburgstadion von Beginn an couragiert und konzentriert auf, zeigten sich auf Augenhöhe. Gleichwohl wirkten die Gastgeber nicht allzu frisch, die spontane Aufstiegsparty am Mittwoch nach dem Patzer von Verfolger TuRU Düsseldorf in Rhede steckte ihnen augenscheinlich noch in den Knochen. Nennenswerte Torszenen waren in Durchgang eins auf beiden Seiten Mangelware. In der 23. Minute rettete der glänzend aufgelegte SVÜ-Torwart Dustin Gottlebe gleich zweimal gegen Emrah Uzun, auf der Gegenseite verfehlte ein Distanzschuss von Malte Hauenstein (32.) sein Ziel nur knapp. Uedesheims Abwehr um Kapitän Özkan Teke, selbst von 2004 bis 2008 für den KFC in der damals viertklassigen Oberliga aktiv, hatte Torjäger Issa Issa und Ex-Bundesligaprofi Kosi Saka gut im Griff.
Nach der Pause erwischte der SVÜ einen starken Start und wurde schnell belohnt: Eine Ecke von Alpay Kus verlängerte Kani Taher auf den Kopf von Hildenberg, der aus kurzer Distanz einnickte. In der Folge hatte Uerdingen einige gute Gelegenheiten, scheiterte aber entweder an Gottlebe oder am eigenen Unvermögen.
Während Krefelds Trainer Eric van de Luer, einst niederländischer Nationalspieler, seinem Spitznamen "De kleine blonde dood" (Der kleine blonde Tod) alle Ehre machte und an der Seitenlinie tobte, blieb der KFC in der Schlussphase seltsam lethargisch. Die erste "Auswärtsniederlage" des KFC in der laufenden Saison ging letztlich vollkommen in Ordnung.
Verderben lassen wollte sich die Stimmung aber niemand: Während die Uedesheimer ihren Siegescoup vor 50 mitgereisten Anhängern bejubelten, stürmten Uerdingens Fans mit Schlusspfiff im Aufstiegsrausch den Rasen, die KFC-Spieler drehten Ehrenrunden samt Meisterpokal. Grund zum Feiern hatte es in der Grotenburg lange nicht gegeben: 19 Jahre zuvor war der KFC letztmals aufgestiegen, mit dem Neusser Friedhelm Funkel als Trainer in die Bundesliga – Uedesheim kickte damals in der Kreisliga C.