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Schafft Rubeck ein zweites Mal die Wende?

Fußball: Wie zu Saisonbeginn 2014/15 steht der Trainer von Eintracht Trier stark unter Druck - Redeverbot - Kommentar

von volksfreund.de Mirko Blahak · 08.09.2016, 22:39 Uhr · 0 Leser
Ein Bild spricht Bände: Patrick Lienhard, Robin Garnier, Christian Telch und Florian Riedel (von links) ist die Niedergeschlagenheit nach der 0:2-Niederlage beim TSV Steinbach anzumerken. TV-Foto: Sebastian Schwarz
Ein Bild spricht Bände: Patrick Lienhard, Robin Garnier, Christian Telch und Florian Riedel (von links) ist die Niedergeschlagenheit nach der 0:2-Niederlage beim TSV Steinbach anzumerken. TV-Foto: Sebastian Schwarz
Fußball-Regionalligist Eintracht Trier kommt nicht aus dem Quark. Das 0:2 beim TSV Steinbach verschärft die Lage. Offen reden will oder darf derzeit keiner im Club.
Trier. In diesen Tagen wirken zwei Aussagen ziemlich realitätsfern:
"Ich bin immer noch der Meinung, dass unser Team stärker ist als in der vergangenen Saison."
(Sportlicher Leiter Heiner Semar, 26. August)
"Ich bin davon überzeugt, dass wir in den nächsten Wochen unsere Punkte machen werden."
(Trainer Peter Rubeck, 15. August)

Eintracht Trier ist nach der 0:2-Niederlage im Kellerduell beim TSV Steinbach mehr denn je im Schlamassel. Der nächste Gegner Kickers Offenbach kann - obwohl mit neun Minuspunkten gestartet - den SVE am Sonntag zu Hause überholen und ans Tabellenende kicken.
Vier Punkte aus sieben Spielen - da werden Erinnerungen an die Saison 2014/15 wach, als Trier mit einer ähnlich mageren Ausbeute gestartet war. Damals schaffte Trainer Peter Rubeck die Wende - auch wenn ihm seinerzeit im Herbst vielleicht nur die Turbulenzen rund um den Rücktritt von Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi den Job retteten. Rubeck geriet damals aus der Schusslinie und nutzte die Zeit, um mit der Mannschaft tabellarisch einen Sprung nach oben zu machen.
Und nun? Wie sicher sitzt Rubeck im Sattel? Wie sieht der 54-jährige Kämpfer die Zukunft? Und vor allem: Wie beurteilt der Eintracht-Vorstand die bedrohliche Lage? Für ein Telefonat mit dem TV - bislang der normale Umgang im medial überschaubaren Trier - stand Vorstandsmitglied Roman Gottschalk gestern nicht zur Verfügung. Lediglich auf vorher eingereichte Fragen hätte er nach Auskunft der SVE-Medienabteilung schriftlich Stellung bezogen.
Statements aus dem Verein bis auf weiteres nur über die Medienabteilung - diese Vorgehensweise haben Gottschalk und der sportliche Leiter Heiner Semar der Mannschaft und dem Trainerteam in einer Sitzung mitgeteilt. Trainer Rubeck beugt sich dieser Vorgabe - auch wenn bei ihm Überzeugung anders klingt.
Der Coach ist keiner, der bei Gegenwind kuscht. Er vermittelt den Eindruck, sich der Herausforderung, aus dem im Sommer teilweise ohne Not neu zusammengewürfelten Kader endlich eine Mannschaft zu formen, weiterhin kraftvoll stellen zu wollen. Bislang hat er sie nicht gemeistert. In allen Pflichtspielen dieser Saison schickte er unterschiedliche Anfangsformationen aufs Feld. In der Schlussphase der Partie in Steinbach überraschte er mit der Hereinnahme des etatmäßigen Rechtsverteidigers Florian Riedel als "Zehner" im offensiven Mittelfeld.

Ex-Spieler: Einstellungssache

Da die aktuellen Eintracht-Spieler auf direktem Weg nichts sagen dürfen, hat der TV bei einem Ex-Spieler nachgehört. "Einstellung, Zusammenhalt, Geschlossenheit - in dieser Saison hat man noch nicht das Gefühl, dass dies die Mannschaft auszeichnet. In der vergangenen Saison war es ein Glücksgriff, dass wir so schnell zu einer Einheit gefunden haben", sagt Mario Müller, der im Sommer zum 1. FC Saarbrücken gewechselt ist. Denn auch das gehört zu Wahrheit: Im Transfersommer 2015 haben Semar und Rubeck ein glückliches Händchen bewiesen. Im Sommer 2016 ist ihnen das - Stand jetzt - abhandengekommen. Die Chemie passt (noch) nicht. Müller: "Peter Rubeck polarisiert. Die einen schwärmen von ihm, andere empfinden ihn als sehr speziell. Er lebt vor, immer das Maximum rausholen zu wollen. Die neuen Jungs müssen so schnell wie möglich lernen, mit seinem Stil umzugehen und sich auf ihn einzustellen."
Eine andere Frage ist, inwieweit der Kader den Wünschen des Trainers entspricht. Es ist verbrieft, dass Rubeck - im Gegensatz zu Semar - den nach Mannheim abgewanderten Stürmer Benedikt Koep wohl gerne gehalten hätte. Dass dessen Vertrag nicht verlängert wurde, hatte auch im Spielerkreis zu Nase rümpfen geführt. Auch mit Christopher Spang und Christoph Buchner hätte Rubeck grundsätzlich gerne weiter zusammengearbeitet.
Bei der Analyse der Situation darf indes nicht übersehen werden, dass die Eintracht in manchen der bisherigen Saisonspiele auch eine gehörige Portion Pech hatte - vor allem in Person von Patrick Lienhard. In Steinbach vergab er kurz nach der Pause aus wenigen Metern die große Chance zur Führung. Zuvor in Ulm hatte er das mögliche 2:0 auf dem Fuß. Beim 0:0 gegen Homburg scheiterte er an der Latte. Trifft er in allen drei Fällen, wäre Triers Punkteausbeute wahrscheinlich ansehnlicher, als sie jetzt ist.

Kommentar

Ein Klassiker, auch in Trier

„We call it a Klassiker”, würde Franz Beckenbauer sagen. Alles schon mal da gewesen. In gleicher oder abgewandelter Form. Landauf, landab, in den hohen und niedrigeren Fußball-Spielklassen. Wenn’s bei einem Verein nicht läuft und Dinge auch nur im leisesten Anflug medial kritisch hinterfragt werden, kommt die Keule: Presseboykott – mal komplett, mal abgeschwächt! Da macht Eintracht Trier in diesen Tagen keine Ausnahme. Die Order, vorgegeben von Vorstandsmitglied Roman Gottschalk und vom sportlichen Leiter Heiner Semar: Statements des SVE, inklusive des Trainers und der Mannschaft, gibt’s bis auf weiteres nur noch schriftlich. Man könnte auch Zensur dazu sagen.
So macht der Verein eine weitere Baustelle auf. Angesichts der sportlichen Krise gibt es aber wahrlich wichtigere, die es schleunigst zu schließen gilt.

m.blahak@volksfreund.de