Vereinsverwaltung
Suche
Dienstag 18.04.17 15:15 Uhr |Autor: Neuß-Grevenbroicher Zeitung / Christos Pasvantis 26

Blindenfußball: Immer dem Rasseln nach

Im Rahmen seines Osterferiencamps brachte der SC Kapellen seine Nachwuchskicker erstmals mit dem Blindenfußball in Verbindung.
Mit dem Thema Behinderung und Beeinträchtigung kommen die meisten Kinder in ihrem Alltag kaum in Kontakt. Dass aus dieser mangelnden Erfahrung heraus oft Unsicherheiten oder gar Ängste vor dem Unbekannten entstehen, weiß Marcel Wienands wohl am besten.

"Es geht uns vor allem darum, diese natürlichen Ängste und Hemmungen abzubauen", sagt der 24-Jährige, der vor vier Jahren erblindete. Gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) und der Telekom ist der Blindenfußball-Bundesligaspieler Teil der Initiative "Neue Sporterfahrung", die im Rahmen des Osterferiencamps auch beim SC Kapellen zu Gast war. Die gut 100 Kinder im Camp machten dabei erstmals Erfahrungen mit dem Blindenfußball.

Das bedeutete in erster Linie eine Menge Spaß für die Jungs und Mädels, die trotz einer einstündigen Einführung naturgemäß recht unkoordiniert über den kleinen Platz stolperten. Sehen konnten sie dank der Spezialbrillen schließlich rein gar nichts mehr. "Das war total schwierig, hat aber trotzdem Spaß gemacht", fand der zwölfjährige David, der wie seine Kumpels durchaus seine Probleme mit der Verortung des rasselnden Balls hatte. Genau das sei schließlich auch der Gedanke, der hinter der Aktion stehe. Trainer Christian Breckner, der die Veranstaltung gemeinsam mit Wienands betreute, erklärt: "Die Kinder sollen ein Gespür dafür bekommen, was es heißt, wenn man überhaupt nichts mehr sehen kann, sich aber trotzdem in seiner Umgebung zurechtfinden muss. Man muss sich viel mehr auf seine anderen Sinne verlassen und mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Der Fußball eignet sich sehr gut, um das zu verdeutlichen."

Zumindest bei David scheint dieses Ziel erreicht zu sein: "Ich wusste gar nicht, wie es sich anfühlt, wenn man nichts sehen kann. Das war eine ganz neue Erfahrung." Und diese Erfahrung, so das Ziel der Initiative, soll dabei helfen, die Kinder für den Umgang mit Blinden, aber auch mit Behinderten im Allgemeinen, zu sensibilisieren. Und damit ist nicht mal zwingend nur Hilfsbereitschaft gemeint, sondern auch der "ganz normale" Kontakt zu den Mitmenschen. "Mit dieser Trainingseinheit ermöglichen wir es den Jugendlichen, Berührungsängste gegenüber Menschen mit Einschränkungen abzubauen. Außerdem werden Werte wie Toleranz, Verständnis und Hilfsbereitschaft gestärkt", erklärt SCK-Jugendgeschäftsführer Dirk Erberich.

Während der Trainingseinheit wurden die Gruppen zunächst gut 20 Minuten lang mit der Theorie rund um den Blindenfußball beschäftigt, ehe eine Stunde lang verschiedene Übungen und zum Abschluss auch ein richtiges Spiel auf dem Plan standen. Während der Partie orientieren sich die Spieler anhand der Geräusche des Balls, der Rufe der Mitspieler und des Torwarts, der als einziger etwas sehen kann, sowie eines Rufers hinter dem Tor, der dessen Position verrät - ganz so wie beim richtigen Blindenfußball.

Im Anschluss gab es dann eine offene Erzählrunde, in denen die Kinder von ihren Erfahrungen mit Blinden berichteten und Wienands mit jeder Menge Fragen bombardierten: Wie finde er sich beispielsweise im Straßenverkehr zurecht? Wie suche er morgens das richtige Outfit aus? Und wie gehe er mit dem Handy um? "Das war total spannend und interessant", fand David.

 
0 Kommentare0 Mitleser |
Du möchtest mitdiskutieren? Jetzt hier anmelden.
Das könnte auch interessant sein
25.06.2017 - 571

B-Junioren: Elf des Jahres in den Leistungsklassen

Fast alle Ligen wurden ausgewertet - das ist das Ergebnis.

25.06.2017 - 213

SC Kapellen erkämpft sich sein Endspiel

Mit Willen, Glück und einer raffinierten Taktik sicherten sich die Kicker von der Erft einen 2:0-Erfolg gegen Essen-Schönebeck.