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Reaktionen zum Trainerwechsel in Trier

Kiefer ging, weil weniger Geld zur Verfügung steht - Rubeck setzt Zweibrücker Modell um

von Mirko Blahak · 15.05.2014, 18:57 Uhr · 0 Leser
Nach dem Trainerwechsel bei Fußball-Regionalligist Eintracht Trier: Hier sprechen Ex-Coach Jens Kiefer und der neue Übungsleiter Peter Rubeck über Beweggründe und Ziele.

Am Donnerstagvormittag ging alles ganz schnell. Jens Kiefer verabschiedete sich in der Eintracht-Kabine von der Mannschaft und fuhr nach Homburg. Dort wurde er am Mittag als neuer Trainer des Trierer Regionalliga-Konkurrenten FC Homburg vorgestellt.

Der 39-Jährige geht als Acht-Wochen-Coach in die Geschichte des SVE ein. Für seine Bitte um eine vorzeitige Auflösung seines bis Sommer 2015 laufenden Vertrags in Trier führt er „persönliche Gründe“ ins Feld. Nach Informationen des Trierischen Volksfreunds haben vor allem die finanziellen Möglichkeiten für die Zusammenstellung des Kaders den Ausschlag gegeben. Kiefer: „In Trier ist eine Situation eingetreten, die bei meiner Vertragsunterzeichnung noch nicht gegeben war.“ Hintergrund: Die Eintracht muss den Etat für ihre Regionalligamannschaft reduzieren, geschätzt von einer Million Euro auf rund 600 000 Euro.

Eintracht-Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi dankt in einer Pressemitteilung des Vereins Kiefer für dessen Arbeit: „Wir hätten ihn gerne behalten. Er hat einen engagierten Job gemacht und sich nichts zuschulden kommen lassen.“ Der FC Homburg zahlt der Eintracht für die Verpflichtung von Kiefer eine Ablösesumme. Nach TV-Informationen liegt sie im höheren fünfstelligen Euro-Bereich.

Neuer Trainer an der Mosel wird Peter Rubeck (Vertrag bis 30. Juni 2015, Start des Engagements zur Sommervorbereitung). In den 1980er Jahren war er als Spieler für Trier aktiv. Der 52-Jährige kommt vom Ligakonkurrenten SVN Zweibrücken. „Trier wird für mich eine ganz andere Herausforderung. In Zweibrücken bin ich sportlich ans Limit geraten“, sagt Rubeck.

Er weiß um den abgespeckten Etat und spricht deshalb von einer „schwierigen Aufgabe“. Rubeck soll das Zweibrücker Modell in Trier umsetzen. Weil er weiterhin als kaufmännischer Angestellter in den SHG-Kliniken Völklingen arbeiten wird, verlagert sich das Training für die Spieler in Trier oftmals auf den frühen Abend. Einher gehen damit Abstriche beim Vollprofitum. Rubeck: „Wir werden eine Mischung finden zwischen Spielern, die den Fußballsport hauptberuflich betreiben, und Spielern, die nebenbei arbeiten oder studieren.“ 15, 16 Spieler sollen gehobenes Niveau verkörpern. Daneben sollen vier oder fünf Spieler aus der Trierer U 23 und der A-Jugend im Regionalligakader an höhere Aufgaben herangeführt werden. „In Zweibrücken haben wir bewiesen, dass man mit diesem Modell in der Regionalliga erfolgreich sein kann“, sagt Rubeck, der nun zügig Gespräche führen will. Mit den Spielern des aktuellen Kaders. Und mit potenziellen Neuzugängen.

Entgegen einer Mitteilung auf der Homepage seines bisherigen Vereins Zweibrücken hatte Rubeck bei den Saarpfälzern noch keinen Vertrag für die nächste Saison unterzeichnet. Das bestätigt auch Teammanager und Mäzen Heiner Semar auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds.

Im anstehenden Spiel in Homburg werden Co-Trainer Rudi Thömmes und U-23-Coach Daniel Lingfeld die Eintracht betreuen. Das Duo steht auch im letzten Ligaspiel gegen Freiburg sowie im Rheinlandpokalfinale an der Seitenlinie.


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Was bedeutet dieser Trainerwechsel? Ein Kommentar unseres Reporters Mirko Blahak:

Erstmal gibt es mehrere Verlierer

Potz Blitz. Das war bisher nur aus der Bundesliga bekannt. Felix Magath verlor am 16. November 2011 seinen Trainerjob beim FC Schalke 04, um zwei Tage später bei seinem Ex-Club VfL Wolfsburg anzuheuern. Und nun das Ganze in der vierten Liga. Im Grenzbereich zwischen Profi- und Amateurtum. Heute hier, morgen da. Jens Kiefer verabschiedete sich am Donnerstagmorgen bei der Mannschaft von Eintracht Trier, um sich ins Auto nach Homburg zu setzen, wo er mittags als neuer Trainer vorgestellt wurde. Bei dem munteren Bäumchen-wechsel-dich-Spiel gibt es erstmal mehrere Verlierer.

Jens Kiefer: Nach acht Wochen bei der Eintracht hinzuwerfen, trotz eines Vertrags bis Sommer 2015, hat einen faden Beigeschmack. Ohne Zweifel: Kiefer hat gute Gründe. In Trier stellen sich die finanziellen Möglichkeiten anders dar als zunächst gedacht. In Homburg wird er sich in seinem Arbeitsumfeld verbessern - was seine Möglichkeiten bei der Kaderzusammenstellung und wohl auch sein Gehalt angeht. Aber bei allem Ehrgeiz: Vertrag ist Vertrag. Bei den ersten auftretenden Schwierigkeiten - auch wenn sie gravierenderer Natur sind - fahnenflüchtig zu werden, macht einen schlechten Eindruck. Zu dem tragen auch Kiefers Aussagen in den vergangenen Tagen und Wochen bei, mit denen er seinen sich abzeichnenden Wechsel zum FC Homburg ins Reich der Fabel verwiesen hatte.

Eintracht Trier: Mit Roland Seitz hatte mal wieder Kontinuität auf dem Trainerstuhl Einzug gehalten. Und nun das: Nach dem Kiefer-Intermezzo muss schon der nächste neue Übungsleiter her. Und das in einer Phase, wo ein Stühlerücken bei der dringend notwendigen Kaderplanung für die neue Saison ein nicht zu unterschätzendes Störfeuer ist. Das macht sich nicht gut in der Außendarstellung. Unsicherheit regiert. Zu ihr trägt auch bei, dass die Eintracht den Etat kürzen muss und Kiefer deshalb ehedem andere Zahlen aufgetischt worden waren.

SVN Zweibrücken: Triers Regionalliga-Konkurrent wähnte sich mit seinem Trainer Peter Rubeck einig über eine weitere Zusammenarbeit über den Sommer hinaus. Pustekuchen. Sein Abgang nach Trier verschärft die Lage bei den Emporkömmlingen aus der Saarpfalz. Baustellen allenthalben. In der nächsten Saison sehen sie sich alle wieder. Homburg, Trier, Zweibrücken. Für Brisanz ist gesorgt. m.blahak@volksfreund.de