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Razzia beim TSV Gersthofen

Steuerfahnder durchsuchen die Geschäftsstelle und beschlagnahmen Unterlagen

von Augsburger Landbote / Florian Eisele · 22.05.2013, 22:45 Uhr · 0 Leser
Braut sich da was zusammen über dem TSV Gersthofen? Steuerfahnder durchsuchten die Geschäftsstelle des Sportvereins. Dessen Funktionäre rätseln über die Gründe.
Braut sich da was zusammen über dem TSV Gersthofen? Steuerfahnder durchsuchten die Geschäftsstelle des Sportvereins. Dessen Funktionäre rätseln über die Gründe.

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Schock beim TSV Gersthofen: Am Mittwochvormittag durchsuchten Steuerfahnder die Geschäftsstelle des Vereins und beschlagnahmten zahlreiche Aktenordner und Datenträger. Voller Anspannung versuchten Mitarbeiter der Geschäftsstelle und Vereinsmitglieder vergeblich, eines der drei Vorstandsmitglieder über die aktuellen Ereignisse zu informieren. Sie waren zu diesem Zeitpunkt nicht zu erreichen.

Erst am Nachmittag meldete sich Präsident Jürgen Treffler zu Wort, den bis dahin berufliche Termine beschäftigt hatten. Warum die Fahnder beim größten Sportverein des Landkreises Augsburg vorstellig wurden, kann auch er bislang nicht sagen. „Wir wissen noch gar nicht, um was es geht. Die Steuerfahnder haben erst mal die Unterlagen mitgenommen, um Dinge zu prüfen.“

Für den Verein, dessen klamme Fußballabteilung sich zum Saisonende aus der Bayernliga verabschiedet und der nach dem Rückzug des Bauunternehmens Abenstein auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor ist, bedeutet der Auftritt der Steuerfahnder einen erneuten Schock. „Wir sind alles ehrenamtliche Helfer, die mit diesen Themen noch nie konfrontiert waren“, beteuert Treffler.

Ob die Ermittlungen in Gersthofen ähnliche Ausmaße wie in Aindling annehmen, ist bislang offen. Beim TSV Aindling hatten im November 2011 Mitarbeiter von Zoll und Steuerfahndung die Geschäftsstelle und die Privatwohnungen von Vereinsfunktionären untersucht. Der Vorwurf lautete damals, dass der Verein Spielergehälter nicht versteuert habe. Die Ermittlungen dauern bis heute an.

Im Dezember 2011 hatte sich auch Klaus Raßhofer, der damals Geschäftsführer der Fußballabteilung beim TSV Gersthofen war, zu den Vorfällen in Aindling geäußert. Gegenüber unserer Zeitung sagte er damals, dass man beim TSV Gersthofen in seiner Amtszeit diesbezüglich ein reines Gewissen habe: „Bei uns werden alle Abgaben korrekt abgeführt.“ Dabei blieb Raßhofer, der den Verein verlassen wird und derzeit Urlaub in Dubai macht, auch am Mittwoch: „Ich schwitze zwar, aber nur, weil es hier in Dubai heiß ist. In meiner Amtszeit ist alles korrekt gelaufen.“

Raßhofer vermutet, dass die Durchsuchung mit der Verpflichtung von Spielern zu tun haben könnte, die vorher bei belasteten Vereinen aktiv waren. Dass gerade jetzt die TSV-Geschäftsstelle durchsucht wurde, sei überraschend – vor allem, weil seit Dezember die Steuerprüfung durch eine Beraterfirma läuft. Laut Raßhofer geht im höherklassigen Amateurfußball nicht immer alles sauber über die Bühne. Gerade im Münchner Umland nehme man es nicht so genau mit den steuerlichen Abgaben.

Tatsächlich scheint der Fall in Gersthofen etwas anders gelagert zu sein als in Aindling. War es im Nachbarlandkreis noch ein richterlicher Beschluss, der zur Razzia führte, weiß die Staatsanwaltschaft im Gersthofer Fall nichts davon. „Bei der Staatsanwaltschaft ist kein Verfahren anhängig“, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai auf Nachfrage. Auch beim Zoll wusste man von nichts.

Als wahrscheinlich gilt, dass die Bußgeld- und Strafsachenstelle des Finanzamtes (BuStra) für die Hausdurchsuchung zuständig ist. Diese Stelle ermittelt eigenständig mögliche Steuerstraftaten und gilt innerhalb des Finanzamtes als „kleine Staatsanwaltschaft“. In bestimmten Fällen kann sie mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. Auf Nachfrage war die Behörde aber zu keiner Stellungnahme bereit. Sie verwies auf das Steuergeheimnis.