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Interview

"Oberliga ist wichtiges Bindeglied"

Die Trainer Tom Persich (Germania Schöneiche) und Mario Reichel (FSV Union Fürstenwalde) im Interview

von MOZ.de / Uwe Wuttke · 27.02.2015, 11:07 Uhr · 0 Leser
Will Team entwickeln: Schöneiches Tom Persich (links) / Hält die Oberliga für wichtig: Fürstenwaldes Mario Reichel (rechts) Fotos: A. Winkler
Will Team entwickeln: Schöneiches Tom Persich (links) / Hält die Oberliga für wichtig: Fürstenwaldes Mario Reichel (rechts) Fotos: A. Winkler

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Die Fußballer der NOFV-Oberliga Nord starten am Sonntag (14 Uhr) in die Rückrunde. Der FSV Union Fürstenwalde spielt beim FC Strausberg, während Germania Schöneiche Schlusslicht BSV Hürtürkel empfängt. Uwe Wuttke sprach mit den Trainern Tom Persich (Schöneiche) und Mario Reichel (Fürstenwalde).
Die Rückrunde beginnt für Fürstenwalde gleich mit einem Derby, für Schöneiche mit einem Wahrsager gegen ein direkten Konkurrenten. Herr Reichel, Herr Persich, wie sind ihre Erwartungen für das erste Spiel?
Mario Reichel: Es ist schön, dass es gleich ein Derby gibt. Für Strausberg geht es ja gleich richtig um den Abstieg. Ich erwarte also ein intensives Kampfspiel
Tom Persich: Das ist kein besonderes Spiel, weil für uns alle Spiele wichtig sind. Aber es wird keine einfache Partie, den bei Hürtürkel hat sich einiges getan.

Tatsächlich haben Ihre beiden Gegner zahlreiche personelle Veränderungen vorgenommen. Hürtürkel hat gar 17 Zu- und 11 Abgänge im Winter. Wie schätzen Sie die Mannschaften ein?
Persich: Wir haben Hürtürkel am Mittwoch im Berliner Pokal beobachtet. Da haben sie zwar gegen Landesligist SC Charlottenburg mit 1:2 verloren, aber sie haben ein junge Mannschaft, die sehr engagiert, motiviert und geschlossen agiert hat. Die haben sich also noch nicht aufgegeben. Ich denke, wir sind fußballerisch besser, aber die Einstellung muss stimmen. Wir müssen den Kampf annehmen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.
Reichel: Im Derby werden auf beiden Seiten zahlreiche Spieler aktiv sein, die im Nachwuchs von Energie Cottbus waren, die kennen sich alle. Ich glaube, dass Strausberg sich mit Spielern wie Marc Reichel oder Pablo Iles Cruz verstärkt hat.

Wie sehen Sie ihr eigenes Team vorbereitet?
Persich: Wir sind heterogen vorbereitet. Einige haben fast jede Trainingseinheit mitgemacht, andere wie Alexander Schadow waren drei Wochen krank oder haben wie Nils Hörig nur fünf von 30 Einheiten mitgemacht. Die Vorbereitungsspiele waren in Ordnung. Wir haben immer taktische Schwerpunkte gesetzt, die gut umgesetzt wurden.
Reichel: Wir hatten keine optimale Vorbereitung, vor allem personell ist es eng gewesen. Einige waren beruflich verhindert, andere verletzt und einige wie Majuran Kesavan oder Lukoki Kalixto sind verschollen. Gerade Letzterer fehlt uns fußballerisch.

Aber Herr Reichel, Sie haben Ihr Team ja auch verstärken können...
Markus Kaiser, Konstantin Filatov und Marc Fingas sind sicher Verstärkungen, die wir gut gebrauchen können. Und ich denke auch, dass wir eine gute Rückrunde spielen, denn mit Christian Mlynarczyk, Amadeus Wallschläger und Michael Braune haben wir erfahrene Führungsspieler, die in der Vorbereitung wirklich vorangegangen sind. Aber wir haben einen Kader von nur 14, 15 Spielern. Das ist gut für den Zusammenhalt, weil alle Spielzeit bekommen und die Qualität ist da, nur darf nicht viel passieren, was Ausfälle anbelangt. Gegen Strausberg wird Daniel Dressler fehlen, Kaiser ist mit Sprunggelenksverletzung fraglich.
Persich: Das war bei uns etwas anders. Wir haben mit Aaron Kunert und Patrick Maelzer zwei Spieler aus der Landesliga dazu bekommen, sind aber froh, dass sie da sind. Doch die Karras-Brüder, die eine Auszeit genommen haben, oder Stephan Gill, der am Knie verletzt ist, fehlen schon.

Wo wollen Sie beide mit Ihrem Team am Saisonende landen?
Reichel: Wir wollen schnell die nötigen Punkte gegen den Abstieg holen. Da sind wir als Siebter mit 23 Punkten schon gut dabei. Ansonsten wollen wir möglichst viele Spiele gewinnen, vor allem das Pokal-Halbfinale gegen unseren Ligakontrahenten SV Altlüdersdorf am Gründonnerstag. Aber erst konzentrieren wir uns auf die Liga.
Persich: Über eine Platzierung habe ich mir noch nie Gedanken gemacht – egal ob als Spieler oder Trainer. Ich will eine Mannschaft nachhaltig entwickeln. Wir müssen über das System kommen, mehr Ballbesitz haben, damit der Gegner uns Respekt entgegen bringt. Was dabei heraus kommt, werden wir sehen.

Wie schätzen Sie allgemein die Oberliga ein. Einige, wie Rathenows Trainer Ingo Kahlisch, verteidigen sie vehement, anderen sagen: „Abschaffen“?
Reichel: Ich kenne die Diskussion. Leute, die die Oberliga überflüssig finden, kommen eher aus Berlin, weil sie da kurze Wege haben. Für die Brandenburger sind die Wege eher in der Oberliga kürzer. Ich persönlich finde die Oberliga gut. Allerdings ist sie in den vier Jahren, in denen ich Fürstenwalde trainiere, jedes Jahr schwächer geworden.
Persich: Die Oberliga ist für mich ein wichtiges Bindeglied zwischen Freizeit- und Leistungsfußball. Sonst wäre der Sprung zwischen den Profibedingungen in der Regionalliga und der Verbandsliga zu groß. Wie viel Geld jeder Verein dabei einsetzt, muss er selbst wissen. Aber im Vergleich zu meinen ersten Jahren als Spieler in der Oberliga (2006–2011) ist alles professioneller geworden.

Zum Schluss: Was halten Sie von ihrem Lokalrivalen?
Persich: Fürstenwalde ist eine taktisch gute Mannschaft mit einem guten Trainer, die sicher weiter nach oben kommen wird.
Reichel: Ich glaube, dass Schöneiche die Klasse halten wird. Das wäre auch sehr schön, denn es bedeutet ein weiteres Derby.