
Der Württembergische Fußballverband (WFV) gibt sich als Reformator: In der Kreisliga B und darunter dürfen ab dieser Saison ausgewechselte Spieler wieder eingewechselt werden. Der Verband will damit den Spielbetrieb in den untersten Klassen erhalten. Wir wollen eure Meinung wissen - im Artikel findet Ihr eine Abstimmung zum Thema.
Die K.-o.-Phase der WM 2014 war ein echter Marathon – nicht nur für die Fernsehzuschauer, die oft bis spät in die Nacht vor den TV-Geräten ausharren mussten, sondern auch für die Spieler. Acht der 16 Ausscheidungsspiele gingen in die Verlängerung. Ein kräftezehrendes Unterfangen. Grund genug für die Fifa, nach der WM zu vermelden, dass eine Regeländerung bezüglich der Auswechslungen angedacht ist: Künftig soll bei großen Turnieren eine zusätzliche Auswechslung möglich sein, wenn das Spiel in die Verlängerung geht. Das ist aber noch Zukunftsmusik.
Auswechsel-Regelung verändert
Der WFV ist indes schon einen Schritt weiter. Hier wurden vor der Saison 2014/15 Nägel mit Köpfen gemacht und die Auswechsel-Regelung verändert. In den untersten Spielklassen des jeweiligen Bezirks ist es fortan erlaubt, ausgewechselte Spieler wieder einzuwechseln. Das heißt, ein Spieler kann vom Trainer auf die Bank beordert werden, sich dort eine kleine Verschnaufpause gönnen und anschließend wieder aufs Spielfeld zurückkehren. Das Wechselkontingent von drei Spielern wird nicht erhöht.
„Wir sehen in dieser Maßnahme eine Lockerung“, sagt Martin Kling, der beim WFV für den Spielbetrieb zuständig ist. Pressesprecher Heiner Baumeister spricht von einer „Flexibilisierung des Spielbetriebs“. Im Grunde geht es dem WFV um die Tatsache, dass vor allem in ländlichen Regionen viele Vereine Probleme haben, genügend Spieler für eine Mannschaft zusammenzubekommen. „Wir wollen die breite Masse im Fußball erhalten“, sagt Kling und ergänzt: „In manchen Gegenden herrscht ein akuter Spielermangel. Da werden die Kader einzelner Teams oft mit älteren Spielern aus der AH-Mannschaft aufgefüllt, die ab und zu mal eine kleine Verschnaufpause brauchen.“
Auch Harald Müller, Vorsitzender des Bezirks Stuttgart, findet die Neuerung gut: „In Stuttgart gibt es Mannschaften, die mit Mühe und Not genügend Spieler zusammenkratzen“, betont Müller, „natürlich gibt es auch Vereine, auf die das nicht zutrifft. Aber das ist eher der kleinere Teil.“ Auch die Anzahl der Spielabsagen im Bezirk in den vergangenen Jahren hätte gezeigt, dass einige Mannschaften Schwierigkeiten haben. Erst vor kurzem zogen der SV Fasanenhof II, der SV Stuttgart 09 II und der TSV Steinenbronn III ihre Teams vom Spielbetrieb zurück (FuPa berichete). Das Problem besteht also nicht nur in bevölkerungsschwachen Regionen.
So ein Spiel kann ganz schön anstrengend sein, da macht das Rückwechseln Sinn - oder?
Foto: Rinke
Positive Rückmeldungen aus der Szene
Die neue Auswechsel-Regel wird zur Saison 2014/15, die an diesem Wochenende für die Kreisligisten beginnt, fest verankert. Auch weil der sogenannte DFB-Masterplan, der schrittweise umgesetzt wird, den Erhalt der untersten Klassen anstrebt. Von den Vereinen habe es bisher nur „positive Rückmeldungen“ gegeben, heißt es beim WFV. Auch Bezirkschef Harald Müller meint, dass das Gros der Clubs die neue Regel gut annehme. „Natürlich haben die besseren Mannschaften Bedenken, dass die Regel zum Zeitschinden missbraucht wird“, sagt Müller und verweist auf eine Sorge, die es auch beim Verband gab, aber zerstreut wurde. Martin Kling vom WFV nimmt bei der Lösung des Problems die Schiedsrichter in die Pflicht und hofft, dass sie die neue Regel großzügig auslegen: Sie sollen Wechsel, die offensichtlich nur zum Zeitschinden in der Schlussphase eines Spiels dienen, auch mal unterbinden. Dass sich die Vereine, die am Ende der Saison aus den untersten Ligen aufsteigen, wieder auf eine andere Regel einstellen müssen, sieht man beim WFV ebenfalls als wenig problematisch: „Die Aufsteiger sind personell so gut besetzt, dass sie sich ohne Probleme auf die veränderten Bedingungen einstellen können“, sagt Kling. Letztlich lässt sich die Frage nach der Wechsel-Regel auch auf eine generelle Bewertung des Fußballs in den untersten Klassen herunterbrechen. Für den WFV steht die Lust an der Bewegung und nicht der Wettkampfcharakter hier im Vordergrund. Deshalb ist auch eine Ausweitung der Regel auf höhere Klassen nicht vorgesehen – vorerst.
Eure Meinung ist gefragt: Wie findet Ihr die Regeländerung?
Hintergrund: Verband nimmt weitere Regeländerungen vor
Das Rückwechseln von Spielern ist nicht die einzige Regeländerung, die der WFV zur neuen Saison einführt: Die Regelung zum Zweitspielrecht für Berufspendler und Studenten wurde aufgeweicht. Bisher mussten zwischen den Spielorten von Spielern mit Doppel-Lizenz mindestens 150 Kilometer liegen, ab sofort sind es nur noch 100 Kilometer. Anträge für ein Zweitspielrecht mussten bisher bis zum 15. Januar abgegeben werden; die Frist wurde bis zum 15. April verlängert. Die Prämisse, dass ein Spieler mit Doppel-Lizenz nicht höher als in der Bezirksliga spielen darf, wurde vom DFB ebenfalls gekippt.
Auch für Schiedsrichter ändert sich etwas: Die Unparteiischen müssen den Pass eines Rot-Sünders nach einem Spiel nicht mehr einziehen. Stattdessen deaktiviert der Staffelleiter den Pass online. Die Vereinfachung lässt darauf schließen, dass eine weitere Regeländerung bevorsteht. Vielleicht werden Spieler künftig auch nach einer Gelb-Roten Karte für ein Spiel gesperrt – so, wie es in den oberen Klassen längst üblich ist. „Die Einführung der Spielsperre könnte in den nächsten Jahren kommen. Die Abwicklung über den elektronischen Spielberichtsbogen macht dies leicht möglich“, sagt Martin Kling vom WFV, „die Bezirksvorsitzenden werden sich dieses Themas nochmals annehmen.“
Der WFV reagiert auf die zunehmende Gewalt auf den Sportplätzen. Ab dieser Saison muss der gastgebende Verein zwei Platzordner stellen, die im Spielberichtsbogen vermerkt werden. Die Ordner, die während des Spiels Signalwesten tragen, müssen sich 15 Minuten vor Spielbeginn beim Schiedsrichter melden. Geschieht dies nicht, droht ein Bußgeld. Von den Ordnern kann nur abgesehen werden, wenn der Schiedsrichter ausdrücklich keinen Wert auf sie legt.