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Interview

Neu-Auslegung der Regeln: Keine Gnade für Keeper

Fifa präzisiert passives Abseits +++ Schiedsrichter-Lehrer Bradl kommentiert Änderungen

von mno (Neumarkter Nachrichten) · 06.08.2013, 10:20 Uhr · 0 Leser
Abseits und Rote Karten: Fifa ändert Regularien. F: Ronald Wittek/dpa
Abseits und Rote Karten: Fifa ändert Regularien. F: Ronald Wittek/dpa
Die Fifa hat zur neuen Saison 2013/14 Fußballregeln in vier Punkten neu ausgelegt. Der Neumarkter Schiedsrichter-Lehrwart Franz Bradl kommentiert diese Neuerungen. Von Abseits bis Notbremse wird einiges neu sein in dieser Saison.

1. Kommt der Ball durch eine „Abwehraktion“ zu einem passiv im Abseits stehenden Angreifer, so wird dieser aktiv. Der Begriff Abwehraktion bedeutet, dass der Defensivspieler einen Torschuss abblockt.

Dazu der Neumarkter Schiedsrichter-Lehrwart Franz Bradl: Was das Abseits betrifft, sind die Änderungen für die Schiedsrichter weniger gravierend als in verschiedenen Medien angekündigt. Im Wesentlichen wurde bereits so entschieden oder war das bereits die herrschende Lehrmeinung. Jetzt wurde das Regelwerk aber etwas präzisiert.

Fälschlich wird oder wurde oft nach einer Abseitsentscheidung von Spielern moniert, dass „der Ball doch vom Gegner kam“. Jetzt ist klargestellt, dass das passive Abseits aktiv wird, wenn der Ball im Rahmen einer Abwehrreaktion (also unabsichtlich) zum Abseits stehenden Angreifer kommt.

Nach wie vor nicht strafbar ist die Abseitsstellung, wenn der Angreifer den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt. Allerdings nur wenn die Absicht des Abwehrspielers, den Ball spielen zu wollen, eindeutig erkennbar ist, ist die Abseitsstellung nicht strafbar. Zum Beispiel bei einem zu kurzen Rückspiel zum Torwart oder ähnliches.

In Zweifelsfällen sollte auf Abprallen und Ablenken des Balles entschieden und damit die Abseitsstellung bestraft werden.

2. Der Terminus „eingreifen“, der eine Abseitsstellung aktiv werden lässt, wird künftig enger und strenger gefasst. DFB-Schiedsrichterchef Heribert Fandel sagt: „Der Angreifer muss klar den Zweikampf suchen und seinen Gegner attackieren.“

Franz Bradl: Ins Spiel eingreifen heißt nach wie vor, dass ein Spieler den Ball berührt oder spielt, der zuletzt von einem Mitspieler berührt oder gespielt wurde.

Nach der neuen Regelauslegung wird die Abseitsstellung eines Spielers dann strafbar, wenn dieser Spieler den Abwehrspieler angreift, bedrängt oder einen Zweikampf mit ihm bestreitet.

Es bleibt dabei, dass die Abseitsstellung eines Spielers auch dann strafbar ist, wenn er im unmittelbaren Sichtfeld des Torwarts steht.

3. Blockt ein Spieler einen Torschuss mit einem strafwürdigen Handspiel ab, so ist die Gelbe Karte zwingend vorgeschrieben.

Franz Bradl: Hier erfolgte ein Anpassung an die internationale Regelauslegung. Entscheidet ein Schiedsrichter auf Handspiel, mit dem ein Spieler einen Schuss auf das eigene Tor aufhält, ist neben einem Freistoß/Strafstoß zusätzlich noch eine Verwarnung (gelbe Karte) erforderlich.

Hier heißt es „Schuss aufs Tor“, es wird also durch das Handspiel kein sicheres Tor verhindert, denn dann gibt es ja nach wie vor einen Feldverweis (rote Karte).

4. Der Ausnahmestatus der Torhüter bei einer Notbremse, die in diesen Situationen unter gewissen Voraussetzungen mit Gelb davonkommen konnten, wird gestrichen. Sie werden künftig genau wie Feldspieler behandelt, sehen also bei der Vereitelung einer klaren Torchance durch ein Foul zwingend Rot.

Franz Bradl: Das ist meines Erachtens die gravierendste Änderung zur bisher von mir vertretenen Lehrmeinung. Aber jetzt ist es eindeutig: Die Verhinderung einer klaren Torchance zieht einen Feldverweis auf Dauer (FaD) nach sich, egal, wer das Vergehen begeht. Also auch für den Torwart!

Bisher vertraten wir die Ansicht, dass ein Tortwart, der „im Strafraum seinen Job macht, Tore zu verhindern“, nur mit Gelb bestraft wird, wenn das Foul im Strafraum nicht ohnehin mit Rot zu ahnden war.

Zum Beispiel aufgrund von Rücksichtslosigkeit, Angriff galt nur dem Gegner und nicht dem Ball oder ähnliches. Solange also der Torhüter versuchte, den Ball zu spielen und dabei ein Foulspiel beging, wurde er bisher nur verwarnt, da mit dem fälligen Strafstoß der Angreifer ja seine Chance wiederbekommt. Bei Vergehen außerhalb des Strafraums wurde der Torwart auch bisher ohnehin wie ein Feldspieler behandelt.

Fazit: Es gibt keine Unterscheidung mehr, ob eine klare Torchance durch einen Feldspieler oder einen Torwart verhindert wird. Es ist in jedem Falle ein Feldverweis auszusprechen!