2026-04-15T12:16:22.084Z

Interview

Mossong: "gutes Verhältnis mit allen Vereinen aus der Stadt"

Vor dem Rückrundenauftakt in der 3.Division haben wir uns mit Jean-Marie Mossong, dem Präsidenten von Tricolore Gasperich, unterhalten.

von Paul Krier · 18.03.2017, 11:00 Uhr · 0 Leser
Foto: FC Tricolore Gasperich
Foto: FC Tricolore Gasperich

Verlinkte Inhalte

Jean-Marie, was sind die Gründe, dass der FC Tricolore nach einer schwierigen letzten Saison jetzt um den Aufstieg mitspielt?

Eine Erklärung ist, dass wir uns mit ein paar neuen Spielern verstärkt haben, die noch jung sind und viel Energie mitbringen. Das ist ein Grund, da der Trainer ist noch der gleiche als letzte Saison. Unsere Neuzugänge wissen, weshalb sie auf dem Platz stehen und sie sind sich bewusst, dass es um etwas geht, denn wir wollen in dieser Saison aufsteigen.

Damit hast du meine nächste Frage schon fast beantwortet: war es vor der Saison ein Ziel, oben mit dabei zu sein?

Ja, unser Ziel war es, oben mitzuspielen. Dennoch haben wir uns damals, als unser jetziger Trainer kam, eine gewisse Karenzzeit gegeben. Das Ziel sollte innerhalb von 4-5 Jahren erreicht werden. Denn es ist nicht sehr sinnvoll, zu schnell aufzusteigen, da man sonst riskiert genau so schnell wieder abzusteigen. Wir müssen uns in Geduld üben, andere Clubs haben das vorgemacht wie z.B. Pfaffenthal oder Aspelt.


Du hast die jungen Neuzugänge erwähnt: diese brauchen dann wahrscheinlich noch ihre Zeit, um später auch in einer 2.Division bestehen zu können.

Jein, einige haben das Niveau schon jetzt. Aber mit 20 Jahren ist es nicht so einfach, bereits ein konstantes Level zu halten. Eine 3.Division bleibt nun mal eine 3.Division, was wir in den Freundschaftsspielen feststellen mussten, das wir nicht so einfach.

Nun geht es in die Rückrunde: wie verlief die Vorbereitung auf diese Rückrunde?

Also es war eher gemischt. Gegen Gegner aus der 1. oder 2.Division haben wir zwar gut ausgesehen, aber oft sind wir in der 2.Halbzeit eingebrochen, auch dadurch, dass die Gegenseite fußballerisch und technisch stärker war. Die weiteren Testspiele haben wir gegen Drittdivsionäre aus dem 1.Bezirk gespielt, gegen die wir dann oft 3-1 oder 4-1 gewinnen konnten, was beweist dass das Spielniveau stimmt. Wahrscheinlich ist aber dieser 1.Bezirk nicht so spielstark als unser 2.Bezirk.

Testspiele spiegeln aber nicht die ganze Wahrheit wider.

Natürlich waren auch nicht immer alle Spieler mit an Bord, wir hatten den einen oder anderen Verletzten zu beklagen. Seit Trainer Darrosa im Amt ist halten wir aber jedes Jahr ein kleines Trainingslager ab, doch wetterbedingt war dieses auch nicht ideal, auch wenn es ansonsten gut verlief und unsere Mannschaft war so weit vollzählig bei den Trainingseinheiten.

Ein Trainingslager für einen Drittdivisionär ist doch eher etwas Außergewöhnliches. Kannst du uns das näher erläutern?

Ja, in der Tat werden wir dafür sogar bewundert! Natürlich steuert der Club dazu eine nicht geringe Summe bei, wir waren mit der 1. und 2.Mannschaft in einem Center Park in der Nähe von Straßburg. Insgesamt also um die 40 Leute, inklusive den Vorstandsmitgliedern.

Ist das dann vorrangig eine Team-Building-Maßnahme?

Wir hatten 4 Chalets gemietet, die 1. und 2.Mannschaft waren vor Ort getrennt, ansonsten wurde aber auch außersportlich viel zusammen unternommen. Dazu kamen natürlich gemeinsames Lauftraining, zweimal am Tag. Zusätzlich hatten wir eine Halle gemietet, wo dann normal trainiert wurde. Leider haben sich bei diesen Indoor-Trainings ein paar Spieler verletzt. Aber die Stimmung war super, was wichtig für uns ist. Das ist auch mein persönliches Anliegen, dass der Verein eine große Familie wird. Man soll sich untereinander gut verstehen, auch zwischen der 1. und 2.Mannschaft und der Zweiten sollte gezeigt werden, dass sie auch dazugehören.

Jetzt startet die Rückrunde: sind drei Punkte zum Auftakt in Christnach ein Muss?

Christnach ist eine gute Mannschaft, auch wenn wir das Hinspiel zuhause 4-1 gewinnen konnten. Die Mannschaften die unten stehen, versuchen natürlich dort weg zu kommen. Auch wenn es keine Absteiger gibt, will doch niemand Letzter werden. Deshalb denke ich, dass es kein einfaches Spiel wird. Wir müssen konzentriert in die Partie gehen, was in letzter Zeit aber immer klappte. Ich hoffe aber auch, dass die Schiedsrichterleistung besser sein wird als bei unserem letzten Gastspiel vor der Winterpause bei Cebra, das war damals eine Katastrophe! Aber dass wir kämpfen müssen steht außer Frage, denn Christnach ist ebenfalls ein kämpferisches Team. Da wir mehr Techniker in der Mannschaft haben ist meine Hoffnung, dass wir die drei Punkte mitnehmen können.

Ich schneide jetzt ein anderes Thema an: in Gasperich hat sich in den vergangenen Jahren in der Jugendarbeit viel getan. Kannst du das Projekt kurz erläutern?

Vor 4-5 Jahren haben wir zusammen mit dem FC Europa (d.Red.: ein Club aus dem Betriebsfußball) angefangen, eine Fußballschule aufzubauen. Diese Initiative hat in diesen Jahren bereits ihre Früchte getragen. Die entsprechende Jugendkommission funktioniert sehr gut, leider hat nun der Vorsitzende in dieser Funktion wegen seiner Arbeit demissionieren müssen, er ist aber weiter Vorstandsmitglied. Im Moment habe ich dieses Amt übernommen, was doch etwas Neuland für mich bedeutet. Aktuell bin ich dabei mich einzuarbeiten, bis dann jemand anders übernimmt.

Im Moment sieht dieses Projekt wirklich gut aus, die Zahl der Neueinschreibungen schnellt sprunghaft in die Höhe. Wir sind jetzt schon bei rund 150 Nachwuchsspielern, das können nicht viele Clubs aus einer 3.Division vorweisen. Außer bei den Scolaires haben wir bereits in allen anderen Kategorien zwei Mannschaften am Start. Eine Cadets- und Junioren-Mannschaft aufzubauen ist das Ziel für die kommenden 3-4 Jahre – um dann später Spieler aus der eigenen Jugend in die Senioren einzubauen um nicht von links und rechts andere Spieler verpflichten zu müssen. Außerdem bin ich nicht der Meinung, dass Spieler die du selber als Club ausbildest, in die du Geld steckst, dass diese später zu einem andern Club wechseln sollen. Nicht jeder kann später in einer höheren Liga spielen.

Auch hier hast du schon auf meine nächste Frage geantwortet, nämlich ob es in der Tat ein Ziel ist, eigene Nachwuchsspieler später in die 1.Mannschaft zu integrieren.

Ja, das ist unser Ziel. Damals in Itzig, als ich selber noch Trainer war, war ich glücklich als 4-5 meiner Juniorenspieler später in der 1.Mannschaft standen. Das sollte das Ziel eines Trainers sein. Als Erstes sollten die Spieler lernen und dann eben einen Schritt weiter gehen, das ist auch das Ziel von Tricolore Gasperich. Die Jugend soll wieder weiter gebracht werden, auch innerhalb des Vereins. Das war während Jahren nicht mehr möglich, was auch mit der Identifikation zu tun hatte. So wollten viele z.B. lieber bei Racing oder bei RM Hamm spielen, da dort die ersten Mannschaften in der BGL Ligue vertreten sind. Und Gasperich war damals als das Projekt anfing in der 2.Division. Im Moment holen solche Clubs aber meistens nur noch die besten Spieler zu sich und die nicht so guten kommen dann zu uns, oder eben auch zu Cebra oder nach Merl.

Habt ihr in diesem Teil der Stadt denn nicht auch ein Vakuum aufgefüllt? Cebra und AS Luxemburg-Porto haben ja auch keine so große bzw. gar keine Jugendabteilung, Racing hat in dieser Gegend wahrscheinlich den größten Zulauf.

Nein, Racing schickt auch immer Kinder zu uns! Wieso auch nicht, wir haben ein gutes Verhältnis mit allen Vereinen aus der Stadt. Was nämlich viele nicht wissen ist, dass es eine Vereinigung der Fußballvereine aus der Stadt Luxemburg gibt. Außer Mühlenbach sind doch alle Fußballclubs aus der Stadt Luxemburg Mitglied. Und von dieser Vereinigung bin ich persönlich der Vorsitzende. D.h. über diese Ebene wird viel zusammen gearbeitet, was sehr wichtig ist. Der Verdienst für die Gründung dieser Vereinigung gebührt auch Frau Beissel (Anm. d. Red.: Sportschöffin der Stadt Luxemburg), die diese Initiative mit in die Wege geleitet hat. Da stellte sich natürlich auch die Frage nach dem Präsidenten und da fiel dann mein Name und ich habe mich darauf eingelassen.

Ich kann nur betonen dass es durch diese asbl eine sehr gute Herangehensweise an die angesprochenen Themen gibt. Ursprung war die gemeinsame Organisation der Public Viewings durch diese Fußballvereine, wo schon über Jahre super zusammengearbeitet wurde. Und solche Events sind sicher kein Pappenstiel! Es ist ja nicht Ohne, über Wochen jeden Tag 20-25 Freiwillige zu finden die sich dort um das Catering kümmern. Dies hat die Vereine aus der Stadt aber näher zusammengeführt, was ja auch Sinn der Sache war. Es ist nämlich wichtig, dass die Clubs aus der Hauptstadt untereinander korrekt zusammenarbeiten.

Das war jetzt der Hintergrund, wieso auch bei der Jugend eine solche Zusammenarbeit mittlerweile gut funktioniert. Wichtig ist ja, dass die Kinder Fußball spielen können. Natürlich hätte man manchmal lieber bessere Spieler, aber es gibt doch auch eine gewisse Befriedigung, wenn du Spieler als Club selber ausgebildet hast. Ich wiederhole mich: es ist wichtig für die Stadt Luxemburg, dass die Vereine – und das nicht nur im Fußball - in ihren Vierteln bleiben und ihre dortige soziale Rolle auch ausfüllen. Und in dem Kontext hilft die angesprochene Vereinigung natürlich dann auch.

Kann man sagen, dass diese Vereinigung, die ja aus den Public Viewings entstanden ist, auch Früchte auf sportlichem Plan tragen wird, z.B. weil es durch die Einnahmen möglich ist, die Kinder besser zu betreuen?

Ja, egal um welchen anderen Club es sich handelt, man kommt untereinander gut klar. So gibt es in regelmäßigen Abständen Freundschaftsspiele, wo wir z.B. gegen Racing oder Hamm spielen und diese dann zu uns kommen. Ich finde, dass das den Sport belebt. Ich denke zwar nicht, dass diese Clubs alle mal zusammen fusionieren werden, aber neun Vereine die zusammen agieren haben z.B. mehr Gewicht gegenüber der Gemeinde als alleine.

So konnten wir z.B. dieses Gewicht einsetzen, damit wir in Gasperich jetzt zusätzliche Umkleideräume versprochen bekommen haben, da mit 150 Jugendspielern sind diese mehr als nötig. Im Moment kann es je nach Auslastung vorkommen, dass sich manche Mannschaften im Vereinsheim umziehen müssen. Ich hoffe, dass der Gemeinderat das jetzt beschließt und dass wir dann halt diese vier zusätzlichen Umkleideräume bekommen. Dazu soll dann noch ein kleiner Versammlungsraum kommen, in dem die Nachwuchsspieler auch mal die Theorie und Taktik gezeigt bekommen können.

Jean-Marie, ich bedanke mich für deine ausführlichen Schilderungen und wünsche alles Gute!

Ich nutze die Gelegenheit um Danke zu sagen an alle Freiwilligen, die uns und die asbl beim Public Viewing unterstützen und auch die Freiwilligen vom FC Tricolore, weil ohne Freiwillige könnten wir diese Veranstaltungen nicht organisieren!

Der FC Tricolore Gasperich hat sich unter Präsident Mossong auch zu einem sehr sozialen Club entwickelt. Jährlich findet ein Jugendturnier zugunsten der „ELA“ und der Vereinigung „Häerz fir kriibskrank Kanner“ statt, bei dem pro Ausgabe 1000 € an jede dieser gemeinnützigen Vereinigungen gespendet werden. Wer diese Vereinigungen via den FC Tricolore unterstützen möchte, kann dies per Überweisung auf das Vereinskonto LU41 1111 0165 5565 0000 (BIC/Swift: CCPLULLL) machen, mit dem Vermerk „DON“.

Am 17.Juni 2017 organisiert der Club ein weiteres Turnier für kranke Kinder, für welches der Club noch Teilnehmer sucht. Interessierte Vereine können sich direkt beim Präsidenten per E-Mail an jomi_mossong@hotmail.com melden.