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Allgemeines

Mehr Wahnsinn als Genie

Sportgericht ermittelt gegen Kassels Bektasi nach Griff in Genitalbereich von SVE-Stürmer Koep

von Mirko Blahak · 07.10.2015, 18:51 Uhr · 0 Leser
Das tut weh: Benedikt Koep lässt sich nach seiner Auswechslung direkt behandeln. Kassels Shqipon Bektasi hatte Triers Stürmer übel in den Genitalbereich gegriffen. Foto: Sebastian Schwarz
Das tut weh: Benedikt Koep lässt sich nach seiner Auswechslung direkt behandeln. Kassels Shqipon Bektasi hatte Triers Stürmer übel in den Genitalbereich gegriffen. Foto: Sebastian Schwarz
Shqipon Bektasi, Führender in der Torschützenliste der Regionalliga Südwest, hat sich mal wieder nicht im Griff. Bei der 0:2-Niederlage gegen Eintracht Trier blieb eine Tätlichkeit des Kasseler Angreifers gegen Benedikt Koep ungeahndet. Nun ermittelt das Sportgericht. Eine nachträgliche Sperre erscheint wahrscheinlich.

Shqipon Bektasi wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Elf Tore hat der Stürmer in Diensten von Hessen Kassel in dieser Saison bereits erzielt – eine Topquote. Alles andere als top sind jedoch die immer wiederkehrenden Aussetzer des 25-Jährigen, der sich in seiner Karriere schon mehr als eine Rote Karte wegen Unbeherrschtheit eingehandelt hat.

Auch gegen Eintracht Trier hätte Bektasi einen Platzverweis kassieren müssen, doch Schiedsrichter Pascal Müller sah dessen Tätlichkeit gegen Benedikt Koep in der 51. Minute nicht. Vor einem Eckball griff Bektasi dem Trierer Stürmer in den Genitalbereich. Koep musste behandelt werden und wenige Minuten später mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Feld. Er spürte Stiche bis in den Unterleib und Oberschenkel. „Wegen solch einer Aktion musste ich noch nie einen Spieler auswechseln. Wenn es Benedikt schlimmer erwischt hat, gibt’s Ärger!“, sagte Eintracht-Trainer Peter Rubeck nach der Partie.

Am Mittwoch hatte Koep einen Arzttermin. „Im Hoden ist ein Nerv eingeklemmt. Ich habe immer noch Schmerzen. Am Donnerstag früh schaut auch noch ein Urologe drauf. Man muss die Sache auf jeden Fall beobachten“, sagte er zum TV.

Koep übt harsche Kritik am Vorgehen Bektasis: „Das war ein Unding. Nicklichkeiten gehören zum Fußball. Aber was er gemacht hat, war maßlos übertrieben und absolut unfair. Er hat voll in meinen Schritt gegriffen und gar nicht mehr losgelassen. Jeder Mensch weiß, wie schmerzhaft das ist und welche Folgen das haben kann. Dafür habe ich absolut kein Verständnis. Das geht überhaupt nicht. Das zeugt von einem schwachen Charakter. Meine Familie war entsetzt, als sie die Bilder gesehen hat.“
Zivilrechtliche Schritte?

Schiedsrichter Müller hatte die Aktion Bektasis nicht wahrgenommen – und folglich auch nicht gesühnt. Doch das Sportgericht der Regionalliga Südwest hat Ermittlungen nach einer vom Regionalverband gestellten Anzeige aufgenommen. „Beide beteiligten Spieler haben bis Donnerstag, 12 Uhr, Zeit, um eine Stellungnahme abzugeben. Dann werden wir sehen, ob weitere Ermittlungen angestellt werden müssen“, sagte der Vorsitzende des Sportgerichts, Andreas Pitz, gestern auf TV-Anfrage.

Die dürften angesichts eindeutiger Fernsehbilder wohl nicht notwendig sein. Noch vor dem nächsten Spieltag am Wochenende soll laut Pitz ein Urteil gefällt werden. Alles andere als eine nachträgliche Sperre für Bektasi wäre eine Überraschung.

Darüber hinaus denkt Koep über zivilrechtliche Schritte nach: „Darüber muss ich mir Gedanken machen, je nachdem, welche Folgen das Ganze hat. Im allerschlimmsten Fall kann so etwas dazu führen, dass man keine Kinder mehr zeugen kann.“

Eintracht-Ecke

Wie im Märchen: Zehn Monate lang quälte sich Abwehrspieler Christoph Buchner infolge einer Adduktorenverletzung für sein Comeback. Nun endlich das erste Regionalligaspiel seit Anfang Dezember 2014. In Kassel. Gekrönt durch den Treffer zum 2:0. „Das ist unglaublich. Ich freue mich riesig. Beim Tor dachte ich kurz zurück an die lange Zeit“, sagte Buchner.

Trainer Peter Rubeck ist „mehr als froh“, mit dem 26-Jährigen wieder eine vollwertige Alternative zu haben: „Wir hatten in der vergangenen Saison ein paar Diskussionen. Mein Dank gilt Heiner Semar, dass wir ihn behalten haben. Christoph hat hart an sich gearbeitet. Er wird uns noch einige Freude bereiten.“

Freistoßkönig: Als defensiver Mittelfeldspieler taucht Christian Telch nicht häufig in der Torschützenliste auf. Wenn’s gegen Kassel geht, ist der 27-Jährige aber gerne dabei. In der Saison 2013/14 traf er im Zweibrücker Trikot zwei Mal gegen die Nordhessen, nun war er im Eintracht-Dress schon wieder gegen die Löwen erfolgreich. Und immer per Freistoß!

Vor eineinhalb Jahren traf Telch im Kasseler Auestadion aus rund 40 Metern. Am Dienstagabend startete er sein unhaltbares Geschoss in den oberen Winkel aus 35 Metern. Telch: „Dass der Ball so gut kommt, habe ich nicht gedacht. Damals war die Entfernung größer, diesmal war der Treffer aber schöner.“