
„In der Bezirksliga ist einfach kein Spiel zu gewinnen, wenn nahezu die gesamte Mannschaft im läuferischen Beriech 30 Prozent zu wenig bringt. Hier haben wir total versagt“, kritisiert Dirr den Auftritt beim Kellerkind. Doch nicht allein die Vorstellung seiner Mannschaft hat ihn erschüttert. So richtig vergällt wurde ihm der Vatertag durch Vorgänge, die mit Fußball nur wenig zu tun hatten – sofern man den Sport denn als „Spiel“ begreift.
Vor allem die Vorgänge um die Person Michael Wende erregen den Spartenchef auch im Rückspiegel noch. „Dass er kein Waisenknabe ist, weiß ich. Dass er sich zuweilen leicht provozieren lässt, ist ebenfalls klar. Aber man muss natürlich auch sehen, wie er auf dem Spielfeld angegangen und ständig provoziert wird“, sagt Dirr. In Dinkelscherben sei das aus seiner Perspektive massiv gewesen und deshalb wendet sich der Funktionär – nicht zum ersten Mal – an all diejenigen, die gebetsmühlenartig mehr Toleranz auf dem Platz einfordern und dann allzu häufig keine Taten folgen lassen. „Mir geht’s um den Umgang auf dem Sportgelände miteinander. Wir befinden uns da auf einem schrecklichen Weg. Das Mindeste ist doch, dass wir uns gegenseitig tolerieren.“
Nach einigen Momenten des Überlegens unterstreicht Dirr, dass es sich bei dem am Vatertag Gehörten und Gesehenen nur um das aktuellste Beispiel handelt. „Ich betone: Das hat nichts mit Dinkelscherben, Bubesheim oder sonstigen konkreten Vereinen zu tun. Wir müssen insgesamt einfach fairer miteinander umgehen“, appelliert er. Wobei der Funktionär durchblicken ließ, dass er in diesem Zusammenhang durchaus schon ans Derby in Ichenhausen denkt, das am kommenden Mittwoch steigt.
Die Welt ist, wie sie ist. Warum sollte sie auf dem Fußballplatz anders sein? Auch da gibt es Starke und weniger Talentierte, Brave und weniger Sympathische, Intelligente und weniger Kluge, ruhige Gemüter und tickende Zeitbomben. Und es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Fußballer versucht, mit seinen spezifischen Qualitäten die Schwächen des anderen in eigene Vorteile zu verwandeln. Wenn ich also weiß oder zumindest ahne, dass es auf der anderen Seite einen gibt, der sich leicht auf die Palme (und damit aus dem Konzept) bringen lässt, nun, dann bringe ich ihn eben auf die Palme.
Ist das so? Tatsächlich? Wer jetzt Ja sagt und sei es nur, weil er an den kurzfristigen Erfolg der eigenen Mannschaft denkt oder weil er von eigenem Fehlverhalten ablenken möchte, sollte sich hinterfragen, wie viel ihm Begriffe wie Toleranz und gegenseitiger Respekt im Umgang miteinander wirklich bedeuten. Anders formuliert: Wer jedes Foul sofort mit einem Nachtreten beantwortet oder wer den Gegenüber bewusst reizt, um ihn in eine verhängnisvolle Situation zu bugsieren, verwendet all die blumigen Worte, mit Verlaub, nur als Lippenbekenntnisse. Denn er gehört zur Schar derer, die (je nach Vereinsbrille) einen Unterschied machen zwischen der Toleranz, die für sie selbst gilt und jener, die alle anderen betrifft.