
Uwe Wolf wusste wieder einmal zu überraschen. Der KSV-Trainer brachte zwar den zuletzt wieder erfolgreichen Tobias Damm für Christian Henel, doch spielte Damm nicht als Sturmspitze. Er sollte Druck über die Außenbahn machen, während diesmal Ricky Pinheiro als Stürmer auftrat. Jonas Marz übernahm wieder die Spielmacherposition. Das Spiel in Mannheim begann ohne große Chancen. Man hätte meinen können, dass die Stille auf den Zuschauerrängen eine Reaktion darauf sei, doch handelte es sich hierbei um 12 Minuten und 12 Sekunden angekündigte Stille aus Protest gegen das neue Sicherheitskonzept des DFB.
Mit der aufkommenden Stimmung unter den circa 3.900 Zuschauern nahm auch das Spiel allmählich Fahrt auf. Pinheiro dribbelte sich mehrfach durch die gegnerischen Reihen, kam jedoch nicht zum Abschluss. In der 25. Minute entschied Schiedsrichter Kempkes dann auf Elfmeter für den Gastgeber. Patrick Huckle war an Jonas Marz hängen geblieben, doch ob es sich dabei tatsächlich um ein Foul handelte, war fraglich. Waldhof-Stürmer Martin Hess verwandelte sicher und die bis dato konzentriert in der Defensive auftretenden Löwen mussten nun erstmals nach fünf Begegnungen wieder einem Rückstand hinterher laufen. Drei Minuten später sah KSV-Verteidiger Matthias Rahn eine gelbe Karte, die seine Winterpause um eine Woche verlängert - es war seine fünfte. Uwe Wolf schickte seine Ersatzspieler zum Aufwärmen und nahm auch auf dem Platz eine Änderung vor - Damm rückte in die Sturmspitze, während Pinheiro nun wieder seinen angestammten Platz im Mittelfeld übernahm. Die Mannheimer zeigten mehr Selbstvertrauen und machten auch weiterhin Druck. Die letzte Chance vor der Pause ging an die Gäste. Jonas Marz tauchte nach gutem Zuspiel von Mayer vor dem Waldhof-Keeper auf, doch Rainer Adolf hielt sicher.
Zur zweiten Halbzeit kam Henel für Marz ins Spiel. Die Mannheimer Spieler setzten nun auf Konter, ein Tor gegen die gute Kasseler Abwehr schien ihnen zu genügen. Henel machte seine Sache gut, belebte das Offensivspiel der Nordhessen und trug zu weiteren Torchancen bei, wie etwa bei Pinheiros Schuss über die Latte in der 55. Minute. In der 61. kam es zur nächsten taktischen Umstellung der Gäste. Sebastian Gundelach musste wegen eines Muskelkrampfs ausgewechselt werden, Becker vetrat ihn von da an in de rAbwehr, während Gabriel Gallus neu ins Spiel kam. Nach 63 Minuten durften dann endlich auch die zahlreichen mitgereisten KSV-Fans jubeln. Tobias Damm köpfte eine Flanke von Nico Hammann zum verdienten Ausgleich in die Mannheimer Maschen.
Der KSV zeigte den Kampfgeist, der in den vergangenen Wochen oft genug auch die Offensivmängel ausglich. Ajdin Zeric sorgte zwar in der 71. Spielminute für eine Schrecksekunde auf Kasseler Seite, als er aus 16 Metern den Pfosten traf, doch die Löwen ließen sich nicht beirren. Ingmar Merle sollte dann ab der 79. Minute für Mayer noch einmal für frischen Wind sorgen. Was dann jedoch kam, war kein Wind, sondern ein Orkan. Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung machte Merle nach Zuspiel von Henel das 2:1 für den KSV Hessen. Die Mannheimer Schlussoffensive blieb jedoch ohne zwingende Gelegenheiten. Kassels Abwehrreihe zeigte sich mal wieder in altbewährter Form. Somit blieb es beim 1:2 aus Mannheimer Sicht, so dass Waldhof wieder einmal nicht gegen den "Angstgegner" aus Kassel gewinnen konnte.
Dank der Niederlage der Hoffenheimer Zweitmannschaft am Freitag Abend in Homburg schoben sich die Löwen somit auf den zweiten Tabellenplatz vor. Am 21. Spieltag - dem letzten im Jahr 2012 - hat der KSV allerdings spielfrei und könnte dann noch von Hoffenheim II und Eintracht Trier überholt werden, die dann aber beide ein Spiel mehr bestritten hätten. Zufrieden können die Löwen in die Winterpause gehen. Die Chance zum Nachlegen ergibt sich dann im Heimspiel gegen die TuS Koblenz Mitte Februar 2013.