
1) Servus Benedikt! Vorab vielen Dank, dass du die Zeit genommen hast, den FuPa-Lesern einen Einblick in die Arbeit der pfeifenden Gilde zu bieten. Sicherlich ist deine Zeit auf Grund deiner Schiedsrichtertätigkeit knapp bemessen?
Servus Robert, bitteschön, kein Problem. Naja, viel (Frei)Zeit bleibt da zwischen Beruf und der Schiedsrichterei nicht mehr, das stimmt schon. Mit mindestens 2 Spielen pro Wochenende und ab und zu noch Spielen unter der Woche oder am Freitag muss man sich die Zeit schon sehr gut einteilen und auf vieles andere verzichten. Aber wenn es keinen Spaß machen würde, würde ich das auch nicht machen…
2) In deinem FuPa-Profil ist unter „Klasse“ Bayernliga zu lesen. Das können nicht viele für sich in Anspruch nehmen. Ein Grund stolz zu sein?
Sicherlich darf ich auf diesen Erfolg sehr stolz sein, ganz klar. Mit der Bayernliga habe ich mein Ziel, dass ich mir von Anfang an erträumt habe, schon erreicht. Alles andere, was jetzt noch kommt, ist nur noch positive Zugabe. Man muss immer auf dem Boden bleiben, denn es kann wieder sehr schnell nach unten gehen. Aber man erlebt in diesen Klassen schon tolle Highlights, da lohnt es sich schon, soviel Zeit zu investieren.
3) In dieser Saison hast du bereits Derbys wie Memmingen gegen Thannhausen oder Freyung gegen Mauth geleitet. Dem gegenüber stehen aber auch Einsätze in niedrigeren Klassen. Macht das einen Unterschied?
Von der Einstellung her darf es überhaupt keinen Unterschied machen. Denn gerade in den unteren Klassen in seiner Region muss der Schiedsrichter seinen guten Ruf verkaufen. Gibt es da Probleme, stehen wir negativ in der Presse und die Leser denken schlecht über uns. Da hilft es dann auch nicht, wenn man in den oberen Klassen immer tolle Leistungen bringt.
Deswegen muss man sich immer wieder das Ziel setzen, in jedem Spiel seine beste Leistung abrufen zu können.
Größter Unterschied ist meistens das Tempo und das Spielverständnis. In höheren Ligen kann man einfach mehr laufen lassen. Versucht man diese Linie auch in den niedrigeren Klassen, hat man damit oft Probleme.
4) Alle aktiven Fußballer sind auf die Schiedsrichter angewiesen. Ohne euch wäre ein geregelter Spielbetrieb nicht möglich. Und trotzdem seit ihr es, die es nie Allen Recht machen können. Wie geht man damit um?
Naja, damit muss man sich leider abfinden. Das ist schon immer so und wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr groß ändern. Für mich gehören diese Emotionen aber auch dazu. Wichtig ist aber, dass der Respekt untereinander bestehen bleibt. Haben die Spieler und Zuschauer diese Schwelle überschritten, wird es kritisch. Da kommt es dann oft zu Ausdrücken, die überhaupt nicht auf den Fußballplatz gehören. Oft meint man wirklich, dass die Leute nur zum Fußball gehen, um ihre schlechte Laune herauszuschreien.
5) Immer wieder gibt es negative Berichte über sehr arrogant auftretende Schiedsrichter. Ab und an kann man auch den Eindruck empfinden, dass sich so mancher gerne in den Mittelpunkt stellt und mit besonders drastischen Maßnahmen entscheidenden Einfluss auf das Spiel nimmt. Ist nicht der Schiedsrichter der Beste, der nicht großartig auffällt? Oder ist das ganz einfach nicht immer möglich?
Wenn nach dem Spiel keiner über den Schiedsrichter redet, ist das immer ein gutes Zeichen. Sicherlich gibt es auch bei den Schiedsrichtern einige, die sich mehr in den Mittelpunkt stellen möchten als andere. Diese Charaktere gibt es bei den Spielern genauso. Ich persönlich finde das nicht gut. Aber oft ist es auch anders nicht möglich, denn wenn das Spiel ausartet, muss der SR auch sog. Unpopulären Entscheidungen treffen und seine Entscheidungen durchsetzen. Leider kommt das bei den Vereinen oft als arrogant rüber.
Das Problem ist leider, dass alle SR unter einen Hut gesteckt werden. D.h., wenn ein SR schlecht war, sind gleich alle schlecht.
6) Immer wieder machen auch Gerüchte die Runde, dass es entsprechende Vorgaben gäbe, wieviele Karten ein Schiedsrichter zu verteilen hätte…reines Stammtisch-Gerede?
Ganz klar reines Stammtisch-Gerede. Der bessere SR ist nicht der, der sehr viele Karten hat, sondern eher der mit den weniger Karten. Der SR soll zuerst mittels seiner Persönlichkeit versuchen, ein Spiel zu leiten. Gelingt dies nicht mehr, greift man zu den Persönlichen Strafen. Ich kann aber mit gutem Wissen bestätigen, dass es keinen Vorgaben gibt, wie viele Karten man verteilen muss.
7) Hoyzer ist uns Allen noch in schlechter Erinnerung. Wie sehr haben du und deine Kollegen darunter gelitten? Siehst du Gefahren, dass sich so etwas auch im Amateurbereich wiederholen könnte?
Im Amateurbereich hat das wohl eher für Gesprächstoff wie für Auswirkungen auf den Spielbetrieb gesorgt. Im DFB-Bereich hat es schon Auswirkungen gegeben. So erfahren die DFB-SR ihre Ansetzungen erst sehr kurzfristig.
Ob sich so etwas im Amateurbereich wiederholen könnte? Gute Frage. Ich kann da nur für meine Person sprechen und sehe deswegen keinen Sinn dahinter. Ich hoffe aber, dass jeder SR soviel Hirn hat und sich bewusst ist, dass er damit viel kaputt macht.
8) Da ich selbst ja aktiv Fußball spiele, konnte ich in den letzte Jahren einen Trend feststellen: die Schiedsrichter werden immer jünger. Das kann man einerseits positiv sehen, da Nachwuchsarbeit natürlich enorm wichtig ist, andererseits birgt das auch die Gefahr, dass junge Schiedsrichter vielleicht oft überfordert sind – vor allem wenn ein Beobachter dabei ist. Wie schätzt du das ein?
Da hast du schon recht, Robert. Ich bin da ja auch ein Beispiel für einen jungen SR, der sehr schnell aufgestiegen ist. Da das ganze Konzept vom Weltverband FIFA ausgeht, muss die UEFA, der DFB, der Verband, der Bezirk und der Kreis bei diesem System mitmachen, um nicht irgendwann leer auszugehen. Es birgt sicherlich die Gefahr, wenn ein sehr junger SR dann Kreisligaspiele oder höher pfeifen muss. Auf der anderen Seite muss man aber klar betonen, dass wirklich nur geeignete Leute in dieses Fördersystem kommen, von denen man erwarten kann, dass sie so ein Spiel leiten können. Die Vereine müssen dann auch verstehen, dass die jungen Leute etwas Zeit brauchen, um so gut wie die Erfahrenen zu werden. Ich persönlich stehe voll hinter diesem Konzept, da ich ja auch als Lehrwart der Gruppe Zwiesel in diesem Bereich tätig bin.
9) In der Kreisliga stehen ja bereits Linienrichter an der Seite um den Spielleiter zu unterstützen. Denkst du, dass sich dieses auch auf die Kreis- und A-Klassen ausweiten lässt?
In unserer Region wird das wohl nicht klappen, da wir die notwendigen SR dafür nicht haben. Es ist so schon immer sehr schwierig, jedes Wochenende alle Gespanne mit guten Leuten zu besetzen. Auf der anderen Seite ist das, denke ich, aber auch nicht notwendig.
Wenn der Trend so weiter geht und immer weniger Leute SR werden, wird es sowieso schwierig, alle Spiele mit SR besetzen zu können. Da sind dann v.a. die vielen Vereine gefragt, die überhaupt keinen SR haben.
10) Im Profibereich steht seit geraumer Zeit eine Diskussion im Raum, die vor allem auch die Schiedsrichter angetrieben haben: Videobeweis, Torschiedsrichter oder doch ein Chip im Ball? Wohin, denkst du, wird/sollte der Weg führen?
Ich persönlich wäre dafür, dass der Fußball so gelassen wird, wie er momentan ist. Der Fußball lebt ja von Emotionen und Fehlentscheidungen. Der Fan muss einfach akzeptieren, dass der SR nicht alles sehen kann.
Wenn aber die Technisierung eintreffen sollte, wäre ich eher für den Chip im Ball.
11) Zum Ende unseres Interviews noch zwei ganz persönliche Fragen: was würdest du erstens als deine bisherigen Höhepunkte im Schiedsrichter Dasein bezeichnen und zweitens, was sind deine Ziele für die Zukunft?
Höhepunkte hatte ich aufgrund meines schnellen Aufstiegs schon reichlich viele. Da kann ich mich nicht beschweren. Ich durfte auch schon in einigen Stadien Bayerns Spiele leiten, das sind immer tolle Erlebnisse. Als SR hatte ich letzte Woche mein persönliches Highlight beim Bayernliga-Derby Memmingen – Thannhausen von 2300 Zuschauern.
Da ich mein Ziel, SR in der Bayernliga, jetzt schon erreicht habe, kommen ab jetzt nur noch positive Zugaben. Ich erhoffe mir auf Jahre einen festen Platz in den DFB-Ligen, egal in welcher Liga und in welcher Funktion. Aber wie gesagt, ich bin sehr glücklich über den Verlauf und dem sehr dankbar.
12) Für deinen weiteren Weg wünsche ich dir im Namen von FuPa alles Gute und weiterhin das richtige Fingerspitzengefühl! Danke Benedikt, dass du dir Zeit genommen hast! Ach ja, zum Abschluss interessiert mich natürlich noch deine Meinung zu FuPa? Sicherlich klicken auch du und deine Kollegen regelmäßig zu uns oder?
Ich habe eine sehr positive Meinung zu FuPa und klicke auch mehrmals täglich auf die Seite. Mit eurem Chef Michael Wagner bin ich eh immer wieder in Kontakt. Vor allem die vielen Bilder der Spiele find ich klasse. So haben auch unsere SR die Möglichkeit, Bilder für ihr Familienalbum zu finden!
Und auch meine Kollegen nutzen die Seite sehr oft. Sie ist halt sehr aktuell und informativ. Macht weiter so! Ich hoffe, die Zusammenarbeit mit den Schiedsrichtergruppen bleibt auch weiterhin so gut.
Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin das richtige Händchen bei deinen Spielleitungen!
Das Interview für FuPa führte Robert Grantner