
FuPa: Servus Armin! Schön, dass du Zeit gefunden hast, für ein kurzes FuPa-Interview. Habt ihr euch schon erholt, von der Heimschlappe gegen Schönberg? Platz 1 war ja schnell wieder weg…
Miedl: Eine Niederlage ist immer schwer verdaulich, aber wir haben schon immer Probleme gegen andere Spitzenteams. Ich kann mich momentan nur an zwei Siege gegen die Topmannschaften der letzten zwei Jahre erinnern (1x Schönberg und 1x Untermitterdorf). Aber so schlimm ist diese eine Niederlage auch nicht. Jeder der Führenden patzt und vielleicht steht nächste Woche schon Schönberg an Platz 1. Dann haben wir ja gegen den Tabellenführer verloren. Außerdem geht es ja im Fußball und vor allem in dieser Spielklasse nicht nur um Siege, sondern auch um Teamgeist, Freundschaft und Zusammenhalt. Das funktionert beim SVS; jeder hilft mit, packt an und ist willkommen. Ich denke da an unseren Trommler-Dieter, der seine Borussia Mönchengladbach für den SVS hinter sich gelassen hat, an Christian "Beckham" Sigl, unseren Manager für alles, an Penn Sepp, der immer für beste Platzverhältnisse sorgt, oder an unsere Vereinsführung, Vorstand Stöckel Markus und Spartenleiter Franz Schmid. Sie halten uns immer der Rücken frei. Und genau deswegen glaube ich auch, dass sich der SV Schöfweg auch langfristig auf eine erfolgreiche Zukunft freuen kann.
FuPa: Im Spielbericht war zu lesen, dass es vor allem an einem lag, dass das Ergebnis noch relativ glimpflich für euch ausfiel, nämlich an dir! Dabei bist du ja „nur“ der Ersatztorhüter für den verletzten Stammkeeper Altmann! Hast du wieder Blut geleckt und nun vielleicht doch wieder Lust, dich dauerhaft zwischen die Pfosten zu stellen?
Miedl: Ein paar Bälle konnte ich zwar halten, aber ich war auch am Gegentor nicht ganz unbeteiligt. Und danach hatte ich etwas Glück, dass die Schönberger vorm Tor etwas nervös wirkten. Gegen Schönberg habe ich schon immer gerne gespielt, egal ob im Herrenbereich, als Feldspieler oder als Torwart. Dass ich aber jetzt wieder dauerhaft ins Tor gehe, das kann ich mir nicht vorstellen, zumindest nicht für die nächsten 5 oder 6 Jahre. Jo ist ein spitze Torhüter und er hat sich auch in den letzten drei Jahren stark verbessert, vor allem was das Herauskommen aus dem Tor angeht, eine schwierige Technik, die beim Zuschauen leicht aussieht, aber meist erst nach vielen "Fehlgriffen" sitzt. Und auf der Linie ist Jo ohnehin unschlagbar.
FuPa: Für alle, die dich nicht so kennen, deinen Werdegang nicht so verfolgt haben: du warst bzw bist eines der größten regionalen Talente auf der Torhütersposition, hast in deiner Jugendzeit für Rhumannsfelden den Kasten sauber gehalten und wurdest schließlich auch in den Kader des DFB-Stützpunktes sowie der Auswahl berufen. Kurz: du bist schon ein alter Hase zwischen den Pfosten und ein richtig guter noch dazu! Warum wolltest du in Schöfweg nicht ins Tor?
Miedl: Im Tor war ich immer am weitesten vom Spielgeschehen entfernt. Also hatte ich auch wenige Ballkontakte - und Ballbesitz macht einfach Spaß. Etwas übertrieben gesagt, war es dann im Tor immer so, dass wir entweder klar gewonnen haben - dann war es langweilig - oder wir waren nur in der Defensive. Dann hatte ich zwar etwas zu tun, aber meistens haben wir dann auch verloren. Den Mittelweg gab es selten, aber wenn es ein solches Spiel gab, dann war es schon ein richtig schönes Erlebnis. Auch war es immer bitter, wenn wir noch ein Tor gebraucht hätten, ich im Tor noch Luft für zwei Spiele hatte, aber dann nicht mithelfen konnte. Und das geht als Feldspieler viel leichter. Man ist viel weniger an einen Fleck gebunden. Natürlich gibt es eine taktische Disziplin, aber man hat mehr Freiheiten. Und nach dem Spiel ist man richtig ausgepowert und wir haben gewonnen. Ein tolles Gefühl!
FuPa: Mit Johannes Altmann, fällt nun der etatmäßige Schlussmann aus. Wie lange noch? Und ist für dich danach klar, dass es das wieder war mit Bälle fangen?
Miedl: Jo ist schon wieder richtig heiß auf sein Comeback. Aber ihm ist auch klar, dass er erst wieder anfangen kann, wenn er wieder fit genug ist und sich nicht gleich wieder verletzt. Momentan ist er noch beim Physiotherapeuten in Behandlung, aber wenn wir Glück haben, dann kommt er vielleicht sogar noch vor der Winterpause zurück. Und für mich ist es dann natürlich klar, dass ich wieder als Feldspieler mitwirken werde und versuchen mir den Stammplatz wieder zurückzuholen, aber das ist ein Punkt, der für mich ganz selbstverständlich zum Fußball gehört und ihn für alle spannender und interessanter macht. Zur Zeit haben wir ja auch auf dem Feld Not am Mann. Glücklicherweise konnten wir den einen oder anderen nochmals reaktivieren, der seine Fußballkarriere schon an den Nagel gehängt hatte. Auch unsere Aushilfen aus der Zweiten haben sich als überraschend gute Unterstützung erwiesen. Trotzdem hatten wir eigentlich nie mehr als zwei Mann auf der Ersatzbank und teilweise mussten sogar die Trainer nochmal ran. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich wieder aus dem Tor herauskomme.
FuPa: Für deinen Heimatverein läuft es ja derzeit überragend. Nach dem Aufstieg habt ihr euch bereits letzte Saison schnell eingelebt, habt euch dieses Jahr nochmal stabilisiert und gehört nun zu den Topteams der Kreisklasse Mittlerer Wald! Zwischenzeitlicher Höhepunkt war sicherlich die überraschende Herbstmeisterschaft. Habt ihr ordentlich gefeiert? Wohin – kurz- und langfristig – geht die Reise des SV Schöfweg?
Miedl: Die Herbstmeisterschaft war wirklich sensationell. Dass uns Neudorf und Mitterdorf am letzten Vorrundenspieltag den Vortritt lassen, damit hatte keiner gerechnet. Und die Feier nach dem Spiel war dann natürlich Pflicht, zuerst im Vereinsheim und dann beim Vereinswirt. Aber wie gesagt, die Herbstmeisterschaft war nur die zwar verdiente, aber auch kurzlebige Krönung der letzten Wochen. Wahrscheinlich werden wir diesen Platz nur auf demselben Weg wiedererlangen, nämlich mit Glück und überraschend. Ansonsten hoffe ich für die Restsaison, dass wir so lange wie möglich oben mitmischen können. Wohin die Reise langfristig geht, kann man nur schwierig beantworten. Vor allem hoffe ich, dass in Zusammenarbeit mit unseren Nachbarvereinen ein gelungenes Jugendförderkonzept entsteht. Nur so können wir hier im Bayerischen Wald langfristig erfolgreich Fußball spielen.
FuPa: Wenn man sich bei euch im Umfeld umhört, klingt ein Problem immer wieder durch: der Kader ist zu klein. Denkst du, das könnte am Ende den Ausschlag geben, oder anders gefragt, wäre das das größte Problem bei einem möglichen Aufstieg in die Kreisliga?
Miedl: Sicherlich ist das ein Problem. In letzter Zeit hatten wir ja zusätzlich noch ein ziemliches Verletztungspech, sodass sich die Mannschaft fast wie von selbst aufstellte. Aber unsere Ersatzleute sind sehr gute Fußballspieler, auch wenn vielleicht nach 60 Minuten die Kondition nachlässt; dafür gibt es dann die Auswechlungen. Ein Blick auf die Tabelle verrät ja, alles ist in bester Ordnung. Dass das aber keine Lösung auf Dauer ist, das ist auch klar. Und wenn unsere "Aushilfen" mal nicht mehr so flexibel einspringen können, dann werden wir auch nicht mehr viele Spiele gewinnen. In der Kreisklasse nicht, und in der Kreisliga erst recht nicht. Deswegen kann man bei uns wohl noch nicht von einem Aufstieg in die Kreisliga spechen. Dafür stehen wir auf zu wackligen Beinen.
FuPa: Armin, du bist ja sogar mit zwei Treffern in der Torjägerliste zu finden, hast also scheinbar auch ungeahnte Offensivqualitäten! Ganz vorne steht da bei euch jedoch ein anderer: Christian „Ce“ Schwankl führt die interne Rangliste an. Was macht ihn als Klassestürmer aus? Wird man ihn auf Dauer in Schöfweg halten können?
Miedl: Du sagst es - Offensivqualitäten - deswegen bin ich nicht mehr im Tor. Fred hat einfach meine wahren Talente erkannt... Ce ist wirklich ein Ausnahmestürmer und wir können froh sein, dass wir ihn haben. Was ihn als Klassestürmer ausmacht? Ich denke, er ist schnell, schwer vom Ball zu trennen, hat eine gute Technik und einen guten Schuss. Eigenschaften, die er und sein Bruder wahrscheinlich von ihrem Vater geerbt haben. Ce hätte nach der Jugend auch zu höherklassigen Vereinen wechseln können, sich aber für den SVS entschieden. Bei uns gibt es halt einen super Zusammenhalt und wir spielen jetzt ungefähr mit der gleichen Mannschaft wie vor 10 Jahren in der D- und E-Jugend. Das ist auch ein besonderer Umstand, auf den wir stolz sind. Wenn er aber gehen will, haben wir keine Chance ihn zu halten. Bei Stefan und bei Manuel schaut es da genauso aus. Alle drei haben definitiv das Potenzial in der BOL zu spielen.
FuPa: Schaut man auf die Tabelle, dann steht ihr dort vor Nachbar Schönberg und hinter Nachbar Untermitterdorf. Die Klasse der kurzen Wege macht schon Spaß, oder?
Miedl: Natürlich, man spielt mit Freunden gegen Freunde und Freunde schauen dabei zu. Besser geht's nicht. Man muss nicht weit fahren und man hat jede Menge Zuschauer. Daher wäre es für diese Kreisklasse auch schade, wenn wir oder einer unserer Nachbarn aufsteigen würde, auch wenn ich es jedem wünsche.
FuPa: Auch die Zuschauer scheinen begeistert: sagenhafte 350 zahlende Gäste konnte euer Kassier beim Heimspiel gegen Untermitterdorf begrüßen! Macht das den Reiz der niederen Klassen aus, dass man dort wenigstens noch vor etlichen Zuschauern auflaufen kann? In weitaus höheren Ligen, sieht man oft nur wenige Beobachter der Spiele…
Miedl: Es freut mich, dass so viele Leute unsere Spiele sehen wollen. Aber das ist nur ein Teil von dem, was die niederen Klassen so attraktiv macht. Die wenigsten Teams hier verfügen über einen großen Etat und deswegen spielen bei Schöfweg nur Schöfweger und bei Schönberg nur Schönberger usw. Man kann sich dadurch viel besser mit der Mannschaft identifizieren als mit einer Legionärstruppe und die Mannschaft ist auch viel näher beim Zuschauer. Die kennen dann jeden Spieler, vielleicht sogar die der Gegner. Deswegen schaue ich mir doch ein Kreisklassenspiel viel lieber an als ein Bezirksligaspiel, in dem ich niemanden kenne, vor allem, da man ja zur Zeit auch sehr schöne Spiele in unserer Kreisklasse erwarten kann.
FuPa: Du entstammst ja einer Sportverrückten Familie. Bereits dein Vater und dein Bruder waren weit bekannt. Klär doch unsere Leser einmal über die Werdegänge beider auf! Wie sehr prägen solche „Gene“?
Miedl: Ja, sportverrückt ist eine gute Beschreibung für unsere Familie. Mein Vater ist ein erfolgreicher Langläufer. Er hat duzende Juniorenmeisterschaften gewonnen, wurde deutscher Vizejuniorenmeister, und auch im Seniorenbereich eilte er von Erfolg zu Erfolg. Zum Beispiel wurde er Deutscher Meister in der Staffel und als Läufer für die deutsche Nationalmannschaft wurde er zur Europameisterschaft eingeladen. Doch ein Autounfall beendete den Traum von der Europameisterschaft. Und bei Michael war es ähnlich, nur dass er lieber Fußball spielte als mit Skiern zu laufen. Er begann beim SV Schöfweg, wechselte bald zu Tittling, dann zu Vilshofen und in der B-Jugend war er schon Topscorrer der Liga als Stürmer beim TSV 1860 München. Dort schaffte er den Sprung in die Juniorennationalmannschaft und wurde mit der U17 bei der WM 1997 in Ägypten Vierter. Aber auch er hatte Pech mit Verletzungen. In einem unwichtigerem Ligaspiel riss er sich das Kreuzband und musste ein halbes Jahr pausieren. Trotz diesem Einschnitt schaffte er noch den Sprung in die 2. Bundesliga mit dem FC Schweinfurt 05. Nach seiner Zeit in Franken konzentrierte er sich auf seinen Beruf und so hat er seitdem in mehreren Vereinen der Landesliga und der Bayernliga gespielt. Momentan steht er mit dem BCF Wolfratshausen auf Platz 7 der Landesliga Süd. Michael war in meiner Jugend auch mein großes Vorbild, ich wollte auch einmal so werden wie er und in der Nationalmannschaft spielen. Diesen Traum hat zwar jeder kleiner Junge, aber ich war irgendwie viel näher am Geschehen. Das war richtig spannend.
FuPa: Auf dich und dein Team warten bis zum Winter noch drei dicke Brocken: am Wochenende müsst ihr nach Thurmansbang, danach kommt der aktuelle Tabellenführer Neudorf zu euch und zum Abschluss steht das Duell mit Absteiger Preying an. Was erwartet ihr euch von den letzten drei Spielen?
Miedl: Thurmannsbang wird eine Herausforderung, weil es ganz bestimmt nicht leicht ist gegen diese heimstarke Mannschaft auf ihrem eigenem Platz zu schlagen. Trotzdem hoffe ich für den kommenden Spieltag, dass wir aus Thurmannsbang den einen oder anderen Punkt entführen können. Und gegen Neudorf wird es wohl noch schwieriger. Wenn ich an das Vorrundenspiel zurückdenke, hat uns Neudorf klar dominiert, verdient gewonnen und einfach eine Klasse besser gespielt als wir. Gegen Preying rechne ich mir dann wieder mehr Chancen aus, obwohl man die Truppe auf heimischen Rasen auch auf keinen Fall unterschätzen darf. Vier Punkte aus den nächsten drei Spielen sind ein Muss, wenn wir vorne dabei bleiben wollen, und mein Wunschtraum wären sieben Punkte.
FuPa: Das Wort Aufstieg ist natürlich in aller Munde. Die beiden Lang-Brüder aus Thurmansbang – auf die du ja am Sonntag triffst – haben kürzlich im FuPa-Interview gesagt, sie trauen nur Untermitterdorf und Neudorf das Bestehen in der Kreisliga Bayerwald zu. Siehst du das ähnlich, oder ist der Sprung gar nicht so groß?
Miedl: Ich glaube auch Schönberg hat das Potential in der Kreisliga zu bestehen. Sie haben einen sehr ausgeglichenen, großen Kader und eine gute Abwehr, genau die richtigen Voraussetzungen für eine schwierige Saison. Es fehlt nur noch das bisschen Glück, mit dem dann aus einem Unentschieden ein Sieg und aus einer Niederlage ein Unentschieden wird.
FuPa: Wer letztendlich den Schritt in die nächste Klasse schafft, steht noch in den Sternen. Doch eines kann man jetzt schon sagen: es wird wohl spannend bis zum Schluss! Denn Konstanz strahlt so recht keine der Spitzenmannschaften aus…Wie siehst du eure Chancen, prozentual?
Miedl: Wenn bei uns alles optimal läuft und sich keiner mehr verletzt dann tippe ich 20% auf Platz 2. Wahrscheinlicher ist ein Platz 3 oder 4 oder 5.
FuPa: Armin, vielen Dank für das Interview und weiter viel Erfolg – egal auf welcher Position!
Miedl: Vielen Dank, Robert.