Historisches Debakel für Germania Windeck
von Tim Miebach, Kölner Stadt-Anzeiger · 12.05.2013, 21:44 Uhr · 0 Leser
Hermann-Josef Werres, Trainer TSV Germania Windeck, maGro/DüsterMit 1:9 geht der bisherige Spitzenreiter der Fußball-Mittelheinliga, Germania Windeck, im Derby gegen den Erzrivalen FC Hennef 05 unter. Trainer Hermann-Josef Werres findet deutliche Worte für die Leistung seiner Mannschaft.
Germania Windeck – FC Hennef 05 1:9 (1:4). Für Hermann-Josef Werres war es ein historisches Debakel. „Ich habe weder als Spieler noch als Trainer jemals so hoch verloren“, sagte der Coach des Fußball-Mittelrheinligisten Germania Windeck nach der 1:9-Schmach – ausgerechnet im Duell mit dem Erzrivalen aus Hennef. Seine Mannschaft hatte sich nicht nur vorführen lassen, sondern büßte gleichzeitig die Tabellenführung ein. Die 05er zogen indes an Windeck vorbei auf Platz zwei, während der Euskirchener TSC dank eines 4:0 im Spiel gegen Hilal Maroc Bergheim die Spitzenposition zurückerobern konnte.
Werres sprach nach der Partie Klartext: „Wir sind heute wie eine Mädchenmannschaft aufgetreten. So kann man gegen einen Topklub wie Hennef nicht bestehen.“ Er hatte seine Elf eindringlich vor der Gästeoffensive gewarnt – geholfen hatte es nichts. Der Windecker Coach übte aber auch Selbstkritik. Die Startelf gegenüber dem jüngsten 3:1 in Euskirchen nicht zu ändern, bezeichnete er hinterher als Fehler: „Den Jungs war die Müdigkeit nach dem Mittwoch-Spiel deutlich anzumerken.“ Trotz der bitteren Pleite richtete Werres aufmunternde Worte an seine Equipe: „Ich wusste, dass wir irgendwann mal reif sind. Dass es ausgerechnet gegen Hennef passieren musste, tut zwar weh. Ich lasse mir unsere tolle Saison aber nicht wegen eines Spiels schlechtreden.“ Werres\\' Trainerkollege Marco Bäumer war trotz des Triumphes derweil um eine sachliche Analyse bemüht: „Wir haben heute unsere beste Saisonleistung gezeigt und auch in der Höhe verdient gewonnen. Das Titelrennen ist jetzt wieder völlig offen.“
In der Tat war seine Elf in allen Belangen überlegen gewesen. Den besseren Start erwischten dennoch die Windecker: Nach einem Foul des Hennefer Akteurs Dennis Eck an Lucas Völker entschied der Unparteiische auf Elfmeter; Marcus Voike übernahm Verantwortung und verwandelte sicher zum 1:0 (15.). Fortan spielten aber nur noch die Gäste. René Dabers, Florian Schöller, Eck und Sebastian Hecht machten mit ihren Treffern schon vor der Pause alles klar. Nach dem Wechsel waren es dann Nils-Simon Remagen, zweimal Dabers, Eck und Tobias Günther, die das Ergebnis auf 9:1 in die Höhe schraubten – und Werres einen historischen Abend bescherten.
SF Troisdorf – FC Wegberg-Beeck 2:2 (2:1). In der 89. Minute stockte den Troisdorfer Anhängern noch einmal der Atem: Ein perfekt getretener Freistoß des Wegberg-Beeckers Arian Berkigt senkte sich genau in den Winkel, doch SF-Keeper Tim Rudersdorff machte sich lang und lenkte den Ball mit einem sensationellen Reflex um den Pfosten. Damit rettete der Torwart seiner Equipe ein 2:2. Der Troisdorfer Interimscoach Michael Pilger hatte diese Szene von der Tribüne aus beobachten müssen. Ihn hatte die Entstehung des Freistoßes zu derart lautstarken Protesten verleitet, dass der Schiedsrichter Pilger vom Spielfeldrand verwies. „Mario Weber und sein Gegenspieler sind mit den Köpfen zusammengestoßen. Das war nie und nimmer ein Foul von Mario“, sagte Pilger hinterher. Sein Fazit unterschied sich am Ende ein wenig von dem seines Trainerkollegen Friedel Henßen. Während Pilger von einem gerechten Remis sprach, sagte Henßen: „Ich bin enttäuscht. Heute war sehr viel mehr drin.“
Beide Teams hatten offensiv begonnen, das erste Tor gelang jedoch den Troisdorfern: David Podlas bediente Halil Kabak mit einem feinen Hackentrick. Der Rest war Formsache für den SF-Angreifer (6.). Nur sechs Minuten später hatten die Sportfreunde Glück, dass ein Volleyschuss des Gäste-Stürmers Sahin Dagistan nur knapp am Tor vorbeistrich. In der 21. Minute war es dann Cenk Durgun, der den Ball im Mittelfeld eroberte und Vincenzo Bosa auf die Reise schickte. Der Troisdorfer Goalgetter schob überlegt zum 2:0 ein. Eine Standardsituation bescherte den Gästen dann den Anschlusstreffer: Johannes Walbaum schoss einen Freistoß unter der Mauer hindurch und am verdutzten Rudersdorff vorbei ins Tor (39.). Nur sechs Minuten nach dem Wechsel sah David Podlas dann nach einer Grätsche in der gegnerischen Hälfte die Ampelkarte. Die erste Verwarnung hatte er sich wegen Meckerns eingehandelt. Nur wenige Sekunden nach Podlas\\' Herunterstellung glich Thomas Lambertz zum 2:2 aus. Die Gäste aus Wegberg-Beeck entfachten nun großen Druck, doch bei deren einziger Großchance war Rudersdorff zur Stelle und es blieb schlussendlich beim Remis. Nun kann die Sportfreunde-Elf entspannt in die Pfingstpause gehen. „Wir müssen jetzt nur noch drei Punkte holen. Dann ist der Klassenerhalt endgültig perfekt“, erklärt Pilger.