
Ein klares Zeichen wollte Kassels Trainer Uwe Wolf bereits mit der Startaufstellung setzen. Statt der üblichen zwei 6er gab es diesmal mit Enrico Gaede nur einen, dafür allerdings zwei Spielmacher, in Person von Gabriel Gallus und Ricky Pinheiro. Es sollte mehr werden als bloß das Erlangen von drei weiteren Punkten im Aufstiegskampf... und zunächst gelang das auch.
Bereits in der zweiten Spielminute kamen die Löwen zu ihrem ersten Angriff. Eine Flanke von Andreas Mayer hatte Pinheiro zu Gabriel Gallus weitergeleitet, der aus elf Metern abzog und traf. Drei Minuten später versuchte Nico Hammann mit einem Schuss von der Strafraumgrenze sein Glück, doch der Ball prallte am Pfosten ab. Eine weitere Minute später stand es bereits 2:0 für die Gastgeber. Einen Pass von Ricky Pinheiro von der Mittellinie in den Lauf von Sebastian Schmeer nutzt dieser eiskalt, gewinnt im Laufduelle gegen einen Pfullendorfer Spieler und umkurvt noch den Torhüter. In der zwölften Minute setzte sich das Offensivspektakel der Nordhessen mit einem Lattentreffer nach einem Fernschuss von Pinheiro fort. Was die 2500 Zuschauer im Auestadion in den ersten 25 Minuten geboten kamen, war das, was man sich stets vom KSV Hessen wünscht: flüssiges, schnelles Kombinationsspiel, mutig nach vorn, den Abschluss suchend. Zwei mal waren sie dabei in der Anfangsphase erfolgreich. Hätte es stattdessen 4:0 gestanden, hätten sich die Pfullendorfer nicht beklagen können.
Als der Druck der Löwen dann für einen Moment nachließ, traute sich auch der SC mal in Richtung des Kasseler Strafraums. Eine Flanke segelte über denselbigen hinweg, als Silvio Battaglia im Laufduell mit Matthias Rahn zu Fall kam. Schiedsrichter Philipp Schmitt entschied auf Elfmeter, den im Anschluss Piero Saccone in der 29. Minute sicher verwandelte. Dies war der Moment, als der Schalter im Kopf der KSV-Spieler umsprang und sich der fatale Denkprozess in Gang setzte: "So viele Chancen hatten wir, aber mit einem Male steht es 2:1! Was, wenn..." und den Rest kann man sich denken. Das Spiel der Löwen wurde im weiteren Verlauf der ersten Hälfte zögerlicher, teils unsicher und die Pfullendorfer kamen nun zu ihren Chancen. Glück für den KSV, dass diese ungenutzt blieben. Auch die Gastgeber kamen noch vor das Pfullendorfer Tor, aber das letzte Quäntchen Glück oder auch Wille fehlte dabei stets.
Uwe Wolf reagierte auf das Verhalten seiner Mannschaft, nahm eine taktische Änderung vor und brachte zur zweiten Halbzeit Jonas Marz für den zunächst so starken Gabriel Gallus. Im zweiten Durchgang machte sich nun auch Unruhe beim Unparteiischen breit. Innerhalb von fünf Minuten zückte er gleich vier mal den gelben Karton - drei Löwen waren davon betroffen: Christian Henel (wegen Unsportlichkeit), Enrico Gaede (Foul) und Jonas Marz (Foul). Für keinen der Spieler hat die Gelbe Karte unmittelbare Konsequenzen. Henel beispielsweise hatte unlängst gegen Trier seine Gelbsperre abgesessen. In der 62. Minute kam es zum zweiten Wechsel bei den Gastgebern, der 18-jährige Marco Dawid, zuletzt zwei mal im Hessenpokal erfolgreich, kam für Christian Henel ins Spiel. Damit begann die zweite Drangphase der Löwen. Diese kam zwar nicht an das Spektakel der ersten Minuten heran, sorgte allerdings wieder für ein druckvolleres Spiel des KSV. Dawid war ein steter Unruheherd in den Pfullendorfer Abwehrreihen, nur Zählbares wollte dabei leider nicht gelingen. In der 76. Minute erfolgte der dritte Aluminium-Treffer der Nordhessen. Nach einer Flanke von Marco Dawid setzt Pinheiro zum Kopfball an. Der Aufpraller war für Pfullendorfs Torhüter Willibald nicht zu halten, doch die Latte rettete für ihn und die Gäste. In den Schlussminuten kam Viktor Riske für Sebastian Schmeer zum Einsatz. Atem anhalten war für die Zuschauer noch einmal in der Nachspielzeit angesagt. Ein Freistoß für den SC Pfullendorf, das wäre ein Schock für die Löwen. Der Schuss ging jedoch in die Mauer und es blieb beim knappen Erfolg der Kasseler.
Beide Trainer sprachen im Anschluss von einem verdienten KSV-Sieg. Uwe Wolf betonte, dass er sich dies für seine Mannschaft nach der unglücklichen Niederlage in Trier gewünscht habe und man zu Hause nun nichts mehr liegen lassen wolle. Pfullendorfs Coach Adnan Sijaric zollte dem höllischen Tempo des KSV aus der Anfangsphase Respekt und wünschte den Löwen viel Erfolg im Rennen um die Relegationsplätze. Das Rennen setzt sich für den KSV Hessen am Mittwoch mit der Partie beim 1. FC Eschborn fort. Die Eschborner überraschten gerade erst mit einem 2:1-Erfolg übder die SG Sonnenhof Großaspach. In der Tabelle haben sich die KSV-Kicker auf den vierten Platz verbessert, mit einem weiter nach oben gerichteten Blick.