
Lesen Sie im zweiten Teil unseres ausführlichen Jahresrückblicks über das Landesliga-Spitzenteam aus dem Passauer Westen, warum die Mannschaft im Sommer grundlegend umgebaut wurde, und weshalb das Team nach dem Saisonwechsel sportlich wie charakterlich einen Schritt nach vorne gemacht hat. FuPa lässt das Spieljahr 2011 im großen Jahres-Interview mit Schaldings Abteilungsleiter Markus Clemens, Trainer Mario Tanzer und den beiden Kapitänen Josef Eibl und Josef Krieg Revue passieren. Zum Nachhören gibt's Teil zwei des Interviews auch als Audio-Stream.
Mario, bist du alles in allem zufrieden mit deinem ersten Jahr beim SV Schalding?
Mario Tanzer (36): Wenn ich jetzt sage ich bin zufrieden, dann wär ich auch damit zufrieden, dass ich abgestiegen bin aus der Bayernliga. Von daher kann man das nicht so sehen.
Markus, wie siehst du die sportliche Entwicklung der Mannschaft?
Markus Clemens (37): Ich seh die Entwicklung durchwegs positiv. Wir haben viel probiert, wir haben alle möglichen Maßnahmen ergriffen, die uns zur Verfügung standen, aber der Abstieg war nicht mehr zu verhindern. Den Klassenerhalt haben wir nicht geschafft. Wir hätten ihn uns aber auch nicht verdient gehabt. Das muss man ganz klar sagen. Wir sind zurecht abgestiegen, weil wir letztes Jahr nicht dieser SV Schalding waren, der wir zuvor über fast ein Jahrzehnt gewesen sind. Wir haben letzte Saison nicht das Gefüge in der Mannschaft gehabt, das wir uns über lange Zeit erarbeitet haben und das wir uns gewünscht haben.
Daraufhin habt ihr reagiert - mit sechs Neuzugängen und neun Abgängen.
Markus Clemens: Ja, wir haben die Mannschaft ein Stück weit neu aufgestellt, umgebaut und haben genau auf diese Dinge Wert gelegt. Deswegen bin ich bis dato sehr sehr zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr. Weil ich weiß, dass uns dieser Prozess gelungen ist. Wir haben nun wieder eine Mannschaft, die homogen ist, die funktioniert, die gerne miteinander Fußball spielt und die gerne miteinander Fußballspiele gewinnt. Diese Erfahrung habe ich heuer gemacht. Und wenn du mich nach einem Highlight in dieser Saison fragen würdest, dann müsste ich sagen: die Entstehung dieser Mannschaft war für mich das Highlight. Es hat richtig Spaß gemacht, diese Mannschaft wachsen zu sehen, als wir im Sommer-Trainingslager in Pocking waren. Als wir die ersten Spiele in Nürnberg gegen Dergahspor oder in Ansbach gewonnen haben. Das waren tolle Erlebnisse. Zu diesem Zeitpunkt hat man schon gemerkt, da wächst was zusammen. Auch aufgrund dieser Entwicklung stehen wir zurecht in der Landesliga-Spitzengruppe.
Und aus Spielersicht? Zeichnet sich diese positive sportliche Entwicklung auch besonders in der Stimmung innerhalb der Mannschaft aus?
Josef Krieg (26): Das zeigt sich auf jeden Fall auch an der Stimmung. In der Abstiegssaison aus der Bayernliga waren ganz einfach Unstimmigkeiten in der Mannschaft. Durch punktuelle Verstärkungen und damit meine ich nicht nur im spielerischen, sondern vor allem auch charakterlichen Bereich haben wir das wieder hinbekommen. Die Neuzugänge passen richtig gut ins Team. Dann kam natürlich unsere Siegesserie hinzu. Aber im Großen und Ganzen ist das jetzt wirklich wieder ein Haufen, in dem's richtig Spaß macht Fußball zu spielen. Jeder kämpft jetzt wieder für den anderen. Das zeigt sich natürlich auch anhand der Ergebnisse.
Mit Benni Neunteufel habt ihr einen wichtigen Spieler verloren. Wie kommt's, dass ihr so einen Verlust so gut auffangen konntet? Hat sich in diesem Zusammenhang auch deine Rolle im Team verändert?
Josef Eibl (25): Bei mir hatte das jetzt weniger mit dem Benni zu tun. Ich musste in der letzten Saison eine schlechte Phase überstehen. Bene ist einfach ein unglaublicher Torjäger und hat in dieser Zeit 25 Tore geschossen. Mehr als 20 Tore wären ihm sicher auch heuer wieder gelungen. Das kann man ihm nicht wegnehmen. Aber nach seinem Weggang, haben andere Spiele wie der Michi Pillmeier, Flo Stecher und unsere gesamte Offensive wieder viel mehr Selbstvertrauen. Vorher ist einer vorne gestanden, der über 20 Tore gemacht hat, und auf den das Spiel fixiert war. Jetzt sind wir nicht mehr so gut auszurechnen.
Mario, als Trainer ist man nie glücklich, wenn so ein torgefährlicher Spieler den Verein verlässt. Aber dennoch ist deutlich erkennbar, dass euer Spiel jetzt viel variabler geworden ist.
Mario Tanzer: Man muss sehen, dass viele Spieler eine positive Entwicklung genommen haben. Ein Pillmeier, wenn ich das jetzt hochrechne, kommt auch auf 30 Tore in dieser Saison. Es ist ja auch nicht selbstverständlich, das man nach einem Abstieg in der Landesliga gleich durchmarschiert. Bebbo Eibl ist selber auf einem sehr guten Weg. Der schafft auch 22, 23 Tore Saisontore. Von daher sehe ich den Verlust von Neunteufel gar nicht so tragisch innerhalb der Mannschaft. Im Gegenteil: Es springen jetzt andere in die Bresche. Wir haben ja sehr viele Spieler im Offensivbereich. In diesem Zusammenhang wird oft ein Spieler wie der Flo Stecher vergessen. Seit er auf der Außenbahn spielt, hat er zehn Tore vorbereitet und fünf geschossen. Pillmeier liegt in der Torjägerliste bei 16, Bebbo Eibl bei 14 Toren und sieben Assists. Wir sind ja nach dem Weggang von Neunteufel in der Offensive nicht geschwächt worden, sondern sind stärker geworden. Ich denke da auch an unsere Youngsters wie Christian Brückl, Michael Wirth und Thomas Kreß. Das sind Spieler, die ja alle noch im Kommen sind. Die haben ihr Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Durch diese Spieler sind wir wesentlich stärker geworden und sind nicht mehr so leicht auszurechnen. Und: wir haben jetzt richtig Tempo im Spiel.
Lesen Sie im dritten und letzten Teil des großen Schalding-Jahresrückblicks warum der SVS kurz vor der Winterpause noch aus den Aufstiegsplätzen gerutscht ist und wie die Verantwortlichen mit der Herausforderung "Regionalliga Bayern" umgehen...
Das große Jahres-Interview - Teil 2 - als Audio-Stream: