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Ligabericht

Fürstenwalder Wölfe reißen Rostocker Lämmer

MIT VIDEO UND GALERIE: Im Topspiel der Oberliga Nord überrollt der FSV Union Fürstenwalde den FC Hansa Rostock II nach einer schwachen ersten Halbzeit

von Thomas Sabin · 13.03.2016, 19:38 Uhr · 0 Leser
Auf Titelkurs: Der FSV Union Fürstenwalde verzaubert die eigenen Fans mit einer Wahnsinns zweiten Halbzeit gegen Hansa Rostock II. Foto: M. Rieckmann
Auf Titelkurs: Der FSV Union Fürstenwalde verzaubert die eigenen Fans mit einer Wahnsinns zweiten Halbzeit gegen Hansa Rostock II. Foto: M. Rieckmann

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FuPa.tv: Shakespeare hätte den Spannungsbogen nicht besser niederschreiben können. Pünktlich nach Anpfiff der zweiten Hälfte des Stücks kippte das Topspiel zwischen Union Fürstenwalde und Hansa Rostock II und zog das Publikum in seinen Bann.


Akt 1: Harmlose Wölfe - clevere Lämmer

Voller Spannung erwarteten die rund 400 Zuschauer im Friesenstadion die Vorstellung. Der Zweite der Oberliga Nord empfängt den Dritten zum Topspiel. Die Begegnung wird angepfiffen und die Gäste aus Rostock legen furios los. Die junge Truppe um Chef-Trainer Kroos, mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren, bestimmt das Spiel. Technisch und körperlich überlegen, spielen sich die Hansa-Jungs in einen Rausch. Die Hausherren bekommen keinen Zugriff und agieren viel zu harmlos. Unaufmerksamkeiten und kleinere Fehler machen es den Gästen immer leichter vor das FSV-Tor zu kommen und Chancen zu kreieren. In der 23. Minute erwischt es das Fürstenwalder Rudel eiskalt. FSV-Keeper Filatow klärt den Ball mit den Pranken direkt in den Fuß von Christer Youssef, der zur 1:0-Führung einnetzt.

Die Unioner: wie benommen. Nur Filatow ist hellwach. Er nutzt die nächste Gelegenheit der Gäste, um seine Qualitäten unter Beweis zu stellen und verhindert das 2:0 mit überragendem Reflex. Der FSV bleibt also im Rennen und bekommt Zeit sich zu fangen. Ein Plan muss her.

Die erste Hälfte gehörte klar den Hanseaten. Sie beherrschten das Spiel und schicken die Hausherren mit hängenden Köpfen in die Kabine. Doch das Blatt sollte sich noch wenden

Die erste Hälfte gehörte klar den jungen Hanseaten. Sie beherrschten das Spiel und schicken die Hausherren mit hängenden Köpfen in die Kabine. Doch das Blatt sollte sich noch wenden.

Akt 2: Der Wuthe-Doppelschlag

Verhext, verzaubert und wie im Rausch kommen die Grün-Weißen aus der Pause. Sie wirken wie ausgewechselt. Eine neue Elf scheint auf dem Platz zu stehen. Hoch motiviert attackiert die Maucksch-Elf die Hintermannschaft der Rostocker. Der Druck wird größer und die Fehler häufen sich. Plötzlich schlägt er zu. FSV-Stürmer Wuthe beißt sich ins Spiel und holt innerhalb von vier Minuten zum Doppelschlag aus.

Die Partie: gedreht. Das Publikum: außer sich. Die Rostock-Elf: paralysiert und verängstigt.

Akt 3: Die Wölfe im Torrausch und nervöse Lämmer

Es scheint so, als würde alles klappen. Der FSV ist jetzt nicht mehr zu stoppen und rennt die Hansa-Defensive weiter gnadenlos an. Sie haben Blut geleckt. Sie sind hungrig auf das nächste Tor. Die Abwehrkette der Gäste bekommt mehr und mehr Problem. Das einzige Mittel: Fouls. Gelbe Karten sind die Folge. Der nächste Freistoß ist aus dem Lehrbuch. Paul Milde streichelt den Ball sanft, elegant, ja unhaltbar ins linke Eck und treibt den Dolch tiefer in die Hansa-Herzen.

Jetzt brennt der Baum bei den Gästen. Fehler werden wie am Fließband produziert. Kein Zugriff mehr und das Selbstvertrauen: weg. Zweikämpfe gehen verloren. In der eigenen Hälfte. Das reicht, um das nächste Tor für den FSV einzuleiten. Ein Pass in die Tiefe hebelt die komplette Abwehrkette der Hansa-Elf aus. Geurts lässt sich nicht lange bitten und schiebt die Kugel locker ein.

Akt 4: Die Wölfe reißen die Lämmer

Jetzt wird es deutlich. Die Rostocker Reserve ist geschlagen. In ihren Gesichtern: Leere. Mit aller Kraft versuchen sie Schlimmeres zu verhindern. Es gelingt ihnen nicht. Unermüdlich arbeiten die Hausherren am nächsten Tor. Schwer angeschlagen schleppen sich die weit Gereisten, in der Hoffnung, verschont zu werden, über die letzten zehn Minuten. Doch ein Wolf beendet seine Jagt erst dann, wenn die Beute erlegt ist. Und so folgen zwei weitere Treffer. Toni Hager und Darryl Julian Geurts erlegen die Gäste endgültig.

Es waren zwei grundverschiedene 45 Minuten, die dem Publikum vorgeführt wurden. Das Zusammenbrechen, der erst stark auftretenden Rostock-Reserve, wurde gnadenlos effektiv von den Unionern ausgenutzt. Dem Fürstenwalder Torrausch hatten die Gäste nichts entgegenzusetzen. Mit leeren Händen und einer herben Niederlage im Aufstiegskampf ging es für die Kroos-Elf nach Hause.

Die größten Kritiker der Hauptdarsteller in diesem Stück sind wohl die Trainer selbst. So sahen sie die verrückten 90 Minuten im Friesenstadion.

Hansa-Coach Kroos: „Die Enttäuschung ist riesengroß, wenn man so eine erste Halbzeit spielt. Da hat die Mannschaft alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Aber letztendlich hat Fußball zwei Halbzeiten und wenn ich die Entstehung der ersten drei Tore sehe, muss man sagen, da haben wir reichlich mitgeholfen. Wir haben viele Querpässe in den Fuß des Gegners gespielt und das wurde gnadenlos bestraft. Und dann sieht man eben, dass so eine junge Mannschaft am Ende total verunsichert ist und dann auch nicht wieder zurückgekommen ist. Das ist dann schon enttäuschend.“

Union-Coach Maucksch: „Wir waren uns über die Spielstärke der Rostocker bewusst und wollten von Anfang an eine gewisse Präsenz in den Zweikämpfen zeigen und versuchen, das Spiel in die richtige Richtung zu drücken. Wir sind gerade mit dem 1:0-Gegentreffer ein bisschen auf die Nase gefallen und man merkte völlige Verunsicherung innerhalb des Teams. Mit der Einwechselung von Rifat Gelici kam neuer Schwung in die Mannschaft. Wir sind ordentlich in die zweite Halbzeit gestartet und wollten die Rostocker pressen und somit die junge Hintermannschaft unter Druck setzten. Als Trainer ist man natürlich zufrieden, wenn die angesprochenen Sachen zeitnah umgesetzt werden. Am Ende war ja fast jeder Schuss ein Treffer.“

>>>Alle Daten und Fakten zum Spiel, den Liveticker zur Nachlese, die Highlights und Tore, sowie die Wahl zum besten Spieler findet ihr hier.